Sigourney Weaver: "Frauen sind nun mal stark"
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BRIGITTE: Was genau finden Sie an dieser Frauenfigur so faszinierend?
Sigourney Weaver: Sie ist einfach so anders als ich. Ich schätze Menschen, die nicht gleich in Tränen ausbrechen, wenn etwas nicht klappt. Ellen Ripley hat immer einen Plan B zur Hand. Ich habe in die Rolle die Persönlichkeit einer guten Freundin eingearbeitet. Mit ihr war ich gestern noch wandern.
BRIGITTE: Sie bezeichnen sich selbst ja als Feministin. Was heißt das heute eigentlich? (Sie überlegt.)
Sigourney Weaver: Ich wurde von einer Frau erzogen, die sehr leistungsfähig war. Meine Mutter hat in mir früh den Glauben geweckt, dass die Arbeit eine große Chance für die Frau ist, um sich zu behaupten. Ich finde, dass die Frauen das heutzutage großartig meistern. Es gibt so viele, die Unternehmen leiten und trotzdem gute Mütter sind. Und auch wenn ich nicht viel über Ihre Bundeskanzlerin weiß, kann ich sagen, dass sie das Bild einer fähigen Frau verkörpert. Es sollten mehr Frauen in die Regierungen, die Männer haben genug getan.
BRIGITTE: Haben noch andere starke Frauen Ihr Leben beeinflusst?
Sigourney Weaver: Als junges Mädchen habe ich Golda Meir, die erste Premierministerin Israels, sehr bewundert. Außerdem bin ich mit Büchern aufgewachsen, in denen Frauen die Führung übernommen haben.
BRIGITTE: Suchen Sie sich deshalb bevorzugt die starken Frauencharaktere in den Drehbüchern aus?
Sigourney Weaver: Frauen sind nun mal stark, da muss ich nicht lange suchen. Sie halten die Welt zusammen. Frauen sind inspirierend, sie haben so viel Humor und besitzen oft großartige Seelen. Bei den Männern bin ich mir da nicht so sicher (lacht). Die Männer nehmen sich im Vergleich immer viel mehr zusammen und warten mit ihren Emotionen bis zur nächsten Geschäftsreise.
BRIGITTE: Wie haben Sie denn früher die Prioritäten gesetzt, wenn es um die Balance zwischen Job und Familie ging?
Sigourney Weaver: Ich hätte es gehasst, eine erfolgreiche Geschäftsfrau zu sein, die den ganzen Tag telefoniert und auf ihren Blackberry starrt. Erfolg ist für mich, wie Jackie Kennedy es einst formuliert hat: "Wenn du schon bei der Kindererziehung versagst, ist es völlig egal, welche anderen Dinge du gut machst." Auch wenn mir meine Arbeit immer wichtig war, habe ich mich zuallererst um mein Zuhause gekümmert.
BRIGITTE: Ihre Tochter Charlotte ist jetzt 18 Jahre alt. Ermutigen Sie sie, in die Filmbranche einzusteigen?
Sigourney Weaver: Nein, sie möchte auf keinen Fall Schauspielerin werden, obwohl ich denke, dass es ihr im Blut liegt. Aber schon als kleines Mädchen hat sie jeden weggestoßen, der ein Autogramm von mir wollte. Sie ist mit dem Starrummel aufgewachsen und will ihn ganz bewusst nicht in ihrem Leben. Sie wird wohl eher Mode entwerfen oder Songs schreiben.
BRIGITTE: Und wie sehen Sie heute Ihre eigene Mutter? Viele Menschen werden ja gnädiger mit den Eltern, sobald sie selbst Kinder haben.
Sigourney Weaver: Meine Mutter war immer sehr förmlich. Wir haben nie einfach entspannt Zeit miteinander verbracht, wie Töchter und Mütter das heute tun. Wir haben so viele Dinge nie gemacht, wie zum Beispiel zusammen in Urlaub zu fahren. Um meine Mutter zu erreichen, musste ich etwas mit ihr gemeinsam tun. Mit elf Jahren half ich ihr deshalb, unsere Wohnung in Frankreich einzurichten. Aber erst nachdem mein Vater gestorben war, habe ich mich so richtig aktiv um sie gekümmert. Im letzten Sommer ist meine Mutter mit 94 Jahren gestorben.













