Prominente Verstorbene: Wer uns 2010 verlassen hat
Von Petra Schürmann über Loki Schmidt bis zu Christoph Schlingensief und Modeschöpfer Alexander McQueen: Prominente Verstorbene - von wem wir uns 2010 verabschieden mussten.
Prominente Verstorbene: Petra Schürmann - Zwischen Schönheit und Schmerz
Sie war die schönste Frau der Welt: 1956 gewann Petra Schürmann als Studentin den "Miss World"-Titel. Ab Mitte der 60er-Jahre präsentierte sie ihr hübsches Gesicht einem großen Fernsehpublikum. Schürmann arbeitete erst als Ansagerin, dann als Moderatorin ("Samstagsclub", "Die goldenen Fünfziger", "Wir in Bayern"). Auch in einigen Filmrollen war sie zu sehen. 2001 nahm ihr Leben eine tragische Wendung. Ein Geisterfahrer riss ihr einziges Kind, Tochter Alexandra (34), in den Tod. Petra Schürmann erkrankte daraufhin an psychoreaktiven Sprachstörungen und zog sich aus dem öffentlichen Leben zurück. 2008 verlor sie auch noch ihren Ehemann Gerhard Freund, der einem Krebsleiden erlag. Petra Schürmann (76) starb in der Nacht zum 14. Januar.
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John D. Salinger: Mit einem Buch zu Weltruhm
Sein einziger Roman hat ihn weltberühmt gemacht: Allein die deutsche Gesamtauflage des Buches "Der Fänger im Roggen" übersteigt zwei Millionen Exemplare. Für Jerome D. Salinger scheint der Roman Segen und Fluch in einem gewesen zu sein: Nach dem Welterfolg hat er nur noch drei Bände mit Erzählungen veröffentlicht und lebte sehr zurückgezogen. Salingers Biografie klingt im Kinoerfolg "Forrester - gefunden!" an. Darin spielt Sean Connery einen Schriftsteller, der mit seinem einzigen Roman zur Literatur-Ikone aufsteigt und danach nichts mehr veröffentlicht. Jerome D. Salinger (91) starb am 27. Januar.
Alexander McQueen: Der sensible "Bad Boy" der Modebranche
Lee Alexander McQueen war einer der bedeutendsten britischen Modemacher. Schon als Kind entwarf er Kleider für seine Schwestern. Am Anfang seiner Laufbahn galt er als "Bad Boy" der Branche, weil er bei seinen Schauen gern provozierte: Unter dem Titel "Highland Rape" ließ er angebliche Vergewaltigungsopfer in zerfetzten Kleidern über den Steg laufen. 1993 gründete er sein eigenes, erfolgreiches Modelabel - und designte seit 2006 Kostüme für die Sängerin Lady Gaga. Eine sehr enge Beziehung hatte er zu seiner Mutter. Als sie starb, schrieb er über Twitter: Es sei schwer, ohne sie zu recht zu kommen. Am 11. Februar, einen Tag vor ihrer Beerdigung, fand man Alexander McQueen (40) tot in seiner Londoner Wohnung. Er hatte sich das Leben genommen.
Lech Kaczynski: Polnischer Nationalist und Präsident
Die rigorosen Ansichten des polnischen Präsidenten sorgten auch in seiner Heimat für politischen Streit. Der Hochschulprofessor und Politiker galt - wie seine seit 2002 erfolgreiche Partei - als konservativ, katholisch-national, antikommunistisch und homophob. Zusammen mit seinem Zwillingsbruder Jaroslav, der zeitweise polnischer Ministerpräsident war, bildete er ein politisches Tandem. Seit 2007 verlor ihre Partei an Einfluss, weil vielen Polen die Schwarz-Weiß-Malerei der Kaczynski-Brüder gegen den Strich ging. Am 10. April verunglückte die Präsidentenmaschine kurz vor dem russischen Ort Smolensk. Kaczynski war auf dem Weg zu einer Gedenkfeier in Katyn, wo der sowjetische Geheimdienst im Zweiten Weltkrieg etwa 20.000 Polen ermordet hatte. Lech Kaczynskis (60) tragischer Tod vereinte für kurze Zeit seine Gegner und Freunde.
Dennis Hopper: Der "Easy Rider", die Drogen und die Kunst
Der Schauspieler war ein Rebell - mit und ohne Motorrad. Den Durchbruch bescherte ihm 1969 der Film-Klassiker "Easy Rider", eine Low-Budget-Produktion, die er zusammen mit seinem Kumpel Peter Fonda gedreht hatte. Der Film wurde schnell zur Hymne der Hippie-Bewegung. Auch wegen der Drogen, die sich die beiden Biker auf der Leinwand einwarfen. Fast zwanzig Jahre lang war Hoppers Drogenkonsum auch im richtigen Leben legendär. Erst 1986 erregte er wieder mit einer Filmrolle Aufsehen: Im Film "Blue Velvet" überzeugte er - als Psychopath. In mehr als 140 Filmen hat Hopper mitgewirkt. Neben der Schauspielrei gehörten die Fotografie und die Malerei zu seinen großen Leidenschaften. Seine Werke werden weltweit ausgestellt. Dennis Hopper (74) starb am 29. Mai.
