Oscar Wildes optimistisches Zitat läuft einem derzeit besonders häufig über den Weg ... gern hübsch gerahmt als Sprücheposter
"Mein Hund hat aufs neue Sofa gekotzt. Arschlöcher haben mein Auto abgeschleppt. Und der Olaf hat sich auch schon seit einer Woche nicht mehr gemeldet. Aber… alles gut!" So oder so ähnlich klingt zurzeit das durchschnittliche Telefongespräch in meinem Freundeskreis.
Ich weiß nicht, ob Sie es schon bemerkt haben: In Deutschland ist die Alles-gut!-Epidemie ausgebrochen. Alles ist gut, auch wenn es schlecht ist. Und das wird auch vorausgesetzt: "Alles gut?", hallt es durch die Straßen, wenn zwei Bekannte sich begegnen. "Alles gut!" schallt es kurz und knackig zurück. Sogar aus meinem Mund. Besonders, wenn alles scheiße ist.
Was ist los mit uns? Eifern wir den Amerikanern nach, die sich mit einer Frage begrüßen ("How are you?"), die mit ihrer Antwort fest verknüpft ist ("Fine")? Oder wollen wir uns in Zeiten der Schuldenkrisen nur alle selbst beruhigen? Dürfen wir nicht zugeben, wenn es uns schlecht geht – wo wir doch auf der Insel der Seligen leben, während die Welt um uns herum ins Wanken gerät?
Vielleicht. Vor allem aber glaube ich, dass wir den Eindruck erwecken wollen, alles im Griff zu haben. Es ist schlichtweg unattraktiv, die Kontrolle zu verlieren über ein Leben, in dem es für alles Abhilfe gibt: Apps fürs Abnehmen, Dating-Portale für die Liebe, Therapeuten für die Partnerschaft, Ratgeber fürs Glück, Coaches für die Karriere, Pillen für die gute Laune. Die Selbstoptimierungsindustrie macht uns weis, dass wir uns zu einer Idealversion unserer selbst formen können. Wir müssen es halt nur wollen.
Wenn es für jedes Problem eine Lösung gibt, sind wir selbst schuld, wenn's nicht rund läuft. Und das können wir keinesfalls auf uns sitzen lassen. Also tackern wir uns ein Lächeln ins Gesicht und rufen fröhlich in die Runde: "Alles gut!"












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Daniela König
am 25.01.13 um 14:30
Wirklich bedauerlich , wenn die Sprache auf so ein Niveau rutscht. Alles gut? Alles gut!
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Christiane
am 21.01.13 um 19:28
Das schlimme ist, wenn sich die Kommunikation auf diese beiden Worte beschränkt. Meine Freundin hat einen neuen Geliebten. Der hat nie Zeit und in der Eile schreibt er sms: Alles gut? Darauf beschränkt sich die meiste Kommunikation. Mal sehen, wie lange sie das durchhält. Schrecklich langweilig! Ich kannte das vorher auch nicht, auf einmal ist es überall.
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Ulrike
am 21.01.13 um 17:32
Ich höre und benutze diese Phrase auch. Es ist eine freundliche Art ins Gespräch zu kommen bei der ich abwäge, ob ich bei guten Freunden die Tageskatastrophen noch anfüge oder ob ich es eben lasse. In diesem Sinne "Alles gut!"
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Sabine
am 21.01.13 um 12:22
Na, man kann ja echt aus allem ein Thema machen...
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Edith
am 21.01.13 um 11:37
Ich höre diese Phrase nie und verwende sie auch selbst nicht; mir fällt aber oft ein Jammern auf hohem Niveau auf, da werden Problemchen aufgebauscht, wo auch ein Durchatmen, die Klappe halten, Lachen o. ä. reichen würden. Und wenn ich small talke oder einfach nur Hallo sage, möchte ich mir tatsächlich nicht die gesammelten Probleme von jemandem anhören, sondern einfach nur Hallo sagen.
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Julie
am 21.01.13 um 11:22
Die meisten Leute wollen doch gar nicht etwas anderes als "Alles gut." hören. Wenn man erzählt wie es wirklich ist wird man nur blöd angeschaut.
mehr (6)Genauso wie diese Sprüche, selbst bei seriösen Sender: Das beste..... aller Zeiten.. Aller Zeiten ? Was soll denn das ? Kann ich auch z. Bsp. auch die Lieder aus der Steinzeit hören? Alles gut?
Der Franzose fragt "ca va?", der Grieche "ti kanis?" und keiner erwartet da wirklich eine ehrliche und ausführliche Berichterstattung zum aktuellen Stand der Dinge, oder? Das ist eine Begrüßungsformel, nicht mehr, nicht weniger, ob jeder, der sich von mir mit "Aufwiedersehen" verabschiedet, das auch so meint, weiß ich ja auch nicht.