Die Verwandlung
An der Wand von Simon Borowiaks Wohnund Arbeitszimmer steht handgeschrieben ein Goethe-Zitat, so groß, dass es den Raum dominieren würde, wäre es nicht in blassroter Schrift geschrieben, an der Grenze zur Unlesbarkeit. "Ich weiß, daß mir nichts angehört,/ nur der Gedanke, der ungestört/ aus meiner Seele will fließen/ und jeder günstige Augenblick,/ den mich ein liebendes Geschick/ von Grund auf lässt genießen." Simon Borowiak sagt: "Das bringt's genau auf den Punkt. Das Einzige, worauf ich mich verlassen kann, ist mein Hirnkastl und das, was mir an Glück von außen beschert wird. Ansonsten... ", er macht eine Pause, "... nada. Nichts." Das Zitat ist sein "Lieblings-Ding", sagt er. Er schreibt es seit Jahren in jeder neuen Wohnung an die Wand.
Das Buch
Simon Borowiaks neuer Roman "Wer Wem Wen" handelt von einem Ski-Wochenende, das in einem Desaster endet. Der Erzähler und sein bester Freund kennen sich aus der Psychiatrie, eigentlich sind sie nicht gesellschaftsfähig. Ihre Mitreisenden (eine naive junge Journalistin sowie ein verlogener Paartherapeut und seine Frau) versuchen um jeden Preis, den Schein von Normalität und Urlaubsglück zu wahren. Dazu stößt überraschend eine geheimnisvolle Freundin, die schonungslos eine Lebenslüge nach der anderen enttarnt. Borowiak beschreibt diese Kleingruppen-Katastrophe mit großem Sprachwitz: Tiefe Tragik und noch tiefere Albernheit liegen ganz dicht beieinander - ein großer Unterhaltungsroman (Eichborn, 184 S., 14,95 Euro).













