Zum Tod von Christoph Schlingensief: Bilder eines Künstlerlebens
"So schön wie hier kanns im Himmel gar nicht sein!" hat Christoph Schlingensief sein Tagebuch einer Krebserkrankung genannt, ein Titel, der seinen unbedingten Lebenswillen unterstrich. Am 21. August hat Schlingensief den Kampf gegen den Lungenkrebs verloren. Er starb wenige Wochen vor seinem 50. Geburtstag. Erinnerungen an ein Künstlerleben.
Schlingensiefs letztes Projekt: Ein Opernhaus für Afrika
Früh übt sich ...
Christoph Schlingensief wurde am 24. Oktober 1960 in Oberhausen als Sohn eines Apothekers und einer Kinderkrankenschwester geboren. Bereits im Alter von 12 Jahren begann er, mit Super-8-Filmen zu experimentieren.
Arbeit am Trash-Image
Über das Medium Film wurde er dann auch einer breiteren Öffentlichkeit bekannt. Von 1989 bis 1992 drehte Schlingensief seine provozierende Deutschlandtrilogie "100 Jahre Adolf Hitler - Die letzte Stunde im Führerbunker", "Das Deutsche Kettensägenmassaker" und "Terror 2000 - Intensivstation Deutschland". Das Foto zeigt ihn bei Dreharbeiten zu "United Trash".
Gaststar
Schlingensief zeigte sich auch immer wieder vor der Kamera, wie hier in der Wolf-Haas-Verfilmung "Silentium" von 2004, in der er einen selbstironischen Auftritt als exzentrischer Regisseur hatte.
Bad in der Menge
Vor allem aber machte Schlingensief mit Aktionen von sich reden, bei denen er gesellschaftliche Missstände anprangerte. Zur Bundestagswahl 1998 gründete Schlingensief die Partei Chance 2000. Für die Aktion "Baden im Wolfgangsee" rief er 6 Millionen Arbeitslose dazu auf, in den See zu steigen, um den österreichischen Urlaubsort des damaligen Bundeskanzlers Kohl unter Wasser zu setzen.
Schlingensief, der Lautsprecher
Im Jahr 2000 ließ Schlingensief vor der Wiener Staatsoper Container im Big-Brother-Stil aufstellen, auf denen die Aufschrift "Ausländer raus" prangte, die Wahlparole des österreichischen Rechtspopulisten Jörg Haider. In den Containern "eingesperrt" waren Asylbewerber.
Hochkultur
Bei der 50. Biennale in Venedig (2003) zeigte Schlingensief erstmals seine Aktion "Church of Fear", eine kritische Auseinandersetzung mit Staat und Kirche als Verbreitern von Angst. Ein Jahr später inszenierte er bei den Bayreuther Richard-Wagner-Festspielen den "Parsifal", damit zugleich seine erste Oper.
Weitermachen, trotz allem
Anfang 2008 wurde bei Christoph Schlingensief Lungenkrebs diagnostiziert, sein linker Lungenflügel musste entfernt werden. Trotz der schweren Erkrankung kehrte Schlingensief schnell in den Kulturbetrieb zurück. 2009 wurde er Mitglied der Berlinale-Jury unter Vorsitz von Tilda Swinton. Kurz danach erschien sein Tagebuch einer Krebserkrankung: "So schön wie hier kanns im Himmel gar nicht sein".
Große Liebe
Am 1. August 2009 heiratete Schlingensief seine langjährige Lebensgefährtin und Mitarbeiterin, die Kostümbildnerin Aino Laberenz.
Große Pläne
Seit Januar 2009 arbeitete Schlingensief an seinem Projekt "Festspielhaus Afrika". Im westafrikanischen Ouagadougou, Burkina Faso wurde im Februar 2010 der Grundstein für das Festspielhaus gelegt.
2011 wollte Schlingensief den deutschen Pavillon auf der Biennale in Venedig gestalten.
Abschied
Im Juli 2010 erhielt Christoph Schlingensief eine neue, schwere Krebsdiagnose und musste sein für die Ruhrtriennale geplantes Projekt "S.M.A.S.H. - In Hilfe ersticken" absagen. In seinem letzten Blogeintrag vom 7. August schrieb Schlingensief: "Die Bilder verschwinden automatisch und übermalen sich so oder so! - 'Erinnern heißt: vergessen!' (Da können wir ruhig unbedingt auch mal schlafen!)"
Am 21. August ist Christoph Schlingensief in Berlin an den Folgen seiner Krebserkrankung gestorben. Er wurde 49 Jahre alt.

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