Knigge: Wie viel Kinderlärm ist erlaubt?

Kreischen, weinen, lachen - Kinderlärm führt immer wieder zu heftigen Kämpfen zwischen Eltern und geplagten Nachbarn. Dabei ist unser Mietrecht kinderfreundlicher, als es manche wahrhaben wollen. Hier die wichtigsten Regeln.

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Unser Experte Heiko Pätzmann, Hamburger Fachanwalt für Mietrecht und selbst Vater eines zweijährigen Sohnes und einer acht Monate alten Tochter, erklärt, wie viel Kinderlärm erlaubt ist.

Wenn Ihre Kinder schreien, lachen, weinen

Machen!
Babys und Kleinkinder haben keinen Aus-Knopf - selbst wenn sich Eltern das manchmal wünschen, etwa wenn der Zweijährige mal wieder einen Tobsuchtsanfall durchlebt, weil es statt Pommes Brokkoli zum Essen gibt... Fakt ist: Schreiende Babys und Kleinkinder müssen Hausbewohner und Nachbarn ertragen - selbst in so genannten Ruhezeiten- mittags von 13 bis 15 Uhr und nachts von 22 bis 7.00 Uhr. Das Recht ist in dem Fall auf der Seite der Familien. So erklärte das Oberverwaltungsgericht in Münster beispielsweise: "Wer Kinderlärm als lästig empfindet, ... hat selbst eine falsche Einstellung zu Kindern."

Wenn also Ihr Nachwuchs nachts vor Hunger oder Bauchweh weint oder größere Kinder schreiend aus einem Traum erwachen und sich nicht gleich beruhigen lassen, nehmen Sie es so gelassen wie möglich - auch wenn Nachbarn meinen, sie müssten das mit lautem Klopfen oder Beschwerden quittieren. Versuchen Sie, mit den Nachbarn zu reden und geben Sie ihnen einen Ratgeber über Kinder, vielleicht wächst dann das Verständnis.

Oftmals steht auch Ärger ins Haus, wenn berufstätige Eltern ihre Kinder schon vor 7.00 Uhr morgens - also noch innerhalb der Nachtruhe - wecken müssen und so der übliche Kinderlärm nicht zu vermeiden ist. Auch hier gilt: Sie sind im Recht.

Lassen!
Anders sieht es aus, wenn Ihr Zehnjähriger abends um 22 Uhr auf die Idee kommt, mit seinen Freunden lautstark die Fangesänge aus dem Fußballstadion zu imitieren. In dem Alter sollten Kinder verstehen, dass das nicht besonders rücksichtsvoll ist. Sprechen Sie mit den Kindern und bieten Sie ihnen leise Spiele wie Malen oder Basteln oder Lesen an.

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  • Text: Daniela Barth
    Foto: Photocase.com