Kino
Oscar-Nominierungen 2013: Die Favoriten im Überblick
Die Oscar-Nominierungen für 2013 sind offiziell verkündet - wir zeigen im Schnell-Check, wer Favorit, und was wirklich sehenswert ist.
Les Misérables (Filmstart: 21. Februar)
Was ist alles nominiert?
Beste Nebendarstellerin (Anne Hathaway), beste Kostüme, bestes Make-Up, bester Song, beste künstlerische Gesamtleitung, bestes Sound-Design, bester Film, bester Hauptdarsteller (Hugh Jackman).
Worum geht es?
Wie der Titel schon sagt: Sehr viel Elend vor dem Hintergrund der französischen Revolution. Roman und Muscial gelten beide als Meilensteine ihrer Gattung, die Verfilmungen haben es allesamt noch nicht soweit gebracht (obwohl man es seit über hundert Jahren immer wieder versucht).
Was ist daran jetzt so toll?
Regisseur Tom Hooper wagte eine in Musical-Verfilmungen einmalige Mutprobe: Anstatt die Musik vorher aufzunehmen und am Set einzuspielen, mussten alle Schauspieler live vor der Kamera singen.
Sehenswert?
Stimmlich sind dadurch nicht alle Schauspieler gleich (Russell Crowe wird von Hugh Jackmann an die Wand gesungen), der Film wirkt aber für Musicals ungewohnt natürlich. Und wenn Sie bei Anne Hathaways Interpretation von "I dreamed a Dream" eiskalt bleiben, müssen Sie schon sehr gefühlsresistent sein (oder schlicht kein Musical-Fan).
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Lincoln (Filmstart: 24. Januar)
Was ist alles nominiert? Beste Kamera, beste Kostüme, beste Regie (Steven Spielberg), bester Schnitt, beste Filmmusik, beste künstlerische Gesamtleitung, bestes Sound-Design, beste Drehbuch-Adaption, bester Film, bester Hauptdarsteller (Daniel Day-Lewis), bester Nebendarsteller (Tommy Lee Jones), beste Nebendarstellerin (Sally Field).
Worum geht es? Um die letzten vier Monate im Leben des US-Präsidenten, in denen er die Abschaffung der Sklaverei in den USA endgültig in der Verfassung festlegte.
Was ist daran jetzt so toll? Nicht was, sondern wer: Daniel Day-Lewis macht keine halben Sachen und spielt den Präsidenten so intensiv und überzeugend, dass man ihn fast für das Original halten könnte.
Sehenswert? Das ist ein bisschen Geschmackssache: Spielberg-Fans könnten enttäuscht sein, dass es hier "nur" ein Historien-Drama zu sehen gibt. Aber das Drama darum, wie hart um die eigentlich schon abgeschaffte Sklaverei immer noch getrickst, manipuliert und gekämpft werden musste, ist so spannend, dass man auch mitfiebert, wenn man sonst nicht unbedingt Geschichtsbuch-versessen ist.
Life of Pi: Schiffbruch mit Tiger (angelaufen am 26.Dezember)
Was ist alles nominiert? Beste Kamera, beste Regie (Ang Lee), bester Schnitt, beste Filmmusik, bester Song, beste künstlerische Gesamtleitung, bester Tonschnitt, bestes Sound-Design, beste Spezialeffekte, beste Drehbuch-Adaption, bester Film.
Worum geht es? Ein Junge und ein Tiger müssen sich nach einem Schiffsbruch auf offener See durchschlagen. Könnte auch ein Disney-Film sein, aber die Verfilmung des Bestsellers "Schiffbruch mit Tiger" ist zu gleichen Teilen Abenteuergeschichte und Reflektion über Philosophie und Religion.
Was ist daran jetzt so toll? Regisseur Ang Lee liefert "Life of Pi" einen weiteren Beweis, dass Filme ins Kino gehören: Der Film ist so überwältigend gefilmt, dass die beeindruckenden Aufnahmen fast von der Handlung ablenken.