Heidi Kabel: Ein norddeutsches Original
Als sie in einer Pause vom Tod ihres Mannes erfuhr, ging sie anschließend trotzdem wieder auf die Bühne. Heidi Kabel übte ihren Beruf mit absoluter Professionalität aus und war die Schauspielerinnenlegende des Hamburger Ohnsorg-Theaters: 64 Jahre lang spielte sie in mehr als 160 plattdeutschen Stücken. Seit 1954 gab's die Schwänke auch im Fernsehen - in einer für die Aufzeichnungen ans Hochdeutsche angelehnten Sprache, Missingsch. Dies war bundesweit einfacher zu verstehen als Plattdeutsch. Heidi Kabel hat für ihre Schauspielkünste viele Auszeichnungen erhalten. Das Bundesverdienstkreuz aber lehnte sie ab - entsprechend der Tradition, dass Hanseaten keine Orden annehmen. Heidi Kabel (95) starb am 15. Juni.
Frank Giering: Eine Überdosis Leben
Er spielte Mörder, Kinderschänder, gnadenlose Killer und verletzliche Kommissare und hatte doch vor allem eines - Angst vor dem Leben. Giering gehörte zu den erfolgreichsten Schauspielern Deutschlands. Immer wieder erzählte er diese Ankedote: Dass er schon früh Schauspieler werden wollte, weil er glaubte, da müsse man nur abends auf der Bühne arbeiten. Die Realität sah für ihn wesentlich härter aus. Zwei Schauspielschulen hat er geschmissen. Und trotz seines späteren beruflichen Erfolgs hatte er immer wieder Angst, vor den Dreharbeiten und davor, wie es weitergehen solle im Leben. Eine Furcht, die er vor allem mit Alkohol bekämpfte. Frank Giering (38) starb am 23. Juni an Organversagen. Oder vielleicht, wie eine Zeitung titelte, an einer Überdosis Leben.
Christoph Schlingensief: Was für ein Theater!
Als Scharlatan, Provokateur und Enfant terrible ist Christoph Schlingensief zu Lebzeiten geschmäht worden und gehörte doch zu den wichtigsten deutschen Künstlern der vergangenen Jahrzehnte. Wie ein Zirkusdirektor dirigierte er mit Megaphon die Darsteller seiner wilden Inszenierungen. Seinen Durchbruch beim Kulturestablishment erreichte er ausgerechnet mit der Umsetzung eines ur-deutschen Themas: einer Parsifal-Inszenierung in Bayreuth. Natürlich auf schlingensiefsche Art. Die Bühne: eine Art Müllhalde. Dazu Videos von Voodooritualen und toten Kaninchen. Vor allem eines war ihm in der letzten Zeit seiner Krebserkrankung wichtig: sein Operndorf in Burkina Faso, mit künstlerischen und sozialen Projekten. Christoph Schlingensief (49) starb am 21. August.
Bärbel Bohley: Menschenrechtlerin und Künstlerin
Sie war das bekannteste Gesicht der ostdeutschen Bürgerrechtsbewegung. In einem der vielen Nachrufe auf Bärbel Bohleys hieß es: "Es gab viele Gründe diese gottverdammte DDR zu verlassen: die Stasi, der Staatsbürgerkundeunterricht, diese öde Partei, die Mitläufer. Bärbel Bohley war ein Grund zu bleiben." Die freischaffende Malerin, die Käthe Kollwitz und Francisco Goya zu ihren Vorbildern zählte, setzte sich ab Mitte der achtziger Jahre verstärkt für Meinungs- und Versammlungsfreiheit und andere grundlegende Menschenrechte ein. 1989 gründete sie die Bürgerrechtsbewegung Neues Forum mit; ihre Wohnung wurde schnell Büro und Zentrale der oppositionellen Bewegung. Nach der Wende lebte und arbeitete sie bis zu ihrem Tod immer wieder im ehemaligen Jugoslawien, wo sie zeitweise ein Wiederaufbauprogramm in Sarajewo leitete. Bärbel Bohley (65) starb am 11. September.
