Sommergespräch
Anne Will (links),
Jahrgang 1966, ist das Gesicht der "Tagesthemen" - seit April 2001 moderiert die gebürtige Rheinländerin im Wechsel mit Ulrich Wickert die Nachrichtensendung in der ARD. Und zwar so gut, dass sie 2002 dafür die Goldene Kamera bekam. Ihre Medienkarriere begann die 39-Jährige als freie Mitarbeiterin bei diversen Tageszeitungen. Über den Hörfunk kam Will 1992 zum Fernsehen - erst als Lokalreporterin beim SFB, später als Gastgeberin in Talkshows wie "Parlazzo". 1999 durfte Anne Will als erste Frau überhaupt die "Sportschau" moderieren.
Sibel Kekilli (rechts),
Jahrgang 1980, wurde 2004 zum Shootingstar des deutschen Kinos. Für ihr Debüt in Fatih Akins preisgekröntem Film "Gegen die Wand" wurde sie unter anderem mit der Lola in Gold des deutschen Filmpreises und dem Bambi ausgezeichnet.
In ihrer Dankesrede bei der Bambi-Verleihung wehrte Sibel Kekilli sich öffentlich gegen die Schmutzkampagne der "Bild"-Zeitung, durch die bekannt wurde, dass sie in ihrer Vergangenheit in pornografischen
Filmen mitgewirkt hatte. Zuletzt war Sibel Kekilli im Kino in "Kebab Connection" zu sehen.
Forum
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Sommergespräch
BRIGITTE: Frau Will, kennen Sie eigentlich Carsten Labudda?
Anne Will: Nee. Wer ist das?
BRIGITTE: Der Vorsitzende des AWFC.
Anne Will: Des was?
BRIGITTE: Des Anne-Will-Fan-Clubs, so was gibt's. Sie machen einfach Ihren Job und haben einen Fanclub. Finden Sie das nicht irgendwie schräg?
Anne Will: Nö, das finde ich sehr angemessen. Wieso eigentlich nur einer? Aber im Ernst: Das bringt meine Arbeit nun einmal mit sich.
BRIGITTE: Der AWFC würde sich über einen Besuch sehr freuen, steht auf der Homepage.
Anne Will: Tja!? Das ist immer eine gewisse Gratwanderung. Oft weckt man falsche Erwartungen, wenn man auf solche Avancen reagiert. Auch auf Fanpost - wenn ich da nett und persönlich zurückschreibe, habe ich plötzlich ganz viele neue Brieffreunde, für die mir eigentlich aber die Nähe und die Zeit fehlen.
Sibel Kekilli: Ist ja okay, wenn Leute sagen: Ich finde es klasse, was du machst, du machst mir Mut. Andererseits haben Daniel Küblböck und Kader Loth auch Fanclubs.
BRIGITTE: Haben Sie mal Fanpost beantwortet?
Sibel Kekilli: Ja. Und diese Frau hat mir dann tonnenweise geschrieben von all ihren herzzerreißenden Problemen. Das ist bei mir nicht gut aufgehoben. Wie soll ich da helfen?
Anne Will: Heute ist ja jeder, der beim Fernsehen arbeitet, gleich ein Star. Es gibt da einen deutlichen Hang zur Übertreibung. Ein Skandälchen ist sofort ein "Riesenskandal", ein Ärger immer ein "Riesenärger". Der Mechanismus ist stets der gleiche: erst die Sau durchs Dorf treiben, sie ein paar Tage kräftig füttern, sprich die Meldung ausquetschen, und dann mal bei den Betroffenen nachfragen, ob da was dran ist. Ist es meist nicht. Sauberer Journalismus sieht anders aus. Und ich wünschte mir mehr davon, auch mehr Zurückhaltung und Vernunft, aber der Journalismus ist auf einem anderen, einem gefährlichen Weg.
BRIGITTE: Welchen Medien trauen Sie noch?
(Anne Will flüstert schnell Sibel Kekilli "Sagen Sie 'Tagesthemen'!" zu.)Sibel Kekilli: "Tagesthemen"? Klar, zum Beispiel. Ich liebe auch Phönix, gute Dokumentationen gibt's da. Arte guck ich gern, für die Nachrichten ... na ja, wie gesagt, "Tagesthemen".
Anne Will: Das fällt gleich auf, Frau Kekilli ...
Sibel Kekilli: Nee, ist so.
Anne Will: Ich lese alles, das gehört zu meinem Beruf. Außerdem: In meinem Büro laufen immer gleichzeitig vier Fernseher und zu Hause das Radio. Ich habe jetzt ein neues - das hängt in der Dusche und ist wasserfest. Gut so, ich bin ein Nachrichten-Junkie und verpasse jetzt auch beim Duschen nichts mehr.











