John Grisham: Der Gute

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BRIGITTE: Sind Sie in all den Jahren nicht ein einziges Mal in der Versuchung für einen Seitensprung gewesen?

John Grisham: Ehrlich gesagt verstehe ich Männer nicht, die fremdgehen. Schon mit einer einzigen Frau umzugehen reicht mir völlig. Ich kann mir gar nicht vorstellen, zwei oder drei zu bewältigen! Eine ist wirklich genug!

BRIGITTE: Sie sagen, dass Sie als Autor nicht in die Haut einer weiblichen Figur schlüpfen könnten. Was sagt Ihre Frau dazu?

John Grisham: Sie liest jedes meiner Manuskripte und kritisiert meine weiblichen Charaktere häufig. Aber ich kann eben nicht mit dem Finger schnippen und dann die Welt aus der weiblichen Perspektive sehen.

BRIGITTE: Bei einer Wahlveranstaltung haben Sie Hillary Clinton gefragt, ob sie Ihnen den Posten eines Botschafters geben würde. Wollten Sie Ihren Beruf wechseln?

John Grisham: Ich habe sie vor tausend Leuten gefragt, ob sie als Präsidentin mich nach Paris oder Rom schicken würde. Aber das hat sie abgelehnt, weil ich weder Französisch und nur sehr wenig Italienisch spreche.

BRIGITTE: Waren Sie beleidigt?

John Grisham: Nein, meine Frage war eher scherzhaft gemeint. Ich liebe Paris und Rom, aber der Posten eines Botschafters wäre ja wirklich ein Fulltime-Job. Mit einem vollen Terminkalender. Und ich müsste mich jeden Tag rasieren und Socken tragen. Aber so diszipliniert bin ich einfach nicht.

Die Grisham-Formel

"Berufung" (Übersetzung: B. Liesen, B. Reiter, K. Ruhl, 464 S., 19,95 Euro, Heyne)

Die Bücher von John Grisham, 53, sind im Buchhandel an ihrem Titelkonzept zu erkennen: Artikel plus juristischer Fachbegriff gleich Grisham. Seit "Die Jury" hat er von Thrillern wie "Die Firma", "Die Akte", "Der Klient", "Die Kammer", "Der Richter" und "Die Begnadigung" weltweit 250 Millionen verkauft. Alle basieren auf dem David-gegen-Goliath-Prinzip, bestechen durch flotte Handlung, plastische Figuren und unpeinliche Sprache: Unterhaltung mit Anspruch. Sein neuer Roman "Berufung" fällt allein dadurch aus der Reihe, dass der Verlag den Artikel wegließ. Grisham arbeitete als Anwalt, bevor er zu schreiben anfing. Er lebt mit seiner Frau Renée und seinen Kindern nahe Charlottesville, Virginia, und in Oxford, Mississippi.

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  • Artikel vom 03.11.2008
  • Text: Christiane von Knorff
    Fotos: Jürgen Frank
    Ein Artikel aus der BRIGITTE 23/08