Sommergespräch

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BRIGITTE: Frau Fried, was man über Sie und Ihren Mann liest, klingt ganz anders als bei Frau Birkenstock: Harmonie total, die ideale Lebens- und Arbeitsgemeinschaft ... In Ihren Büchern steckt da mehr Sprengstoff.

Amelie Fried: So harmonisch ist es bei uns gar nicht. Manchmal flucht mein Mann und wäre sicher gern mehr Macho. Das sind die Momente, wenn ich nicht da bin und er mit der Tochter Mathe lernen muss, der Kater krank ist, der Kühlschrank kaputt und er den Druck hat, ein Drehbuch pünktlich abliefern zu müssen. Also das geballte Chaos. Da träumt er auch mal davon, im Büro zu sitzen, und zu Hause regelt alles seine Frau.

Susanne Birkenstock: Das klingt so, als hätten Sie das meiste auf ihn abgewälzt?

Amelie Fried: Nein. Wir betrachten uns als Team, beide sind für alles zuständig. Wenn er weg ist, mache ich das ja auch alles.

BRIGITTE: Und das klappt? Fliegen nicht gelegentlich die Fetzen?

Amelie Fried: Klar. Bei uns wird auch gestritten, das ist alles andere als immer nur heile Welt. Ich knalle schon mal die Türen zu ...

Susanne Birkenstock: ... Und Ihr Mann macht sie wieder auf?

Amelie Fried: Er wartet eher ab, bis der Sturm vorbei ist. Er hat bei uns den ausgleichenden Part. Ich habe Glück, dass er reden mag und reden kann. Wenn ihm etwas stinkt, spricht er es an. Außerdem hilft es, die Dinge mit Humor zu sehen. Es ist schon passiert, dass wir uns nach einem Streit gegenüber standen und schallend lachen mussten. Das ist ungeheuer befreiend.

BRIGITTE: Frau Birkenstock, wie war das bei Ihnen, als Ehe und Firma noch unter einem Dach waren? Hat sich Ihr Mann insgeheim gewünscht, dass Sie zu Hause bleiben und sich nur um die Kinder kümmern?

Susanne Birkenstock: Sein antiquiertes Rollenverständnis kam erst in den letzten Jahren unserer Ehe zum Vorschein: Frauen sollen hübsch aussehen, zurückhaltend sein, Kinder und den Haushalt allein versorgen, auch wenn sie arbeiten möchten. Für mich war das keine Basis für eine Partnerschaft.

BRIGITTE: Sind sie sich in der Firma zu sehr in die Quere gekommen?

Susanne Birkenstock: Wenn Ehepartner miteinander arbeiten, darf es kein Konkurrenzverhalten geben. Der eine muss stolz auf den anderen sein, wenn er etwas Neues anfängt. Das hat bei uns überhaupt nicht funktioniert, und wir haben uns auseinander gelebt. Bewegten uns in zwei völlig unterschiedlichen Paar Schuhen ...

BRIGITTE: Da ist es leichter, wenn beiden klar ist: Ich schreibe die Bestseller und nicht du - oder?

Amelie Fried: Amelie Fried: Na ja, wenn wir öffentlich auftreten, ist mein Mann schon mal genervt, weil die Leute sofort auf mich losrennen, und er ist halt mein Begleiter. Wir konkurrieren aber nicht miteinander. Er ist sehr erfolgreich in seinem Beruf, nur steht er weniger im Rampenlicht. Das sehen wir beide so.

Susanne Birkenstock: Wenn alle Paare eine so gute Arbeitsteilung hätten, müssten sich die Politiker nicht den Kopf zerbrechen, wie Deutschland familienfreundlicher wird. Dann gebe es mehr Kinder. Diesen Mann müssen Sie festhalten...

Amelie Fried: . . . oder ihn unter Artenschutz stellen. Ich weiß schon, was ich an ihm habe. Was er macht, können aber auch nur die Männer leisten, die freiberuflich oder selbständig sind.

Susanne Birkenstock: Ich denke, das Wichtigste ist die Einstellung. Entweder haben Männer Spaß an Kindern und übernehmen Verantwortung oder nicht.

Amelie Fried: Und Ihr Mann ist nicht gerade der geborene Vater?

Susanne Birkenstock: Mein Mann hat immer viel Zeit auf seinem Segelschiff verbracht....

  • Interview: Julia Baumgart und Franziska Wolffheim
    Fotos: Jörg Fokuhl
    BRIGITTE 16/05
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