Sehenswert? Ja, aber wenn, dann JETZT sehen. Auf DVD werden die gigantischen Kinobilder nämlich eher unspektakulär sein, wodurch der Film seinen Reiz verliert. Und: Wenn Sie generell eher ungeduldig sind, werden Sie an diesem ruhigen, fast meditativen Film keine Freude haben.
Zero Dark Thirty (Filmstart: 31. Januar)
Was ist alles nominiert? Bester Schnitt, bester Tonschnitt, bestes Originaldrehbuch, bester Film, beste Hauptdarstellerin (Jessica Chastain).
Worum geht es? Die Jagd auf Osama bin Laden, bis zu ihrem Ende.
Was ist daran jetzt so toll? Bei so einem heißen Thema war natürlich zu befürchten, dass hier lediglich noch einmal Rachegelüste filmisch ausgelebt werden. Aber: Der Film hält sich erstaunlicherweise so neutral, wie er kann. Ja, es wird gezeigt, dass ein Terror-Verdächtiger gefoltert wird. Aber es wird auch gezeigt, dass das Verhör keine brauchbaren Informationen hervorbringt. In den USA waren zumindest beide großen Parteien gleichermaßen schlecht auf den Film zu sprechen - ein gutes Zeichen, dass es hier nicht um Propaganda geht.
Sehenswert? Regisseurin Kathryn Bigelow hat vor ein paar Jahren schon einmal mit ihrem Kriegsfilm "The Hurt Locker" bei den Oscars abgeräumt, und auch "Zero Dark Thirty" ist durchweg spannend (obwohl man ja das Ende schon kennt). Trotzdem bleibt natürlich die Frage: Braucht man das Nachspiel des 11. September jetzt wirklich noch unbedingt als Spielfilm?
Silver Linings (angelaufen am 3. Januar)
Was ist alles nominiert? Beste Regie (David O. Russell), bester Schnitt, beste Drehbuch-Adaption, bester Film, bester Hauptdarsteller (Bradley Cooper), beste Hauptdarstellerin (Jennifer Lawrence), bester Nebendarsteller (Robert De Niro), beste Nebendarstellerin (Jacki Weaver).
Worum geht es? Pat (Bradley Cooper) ist manisch-depressiv, getrennt und gerade aus der Psychiatrie entlassen. Aber er ist voller Tatendrang und fest entschlossen, seine Frau zurückzugewinnen. Nur blöd, dass er sich ihr laut Gerichtsbeschluss nicht nähern darf. Die labile Tiffany (Jennifer Lawrence) will ihm helfen. Dabei verläuft so gar nichts nach Plan.
Was ist daran jetzt so toll? "Silver Linings" ist eine wunderschöne Geschichte über Liebe auf Umwegen. Aber mit Charakteren, die unglaublich stark und sehr verletzlich sind.
Sehenswert? Unbedingt. Wer gerne Liebesfilme sieht, aber auf durchgestylte Hollywood-Charaktere keine Lust mehr hat, wird diesen Film lieben.
Django Unchained (Filmstart: 17. Januar)
Was ist alles nominiert? Bester Tonschnitt, bestes Originaldrehbuch (Quentin Tarantino), bester Film, bester Nebendarsteller (Christoph Waltz), beste Kamera.
Worum geht es? Ein knallharter Western: Der aus der Sklaverei befreite Django möchte seine Frau aus der Gewalt eines Plantagenbesitzers befreien.
Was ist daran jetzt so toll? Das hier ist nicht irgendein Western, sondern ein Tarantino-Western. Entsprechend sorgte der Film schon vorher für einen kleinen Skandal, Kritiker warfen Tarantino vor, die Versklavung von Afro-Amerikanern lediglich als launige Kulisse für eine Western-Schießerei zu missbrauchen. Besonders polarisierend: Samuel L. Jackson als Sklave, der seinem "Meister" komplett untergeben ist und seinen Rassismus teilt.
