Philip Seymour Hoffman: Der Mann, der alles sein kann

  • 0 Kommentare
  •  
  •  
Philip Seymour Hoffman als Millionärssohn in "Der talentiere Mr. Ripley"

Ansonsten? Nur Berufliches. Schauspielseminare in den Schulferien als Jugendlicher, Schauspielstudium, danach drei bis vier Filme im Jahr, Regiearbeiten an Theatern in New York, London, Sydney, in der Spielzeit 2007/2008 war er künstlerischer Co-Leiter bei der LAByrinth Theater Company am Broadway. Hat dort Regie geführt und auf der Bühne gestanden und mehr als das: Hoffman hat sogar Tickets verkauft und die Leute an ihre Plätze gebracht.

Er war zwölf Jahre alt, als er für die Schauspielerei entbrannte. Ein Theaterstück in Rochester, New York, zeigte ihm, dass es Wirklichkeiten jenseits der Realität gibt, auf der Bühne, im Film. Man kann sich Paralleluniversen schaffen als Schauspieler, das begriff der junge Mr. Hoffman angesichts einer Provinztheatertruppe, die Arthur Millers "Alle meine Söhne" aufführte. "Es war wie ein Wunder für mich", sagt er, "mein Leben hat sich in diesem Moment für immer verändert." In "tiefer Liebe" sei er der Schauspielerei verfallen in diesem Moment, obwohl sein Beruf auch eine Tortur sei, immer wieder, sagt er. "Es sah am Set ständig so aus, als hätte er Schmerzen", sagt John Patrick Shanley, der Regisseur von "Glaubensfrage". "Er hat eine Zigarette nach der anderen geraucht und aus dem Fenster gestarrt. Und jetzt erzählt er, wie viel Spaß er beim Drehen hatte." Shanley sagte Hoffman hinterher, er hätte ausgesehen, als wäre er in der Hölle gewesen. "Da hat Phil nur gelacht und gesagt: Ich lebe in der Hölle", sagt Shanley.

Hoffman braucht auch furchtbar lange, um seine Rollen wieder zu verlassen, oft erst weit nach Drehschluss. Als er für "Capote" auf Pressereise war, kam er mit seinem Regisseur Bennett Miller nach Berlin. Ausgelaugt von den ganzen Pressekonferenzen und Interviews und Reisen um die halbe Welt sagte Hoffman, er würde jetzt ins Kino gehen und sich endlich mal das Ende des Films in Ruhe anschauen. "Als er wieder herauskam, waren seine Wangen nass von Tränen", sagt Miller, "er sagte nur: Armer Bastard. In diesem Moment war Phil endlich nicht mehr Truman Capote, sondern einfach nur Teil des Publikums." Womöglich hat Philip Seymour Hoffman nicht einmal selbst gemerkt, dass es Philip Seymour Hoffman war, den er da gerade gesehen hatte.

Seite:

  1. 1
  2. 2
  3. 3
  • Artikel vom 09.02.2009
  • Text: Stephan Bartels
    Mitarbeit: Brigitte Steinmetz
    Fotos: Cinetext(4), Miramax(1)
    Ein Artikel aus der BRIGITTE 05/09
Letzte Kommentare
  • Noch kein Kommentar vorhanden. Möchten Sie einen Kommentar schreiben? Das können Sie im Eingabefeld unten.
Kommentar schreiben
Wird nicht angezeigt.
Unter diesem Namen erscheint Ihr Kommentar
Bitte schreiben Sie den Sicherheitscode ab * Andere Zeichenfolge
noch 1000 Zeichen übrig!
Mit * gekennzeichnete Felder sind Pflichtfelder, alle anderen sind optional.
BRIGITTE im ABO