Neuer James Bond
"Skyfall": Diesen Bond schickt der Himmel
BRIGITTE.de-Redakteurin Katharina Wantoch ist erleichtert. Nach dem eher mauen "Quantum Trost" konnte sie der neue James Bond "Skyfall" (Kinostart 1.11.) wieder in Hochstimmung versetzen. Eine Filmkritik in Bildern.
Der Held
Als schmale Silhouette bewegt sich James Bond am Anfang seines 23. Abenteuers auf uns zu. Kurz beschleicht einen die Sorge, unser Held könne im 50. Jahr seiner Leinwand-Existenz abgebaut haben. Mit seinem (Muskel)Spiel wird Daniel Craig diese Ängste schnell wegwischen. Trotzdem macht die Eingangssequenz gleich klar: Diesmal wird es besonders hart für unseren James. Schuld daran ist ...
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Der Bösewicht
... ein Mann namens Silva (Javier Bardem), der - ganz zeitgemäß - als Cyber-Terrorist auftreten darf und es direkt auf den MI6, Bonds Arbeitgeber, abgesehen hat. Es sind die Frisuren, die aus dem sonst so sympathisch-kantig aussehenden Javier Bardem schlimme Bösewichte machen. Mit fiesem Topfschnitt schoss er sich in "No Country for Old Men" durch die Prärie. In "Skyfall" verleihen ihm die blonden Haare eine Extra-Portion Psycho-Diabolik. Spätestens in dem Moment, als er Hannibal-Lector-haft in einer Glaszelle landet, ist klar, dieser Mann hat irre Großes vor. Silvas Vorteil: Er ist ein Ex-Agent des MI6, kennt seinen Feind also ganz genau, ...
Die Chefin
... und er will speziell dieser Frau an den Kragen. Bonds Chefin M spielt eine zentrale Rolle in "Skyfall", was schon deshalb eine gute Idee ist, weil man mehr Judi Dench zu sehen bekommt. Kurz fragt man sich, wieso es bis Bond 23 dauern musste, bevor das MI6 ganz unmittelbar zum Spielball des Bösen wird. Egal, besser spät als nie. M bringt die ganze Handlung ins Rollen, weil sie eine Liste verliert, auf der alle verdeckten Identitäten von MI6-Geheimdienstlern verzeichnet sind, die sich in Terrororganisationen einschleusen konnten. Daraufhin wird ihr von Regierungsseite nahegelegt, sich in den Ruhestand zu verabschieden. Für M eine unerträgliche Vorstellung, für den Zuschauer auch.
Q
Ein anderer Bond-Charakter wird dafür aus dem Ruhestand geholt und hat eine bemerkenswerte Verjüngungskur hinter sich. Ben Whishaw verleiht Tüftler Q, zuletzt gar nicht mehr an Bord und davor von Grauköpfen wie John Cleese gespielt, eine herrlich nerdige Note - und erinnert Bond auf sympathische Weise daran, dass der Top-Agent selbst ja nun nicht mehr der Jüngste ist. Mit Q kehren in "Skyfall" aber nicht die absurden Gadgets zurück. Lediglich einen Revolver und einen kleinen Funksender bekommt Bond für seine Mission.
Die Frauen - 1. die Agentin
Das wichtigste Bond-"Girl" in "Skyfall" ist M. Aber wenn es um den Nahkampf geht, duelliert sich Bond doch lieber mit Jüngeren. Mit Agentin Eve (Naomie Harris) liefert er sich hübsche (Wort)Gefechte ...
Die Frauen - 2. die Gehilfin
Die geheimnisvolle Severine (Bérénice Marlohe) führt ihn zu Bösewicht Silva und erinnert an Vespa, Bonds große Liebe aus "Casino Royale" und der Grund, warum er sich auf keine Frau mehr wirklich einlässt - und der Sex in "Skyfall" ziemlich kurz kommt.
Der Jubiläumsfaktor
Man muss fast froh sein um die Verzögerungen, die es aus Geld-Gründen beim Dreh des neuen Bond-Films gab - auch wenn ich gern schon letztes Jahr meinen "Skyfall" erlebt hätte. Sam Mendes' Film passt perfekt zu 50 Jahre Bond. Es gibt liebevolle Zitate, so darf James zum Beispiel noch mal in den klassischen Aston Martin aus "Goldfinger" steigen, und wer sich schon immer gefragt hat, wo dieser Bond eigentlich herkommt und wer seine Familie ist, ist nach 143 Minuten auch schlauer.
Das Fazit
So dicht wie Bond-Bösewicht Silva hier an unseren James heranrückt ("Ist Bond schwul?" titelte die Presse prompt), so nah kommt der neue Bond-Film meinem Liebling "Casino Royale". Eine plausible Story in starke, kühl-düstere Bilder gepackt, ein harter Held, der trotzdem Emotionen zeigen darf, hübsche Dialoge, perfekt choreographierte Action-Szenen. Auf diesem Niveau kann es gern noch 50 Jahre weitergehen.

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