Sehenswert? Vermutlich wissen Sie selbst, ob Sie Tarantino-Filme mögen. Auch hier gibt es wieder einen inspirierten Mix aus wild durchmischten Stilmitteln, Filmzitaten, schwarzem Humor und viel Blut. Wenn Sie das eher anstrengend finden, wird Sie "Django" auch nicht begeistern. Sonst können Sie getrost eine Karte kaufen: Der Western ist ein echtes Tarantino-Highlight.
Argo (angelaufen am 8. November)
Was ist alles nominiert? Bester Tonschnitt, bestes Sound-Design, beste Drehbuch-Adaption, bester Film, bester Nebendarsteller (Alan Arkin), bester Schnitt, beste Filmmusik.
Worum geht es? Um den irrsinnigen Plan, Ende der Siebziger in Lebensgefahr schwebende Botschaftsangestellte aus dem Iran zu schmuggeln - indem man sie als Crew-Mitglieder eines Science-Fiction-Films ausgibt, der dort angeblich gedreht werden soll.
Was ist daran jetzt so toll? Diese völlig an den Haaren herbeigezogene Hollywood-Story hat sich tatsächlich so zugetragen: Mehrere Menschenleben wurden durch einen Trick gerettet, der aus einer Ohnsorg-Theater-Verwechslungskomödie stammen könnte.
Sehenswert? Wir sagen schon länger, dass Ben Affleck ein überraschend guter Regisseur ist - hier besetzt er sich auch als Hauptdarsteller, aber das schadet dem Film nicht zu sehr. Unbedingt sehen, wenn Sie spannende Thriller mögen (und der Film noch irgendwo in Ihrer Stadt läuft)!
Liebe (angelaufen am 20. September)
Was ist alles nominiert? Beste Hauptdarstellerin, beste Regie (Michael Haneke), bester fremdsprachiger Film, bestes Original-Drehbuch, bester Film.
Worum geht es? Um das langsame Sterben einer über 80-jährigen Frau, und ihren ebenso alten Mann, der sie so gut er kann in der gemeinsamen Wohnung betreut.
Was ist daran jetzt so toll? Okay, Deutschland wurde immerhin für einen Dokumentarfilm nominiert ("Töte zuerst") - aber wir möchten natürlich auch irgendwie in den Haupt-Kategorien gewinnen. Daher konzentrieren wir uns lieber (mal wieder) auf den Österreicher Michael Haneke (natürlich auch auf Christoph Waltz, aber der ist nur einmal nominiert). Bei so vielen "Liebe"-Nominierungen sollte doch was für "uns" abfallen, oder? (Ja, "uns", immerhin wurde der Film auch mit deutschen Mitteln produziert, "wir" wollen jetzt auch ein bisschen mitgewinnen).
Sehenswert? Unbedingt, allerdings sollten Sie wissen, worauf Sie sich einlassen. Michael Haneke ist nicht gerade ein sentimentaler Filmemacher, und sein nüchterner, unerbittlicher Blick darauf, wie entwürdigend und schmerzvoll das Leben für die meisten Menschen endet, ist größtenteils nur schwer zu ertragen. Wenn Sie das nicht abschreckt, winken als Belohnung ein eindringlicher Film mit zwei überwältigend starken Hauptdarstellern, und ein Eis (ernsthaft, gehen Sie hinterher ein Eis essen, um wieder ein bisschen weniger deprimiert zu sein).
Die Moderatoren: Seth MacFarlane und Emma Stone
Und wer wird uns die Show präsentieren?
Komiker Seth MacFarlane gilt in den USA als Multitalent, ist hierzulande eher durch seine Animationsserie "Family Guy" bekannt. Über seinen Humor lässt sich streiten - aber seine Reaktion auf seine Ernennung zum Oscar-Host ist sehr lustig (hier können Sie das Video sehen). Auch Emma Stone, bekannt aus "The Help" und zuletzt "Spider-Man", ist durchaus für etwas abseitigeren Humor zu haben - die Zeichen stehen gut, dass es mit den beiden etwas besser laufen könnte als beim etwas ungelenken Moderations-Duo Anne Hathaway und James Franco.

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