Die Herren machen einen Rundgang durch den Garten. Zum großen Teich, den Boyle selbst ausgehoben hat, brusttief. "Aber jeder Gartenbesitzer wird dir versichern: Ein Teich ist nie groß genug." Tom erzählt von den Königsschmetterlingen, die später im Jahr im Garten leben, "tausende davon". Er duldet sogar den kleinen Waschbären, der sich einen Bau in der Nähe gebuddelt hat und die Goldfische jagt. Sie kommen ins Plaudern, Gott und die Welt sind zu Gast in diesem Garten mit dem unfassbaren Eukalyptus-Geruch. "Diese perfekte kleine Welt habe ich nicht geplant", sagt T. C. Boyle, "aber hier ist sie."
Dass die Gitarren in Kalifornien so günstig sind, beeindruckt den Teilzeit-Rocker.
Und hier bleibt er. Jan Josef Liefers geht. Wird später vom Strand bei seiner Frau Anna Loos und bei seiner kleinen Tochter anrufen. Er wird durch ein paar Musikgeschäfte streifen, auf der Suche nach einer original Rickenbacker-Gitarre. Sich bei seinem Kumpel Tobi melden, mit dem er die Fahrradtour gemacht hat vor 15 Jahren. "Mensch, Kleener", wird er in sein Handy rufen, "ich werd gerade so sentimental. Weeste noch, damals?" Der Pazifik wird dazu sanft auf seine Zehen schwappen. Und morgen wird er zurück nach Berlin fliegen, kein
Ozean, kein Strand, und der Himmel wird nicht ganz so blau sein wie hier. Eigentlich ein Grund, traurig zu sein. Aber bald kommt der Mai und bringt seinen neuen Kumpel T. C. Boyle nach Deutschland.
Stephan Bartels
Zwei wie Gin und Tonic: Liefers liest Boyle
"Wo betont man eigentlich 'Klitoris', vorn oder in der Mitte?", fragt Jan Josef Liefers die Regie. Kurze Diskussion zwischen Regisseur und Tonchef: "Klitoris" wird auf der ersten Silbe betont. "Nur gut, dass man die so selten mit Namen ansprechen muss", sagt Liefers, dann geht es weiter im Text. "Dr. Sex" heißt der neue Roman des amerikanischen Schriftstellers T. C. Boyle, den Jan Josef Liefers in einem Studio des RBB als Hörbuch einliest - und der Titel ist Programm. Ohne Pause liest Liefers zwei Stunden am Stück, stolpert nicht über Wörter wie "Stimulationstechniken", "Cunnilingus" oder "promiskuitive Sexathleten". Für den Schauspieler Liefers ist der Job eine angenehme Abwechslung: "Endlich hat man mal wieder mit echter Literatur zu tun. Sonst komme ich ja nur zum Drehbuch-lesen." Und eine bessere Stimmbesetzung hätte sich auch der Autor T. C. Boyle für sein Werk nicht wünschen können. Vom nölig-vulgären Slang einer Provinznutte über das sonor-souveräne Timbre des Professors hin zur schmierigen Fistelstimme eines Vergewaltigers: T. C. Boyles "skurrile, wilde, versoffene Geschichten" seien genau sein Fall. Schließlich ist der 40-Jährige als Schauspieler ja auch meistens auf die etwas verschrobeneren Charaktere gebucht - ob als dichtender Salonlöwe in "Rossini", schüchterner Krebspatient in "Knockin' on Heaven's Door" oder als neurotischer Gerichtsmediziner im Münsteraner "Tatort". Mit T. C. Boyle gemeinsam aus "Dr. Sex" zu lesen, das, sagt Liefers, sei keine Arbeit, sondern reines Vergnügen. Das Publikum wird es sicher genauso sehen.













