Krimi
Asa Larsson: Die Frau aus dem Eis

Ihr Büro im Zentrum von Mariefred teilt sich Åsa Larsson mit vier Freundinnen, Freiberuflerinnen wie sie. Zu Hause schreibt sie ungern - dort ist es ihr zu einsam

Ihr Büro im Zentrum von Mariefred teilt sich Åsa Larsson mit vier Freundinnen, Freiberuflerinnen wie sie. Zu Hause schreibt sie ungern - dort ist es ihr zu einsam

Hunde wie Trassel, Åsas kleiner, eigensinniger Pudel, der unter dem Holztisch im Gemeinschaftsraum liegt, den Kopf auf ihrem Fuß, bis sie aufsteht, um ein Buch aus dem Regal hinter ihr zu ziehen. Ihr Vater hat über die Jahre Romane und Novellen aus Nordschweden gesammelt und ihr geschenkt. "Die Bücher geben mir Hinweise, wie das Leben dort früher war", sagt sie und blättert in einem Band von 1914, das mal drei Kronen gekostet hat und in dem sie jetzt versinken würde, hätte sie die Zeit dazu. 1914 ist das Jahr, in dem auch ein Teil ihres letzten Buches, "Denn die Gier wird euch verderben", spielt: Rebecka und Anna-Maria klären darin einen Mord auf, dessen Hintergrund weit zurückreicht - eben ins Jahr 1914, als die Lehrerin Elina nach Kiruna kommt und ein Verhältnis mit dem mächtigen Bergwerksdirektor Hjalmar Lundbohm beginnt. Åsa Larsson erzählt die Geschichte auf zwei Zeitebenen, vor allem die Rückblenden auf die frühe industrielle Klassengesellschaft Kirunas, die Elina in den Untergang treibt, haben eine große erzählerische Kraft - wie überhaupt dieses fünfte ihr bestes Buch ist. "Vielleicht braucht es eine Krise, um etwas in dir freizusetzen", sagt Åsa und fischt einen Spekulatius aus der Keksdose. "In harten Zeiten entwickelt man sich weiter."

Die harten Zeiten. Es gibt nicht viele Autoren, die ehrlich über ihre Schreibkrisen reden, aber Åsa Larsson ist ein Geradeheraus-Mensch, wenn es so war, dann sagt sie es so. Immer hatte sie ihr nächstes Buch gekannt, wenn sie mit dem Vorgänger zu zwei Dritteln fertig war. "Aber beim letzten klopfte nichts an." Sie hatte nur zwei Szenen: ein kleiner Junge, der in einen Bus steigt, und ein Hund, der ihm hinterherspringt.

Ein Jahr lang passierte - nichts. Dann, eines Sonntagmorgens Anfang 2009, fuhr sie ihren Sohn Leo zum Schwimmunterricht, "wir hatten beide schlechte Laune", sagt sie. "Alle zogen ihre Bahnen, nur er spielte mit der Kordel seiner Badehose. Ich war kurz davor, ihn anzubrüllen wie eine Eislaufmutter: Streng dich an!" Und da passierte es. "Der Himmel öffnete sich, und das Buch kam. Ich wusste plötzlich die ganze Geschichte." Sie holte ihr Notebook aus der Tasche, "40 Minuten, dann war die Schwimmstunde zu Ende, und ich war fertig". Ob es ein religiöser Moment war? "Ein sehr religiöser", sagt sie. "Das hatte nichts mit Kreativität zu tun. Es ist einfach passiert, eine göttliche Inspiration."

  • Text: Meike Dinklage
    Fotos: Mikael Olsson/lundlund.com
    BRIGITTE 3/2013
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