Claude Chabrol: Wein, Zigarren und der schöne Schein
Mit mehr als 60 Filmen gehört Claude Chabrol zu den bedeutendsten Regisseuren Frankreichs. Beim Dreh zeigte sich der ehemaliger Kritiker des Cineasten-Blatts "Cahiers du cinéma" am liebsten mit einer dicken Zigarre im Mund - wie sein großes Vorbild Alfred Hitchcock. Chabrol stammte als Sohn eines wohlhabenden Apothekers aus der Mittelschicht, hier fand er auch das grundlegende Thema für seine Filme: hinter den schönen Schein der Bourgeoisie zu schauen und deren moralische Verderbtheit bloßzulegen. Vergangenes Jahr stellte er seinen letzten Spielfilm, einen Krimi, vor. Auf die Frage, wie der denn selbst am liebsten einmal sterben wolle, antwortete Chabrol: "Als Opfer meiner Schwächen. Seien das der Wein, die Zigarren oder auch die Gänsestopfleber." Claude Chabrol (80) starb am 12. September.
Oswalt Kolle: Der Aufklärungspapst
Sexueller Aufklärer oder einer, der nur "schweinische Sachen" veröffentlicht? In den sechziger und siebziger Jahren schieden sich an Oswalt Kolle die Gemüter der Deutschen. Seine Ratgeber zur Sexualität, seine Artikel in den Illustrierten Quick und Neue Revue und seine Aufklärungsfilme waren trotzdem - oder gerade deswegen - äußerst populär. So zeigte er unter anderem in seinem Film "Dein Mann, das unbekannte Wesen", wie eine Erektion entsteht. Die Freiwillige Selbstkontrolle (FSK) war 1968 bei der Vorabschau entsetzt. Die Szene sollte geschnitten werden. Doch ausgerechnet die einzige Frau im Gremium soll wiedersprochen und gesagt haben: "Der Schwanz bleibt drin." Oswalt Kolle (81) starb am 24. September.
Tony Curtis: Die Hollywood-Legende
Unvergesslich bleibt sein Auftritt in Billy Wilders Komödie "Manche mögens heiß" an der Seite von Jack Lemmon und Marilyn Monroe. Obwohl Tony Curtis lange Zeit auf die Rolle des charmanten Luftikus' festgelegt war und privat gern das Image eines leichtlebigen Playboys pflegte, überzeugte er ebenso in Charakterrollen: als bigotter Sträfling, als mordender Psychopath und als brutaler Mafia-Pate. Nach Jahren der Drogensucht gelang ihm Mitte der achtziger Jahre ein Comeback – und eine zweite Karriere als Maler. Curtis, Sohn bitterarmer jüdischer Emigranten aus Ungarn, gehörte zeitweise zu den bestbezahlten Schauspielern der Welt. Tony Curtis (85) starb am 29. September.
Loki Schmidt: Kanzlergattin, Bestseller-Autorin, Botanikerin
68 Jahre war sie mit ihrem Mann, dem Hamburger Innensenator, späteren Bundeskanzler und Zeit-Herausgeber Helmut Schmidt, verheiratet. "Wir hatten nur einen einzigen Streit, dessen Ursache wir kurioserweise beide vergessen haben", erzählte sie einmal. "Da habe ich einen nassen Waschlappen nach Helmut geworfen." Getroffen hat sie nicht. Im Jahr 2005 stand sie zusammen mit ihrem Mann auf der Bestsellerliste: sie mit ihrem Buch "Mein Leben für die Schule", er mit seinen Aufzeichnungen "Auf dem Weg zur deutschen Einheit". Neben der Pädagogik war für die ehemalige Lehrerin Botanik die große Leidenschaft: Hinter ihrem Haus in Hamburg-Langenhorn stand ein großes Gewächshaus. Und einmal im Jahr ging sie auf eine dreiwöchige Entdeckungsreise. Nach ihr sind mehrere Pflanzen und ein Tier benannt worden, die Skorpionart "Tityus lokiae". Loki Schmidt (91) starb am 21. Oktober.
Leslie Nielsen: Die nackte Kanone
Der kanadische Schauspieler war schon 56 Jahre alt, als ihm der Durchbruch gelang: mit der Rolle des tollpatschigen Polizisten Frank Drebin. Davor hatte Leslie Nielsen vor allem Heldenrollen gespielt: Raumschiffkapitäne, Starreporter, Fremdenlegionäre, Piloten. Ein Star wurde er trotzdem nicht. Bis er ins Komödiantenfach wechselte, im Film "Die nackte Kanone" (1984). Der Streifen nahm auf wunderbar klamaukige Art alle Krimiserien der siebziger Jahre auf die Schippe - von "Kojak" bis "Die Straßen von San Francisco". Und wurde ein Welterfolg. Noch im vergangenen Jahr drehte der Schauspieler einen Film, die Horrorkomödie "Stan Helsing". Seine Rolle: eine Kellnerin. Leslie Nielsen (84) starb am 28. November.
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ich vermisse in der Aufzählung sehr schmerzlich Hermann Scheer, Träger des alternativen Nobelpreises, internationaler Vorreiter für Klimaschutz und erneuerbare Energien, Gründer von Eurosolar und "Erfinder" der IRENA.