Sommergespräch

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BRIGITTE: Wie gehen Sie mit dem Erwartungsdruck nach Ihrem sensationellen Debüt-Erfolg um, Frau Kekilli?

Sibel Kekilli: Der ist schon da, der Druck. Auch, weil sich nach so einem Film wie "Gegen die Wand" bestimmte Dinge verbieten: Ich könnte nie in einer Soap mitspielen, dass würden alle als Abstieg deuten. Viele Angebote gingen in die Richtung nackte Türkin. Das will ich auch nicht.

BRIGITTE: Dann lieber Gastauftritte wie in "Kebab Connection".

Sibel Kekilli: Auch so eine Geschichte: Da mitzuspielen war ein Freundschaftsdienst, ich bin höchstens zwei Minuten zu sehen. Und schon heißt es: Guck mal, die Kekilli kriegt nur noch Nebenrollen. Als ob ich mich um die Hauptrolle beworben hätte! Was ich da alles lesen muss! Dass man mir nicht die Zeit lässt, mir die richtigen Rollen auszusuchen!

Anne Will: Das ist schlimm. Wie man es macht, ist es verkehrt. Das gilt auch für Veranstaltungen, auf die man nicht geht, weil man keine Lust hat - das kann einem wahlweise als lässiges Über-den- Dingen-Stehen oder als Versteckspiel vor der Öffentlichkeit ausgelegt werden. Und du kannst nichts dagegen machen.

BRIGITTE: Frau Kekilli, Sie haben gesagt, im letzten Jahr hätte Ihnen von Seiten der Medien oft der Respekt gefehlt.

Sibel Kekilli: Nicht nur dort. Ich bin jung, ich bin eine Frau - das allein sorgt dafür, dass ich oft nicht für voll genommen werde. Ein Teil der Medien hat mich sehr respektlos behandelt, aber zum Glück gibt es auch Journalisten, die mich ernst genommen haben.

BRIGITTE: Und Sie, Frau Will - sind Sie glücklich mit dem Bild, das von Ihnen in der Öffentlichkeit existiert?

Anne Will: Bin ich schon. Mir wird durchaus respektvoll begegnet, und zwar deutlich mehr als mit Anfang 20. Das liegt allerdings auch daran, dass ich mit der Legitimation der "Tagesthemen" auflaufe. Da fragt dann auch, sagen wir, der Bundeskanzler nicht mehr, wer ich bin - ich sitze da, also interviewe ich ihn. Ansonsten habe ich mich nie darum bemüht, ein Bild von mir zu schaffen. Ich bin da sehr zurückhaltend. Und was passieren kann, hat wohl niemand so leidvoll erfahren wie Sibel Kekilli. Die durfte nicht bestimmen, wie viel sie von sich preisgibt. Und das ist schlimm.

Sibel Kekilli: Dass man aber auch zu allem befragt wird! Irgendwelche Mathe-Tests, das Liebesleben von Roberto Blanco - nee, um solche Gespräche mach ich einen großen Bogen. Deshalb fragen die meisten lieber andere über mich aus. Und halten mich für eine Diva ...

BRIGITTE: Wie können wir das ändern?

Anne Will: Wir können nur appellieren an unsere Kolleginnen und Kollegen. Wir brauchen einen sauberen und fairen Journalismus, der sich nicht auf schnelle Effekthascherei konzentriert. Ich brauche keine Sau, die durchs Dorf getrieben wird. Ich brauche gute Geschichten und kluge Einschätzungen. Über den ganzen Trash kann ich mich vielleicht amüsieren - aber ich kann auch gut drauf verzichten.

BRIGITTE: Aber die Zahl der Kampagnen steigt.

Anne Will: Mit welchem Recht? Die Medien nehmen da eine Rolle ein, die ihnen nicht zusteht - sie sollen über Politik, über Ereignisse und Entwicklungen berichten, nicht sie selber machen.

BRIGITTE: Gebrauchen Sie auch mal selbst die Medien für Ihre Anliegen?

Anne Will: Ich dränge mich nicht nach Interviews, und die allermeisten sage ich ab. Auf der anderen Seite bin ich Botschafterin für "Gemeinsam für Afrika", und wenn ich will, dass dieser Kontinent wahrgenommen wird, dann muss ich Stellung beziehen. Ich nutze den Verbreitungsweg, damit Menschen für Afrika spenden. Das ist eine Gratwanderung, weil man tatsächlich in Gefahr ist, den Leuten auf die Nerven zu gehen. Und dann muss man auch echt aufpassen, was man wozu sagt ...

Wenn ich etwas Wichtiges zu sagen habe, tue ich das nur auf öffentlichen Veranstaltungen - da kann mir hinterher niemand das Wort verdrehen.

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  • Interview: Stephan Bartels und Meike Schnitzler
    Fotos: Marcus Höhn
    BRIGITTE 15/05
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