Fußball
Porträt: Wer ist Joachim Löw?

Deutschland im Jogi-Fieber: Die Nation staunt über Jogi Löw, dem alles zu gelingen scheint. Wer ist dieser Mann eigentlich? Die BRIGITTE-Autoren Till Raether und Stephan Bartels haben Joachim Löw getroffen.

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Es gibt herausragende Fußballspieler, Genies auf dem Rasen, die in dem Augenblick, wo sie den Ball am Fuß haben, die Gesetze der Physik außer Kraft setzen und das Spiel, vielleicht die ganze Welt neu erfinden. So einer war Joachim Löw nie, er war guter Durchschnitt in der zweiten Bundesliga.

Es gibt herausragende Trainer, die Vereine vor dem sicheren Abstieg retten oder einen Titel nach dem anderen erringen und dann von ihrer Mannschaft mit Weißbier aus riesigen Gläsern übergossen werden.

Auch so einer war Joachim Löw nie, als Vereinstrainer ist er meist entlassen worden oder auf andere Weise gescheitert.

Joachim Löw, 48, ist eigentlich nur eins: der beste Bundestrainer, an den wir uns erinnern können. Wie kann das sein? Fußballspieler pflegen am Spielfeldrand auf derart komplizierte, grundsätzliche Fragen gern mit den einleitenden Worten "Ja, gut . . . " zu antworten, um ein wenig Zeit zum Nachdenken zu gewinnen. Sagen wir also: Ja, gut, der Joachim Löw, genannt Jogi, hat bisher eigentlich nichts erreicht, außer die deutsche Nationalelf für die Europameisterschaft zu qualifizieren und das erste EM-Spiel mit einem Sieg zu beenden. Alles andere wäre aber auch eine Überraschung gewesen und eine Vollkatastrophe nach dem "Sommermärchen" vor zwei Jahren. Ja, gut, er lässt seine (unsere) Jungs weiter diesen schnellen, mutigen, schönen Angriffsfußball spielen, den sein Vorgänger Jürgen Klinsmann zur WM für die deutsche Nationalmannschaft entdeckt hat. Doch damals war Joachim Löw der Co-Trainer, das heißt, nüchtern betrachtet ist er so was wie eine Klinsmann-Fortsetzung, niemand, der den Fußball im Alleingang neu erfunden hat.

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  • Text: Till Raether & Stephan Bartels
    Fotos: Edgar Rodtmann
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