Filme mit Philip Seymour Hoffman: "Der Duft der Frauen", "Magnolia", "The Big Lebowski", "Boogie Nights", "Der talentierte Mr. Ripley", "Red Dragon", "Unterwegs nach Cold Mountain".
Wie bitte? Sie haben all diese großen Erfolgswerke gesehen, können sich aber nicht an Philip Seymour Hoffman erinnern? Glauben Sie es: Er war da. Und er war gut. Hat den Filmen Tiefe gegeben und Glaubwürdigkeit, manchmal auch die nötige Überdrehtheit, ohne sich in den Vordergrund zu drängen. Lange Jahre wirkte er als Hollywoods beste Nebenrolle, ein Mann, der einen Film glänzen lässt und nie sich selbst. Das perfekte Hintergrundgeräusch. Auffällig unauffällig. Ein Liebling der Regisseure, die von ihm auf eine wundersame Art eigentlich immer viel mehr bekamen, als sie sich vorher erhofft hatten.
Die Filmkritiker dieses Planeten hat diese Fähigkeit bei ihm schon immer begeistert. Und das Kinopublikum staunt über Hoffman spätestens seit 2005. Damals spielte er in seiner bis dahin größten Rolle den Schriftsteller Truman Capote. Und zwar so gut, dass es einem schier den Atem verschlug. Die ganze Manieriertheit, die Verletzlichkeit, die hohe Fistelstimme, die von Capote bewusst inszenierte Persiflierung der eigenen Homosexualität - Hoffman traf den Schriftsteller in seiner Charakterstudie punktgenau. Und bekam 2006 den Hauptrollen-Oscar dafür, völlig verdient.
Dabei macht der 41-Jährige nicht viel anders als vorher - er stellt sich in den Dienst der Sache. Tom Cruise, Brad Pitt, Matt Damon, aber auch die großen Schauspieler der alten Schule wie Robert Redford oder Robert De Niro: Sie alle spielen entweder sich selbst oder sind zumindest noch zu erkennen in ihren Rollen. Hoffman verschwindet in ihnen. Er erinnert ein wenig an Mystique, eine Figur aus den X-Men-Comics. Das ist ein Mutant, der die Gestalt jedes beliebigen Körpers annehmen kann. Ein Jahr nach seinem Oscar-Triumph spielte Hoffman in "Der Krieg des Charlie Wilson" an der Seite von Tom Hanks einen rumpeligen, ewig pöbelnden CIA-Agenten, und zwar genial. Viele haben bis zum Abspann des Films nicht gemerkt, dass es Hoffman war, der da gerade die Oscar-Gewinner Hanks und Julia Roberts an die Wand gespielt hatte. "Man kann nicht sagen, dass Philip irgendwie ist", sagt seine Kollegin Meryl Streep, "was bedeutet, dass er einfach alles sein kann."
Vielleicht liegt es daran, dass er eigentlich ein Mann ohne Eigenschaften ist. Er sieht nicht besonders gut aus, er ist weich und rund, hat keine Kanten am Körper. Sein Haar ist hell, die Haut auch, gesprenkelt mit Sommersprossen. Er wirkt transparent, als ob alles Licht einfach durch ihn hindurchscheinen würde. Der dickliche Hoffman ist niemand, in den man seine Sehnsüchte projiziert, niemand, in dessen bloße Erscheinung man sich verliebt. Aber er kann so jemanden spielen. Dieser Mann ist ein Chamäleon. Und das Beste, was Hollywood zur Zeit zu bieten hat. Pünktlich zur Oscar-Verleihung Ende des Monats ist Hoffman am 5. Februar mit "Glaubensfrage" wieder in unsere Kinos gekommen.











