Krimi
Asa Larsson: Die Frau aus dem Eis

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Dann, 1998, kam ihr erstes Kind, ihre Tochter Stella, sie hatte sieben Monate Elternzeit, langweilte sich und ging in einen Krimi-Schreibkurs. "Meine erste Geschichte handelte von einem Serienmörder, der im Wald Beeren pflückt und dabei auf sein nächstes Opfer wartet. Als ich die ersten Zeilen tippte, war das pures Glück", sagt sie, "so ein Schnipp-dies-ist-es-Moment!"

Das Urtümlichste, Eigensinnigste, was es derzeit in Skandinavien gibt

Ihr erster Krimi erschien 2003. Sie schrieb nachts, oft stand sie um drei Uhr auf, um bis sieben Ruhe zu haben. Ihr Mann kümmerte sich um die Kinder, damit sie die Sonntage zum Schreiben hatte. Als das erste Geld kam, nahm sie sich drei Monate frei, um weiterzuschreiben. Und jedes Mal, wenn sie wieder Geld bekam, verlängerte sie erneut. Kaufte ihrer Tochter ein Pferd und sich die Freiheit. Irgendwann sagte ihr Boss: Du musst dich entscheiden. Da ist sie das Risiko eingegangen, vom Schreiben zu leben. Rund 350 000 Mal verkaufte sich ihr erster Roman "Sonnensturm" allein in Schweden, bei neun Millionen Einwohnern. Als das "Urtümlichste, Eigensinnigste, was es derzeit in Skandinavien gibt", feiert sie die Kritik, als "Kunstwerk", das als Krimi daherkommt. Ihre Bücher sind hochliterarisch, mystisch, aber immer gegenwärtig: Manchmal spricht ein dunkler Fluss und manchmal ein arroganter Vorgesetzter, der dem ermittelnden Frauen-Team mit seinem Narzissmus auf die Nerven geht. Åsa Larsson schludert nicht und schindet keine Zeilen, sie tut nichts von dem, was die Schwedenkrimis mit wenigen Ausnahmen zuletzt so mittelmäßig gemacht hat, nachdem die Ära der Großmeister Henning Mankell, Håkan Nesser und Stieg Larsson vorüber ist. Sie liebt ihr Genre, weil es immer um Gut und Böse geht, so wie in der Bibel. "Die Geschichten, die Sprache sind so herrlich überladen. Das fließt unbewusst in meine Bücher ein. Manchmal denke ich: Oh, das ist jetzt doch zu offensichtlich, dass es aus der Bibel ist."

Nach der Erleuchtung am Beckenrand packte sie ihren fünften Roman an. Aber es ging nicht. Sie schrieb hundert schlechte Seiten und klappte den Computer zu. Ging zu einem Coach, der ihr half, das ganze Bild zu sehen: auch die Scheidung, die sie gerade durchgestanden hatte, weil die gleichberechtigte Beziehung, die sie und ihr Mann hatten führen wollen, nicht funktionierte. "Manchmal haben wir uns nur auf dem Flughafen getroffen und das Auto übergeben", sagt sie. Es waren Alltagsdinge, die zur Trennung führten, "er kam nach einer Reise in ein sauberes Haus und ich in eines, von dem er fand, es sei sauber". Ihr Mann, der für ein Pharma-Unternehmen arbeitet, ist wieder verheiratet, Åsa hat einen Freund, ein Wissenschaftler, der in Stockholm lebt.

  • Text: Meike Dinklage
    Fotos: Mikael Olsson/lundlund.com
    BRIGITTE 3/2013
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