Charlotte Lindholm (Maria Furtwängler), unterkühlt wie ihr nordisches Einsatzgebiet und spröde wie Lüneburger Heidekraut, ist keine Frau für halbe Sachen. Deswegen muss sie sich auch nicht mit mediokren Zuschauerregungen herumschlagen wie viele andere "Tatort"-Kommissare, die man "ganz okay" findet und "halt so wegguckt", weil sie nicht wehtun und die deutsche Seele zum Wochenausklang nicht unnötig in Aufruhr bringen. Nein, Charlotte ruft bei der Sonntag-zwanzigfuffzehn-wer-jetzt-anruft-kann-nicht-ausreichend-integriert-sein-Zielgruppe exakt zwei Reaktionen hervor: helle Begeisterung, die an orgiastische Euphorie grenzt. Oder abgrundtief blindwütigen, ja, westerwellenhaften Hass. Gut, manchmal übertreibt sie ein bisschen: Sie ist nicht nur alleine, sondern ein einsamer Wolf auf einer vergessenen Insel, die vom Tsunami eingeschlossen wurde. Nicht nur alleinerziehend, sondern eine geradezu grotesk klischeehafte Vollzeitpolizistin/Teilzeitmutter. Na und? Dafür hat sie etwas, was eure anderen Kommissare nicht haben: hemmungslosen Sex-Appeal. Der "Tatort" und ich, wir finden uns nur "ganz okay". Charlotte aber! Da lege ich sonntags doch glatt das Telefon weg.
Andrea Benda
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Der Vorname wie aus einem Witz, der Nachname klingt nach Hund. Fritz Dellwo war der Gewöhnlichste aller Tatortkommissare und gerade deswegen überragend. Schmallippig, ein wenig muffelig, absolut neurosenfrei. Einer, der sich immer wieder verzweifelt in die verföhnte Löwenmähnenfrisur greift. Der sich prügeln konnte, ohne dabei wie ein Macho-Depp auszusehen. Der ganz schlimme Hosen anzog, ohne dass ich je Mitleid bekommen hätte müssen. Dellwo, der Normalo gegen die gestelzte Psychorolle einer Charlotte Sänger, herrlich erdend und dabei immer fest getackert an die Grundmelancholie des Lebens: Keiner konnte so mit dem ganzen Körper seufzen wie er. Danke Dellwo.
Georg Cadeggianini
Manfred Krug ist Schuld. Sein Einsatz als "Tatort"-Kommissar Paul Stoever hatte massive Folgen für mein Privatleben. Seit 1984 bin ich sonntags ab 20.15 Uhr für niemanden mehr erreichbar - der "Tatort" wurde für mich zum festen Date. Mit Krug begann für mich eine neue Ära des Krimis. Menschen, Hintergründe, Motive wurden durch seine einzigartige Schnoddrigkeit entlarvt. Kein Mascho-Bulle, sondern ein Mensch mit Neigungen führte uns 38-mal mit seinem Kollegen Peter Brockmöller (Charles Brauer) in mörderische Abgründe. Als die beiden wegen Krugs schlechter Gesundheit 2001 ausstiegen, trauerte ich. Nicht nur um die legendären Gesangseinlagen der "Swinging Cops", sondern auch um die trockenen Sprüche, die bei Manfred Krug immer so klangen, als ob er sie gerade selbst erfunden hätte. Ich weiß, im wahren Leben kann Manfred Krug ein ziemliches Ekelpaket sein - im "Tatort" war er für mich der beste Ermittler von Absendern ekliger Pakete.
Silke Baumgarten
Normal ist ja selten in der weiblichen "Tatort"-Landschaft, die Kommissarinnen sind verschroben und ständig mit privatem Zeugs beschäftigt, das Kind, die Mutter, der Ex-Mann, ja, ja. Das machen die alle so nebenbei, den Mord aufklären sowieso, dann noch Neurosen, ach hör mir uff, Frauen sind halt so. Lena Odenthal (Ulrike Folkerts) ist anders. Ja gut, sie wohnt mit dem Kopper zusammen. Kopper ist ihr Kollege und kein Mensch will mit seinem Kollegen wohnen. Aber bei Lena geht, was gar nicht geht, das mag ich an ihr. Ich mag, wie sie ihre Lederjacke trägt und dass sie jeden Mord persönlich nimmt. Dann schaut sie so, das ist dieser besondere Blick, der sie verletzlich macht - und stark.
Madlen Ottenschläger
Bonnie Tyler singt aus dem Off die Richtung vor: "Against the wind...". Er segelt per Drachenflieger über Duisburgs Schlote hinweg und brüllt: "Scheiße..." - was auch sonst, wenn einer Schimanski ist, pardon: war... Denn mit diesem lautstarken Luft-Akt hatte sich der Ruhrpott-Kommissar 1991 vom WDR-Tatort verabschiedet. "Kein Bock mehr", so Götz "Schimmi" George damals, nach zehn Jahren und 29 Folgen. Ich hab ihm das nie verziehen. So ein Mann, Macho und Mimose in einem, wuscheliger Schnauzer über knautschiger M-65 Feldjacke, nie ein Kostverächter, auch nicht von Currywurst und Bier & Co. , bester Freund des liebenswerten Schnauzer-Kollegen Thanner (Eberhard Feik, leider viel zu früh, nämlich schon 1994, verstorben). Der hat stets auf den Punkt gebracht, was auch mir immer durch den Kopf ging: "Mensch, Horst...".
Und nun soll mir keiner erzählen, dass im neuen Jahr die nächste Folge der Filmreihe "Schimanski" läuft. Weil ich das a) schon weiß und weil das b) nicht mehr "mein" Schimmi ist.
Barbara Voigt
Heute heißt es immer, Kommissar Haferkamp (Hansjörg Felmy) wäre "der ewige Beamte" oder "der Schwiegersohn unter den TV-Kommissaren" gewesen. Okay, er ist klein und zierlich, hat einen Scheitel und sein Trenchcoat ist gebügelt, Haferkamp ist zurückhaltend und fein, immer in Anzug und Krawatte. Aber wenn ich das heute zufällig im Dritten sehe, finde ich es cool, nicht spießig: diese lässige Müdigkeit, mit der er "Haferkamp, Kriminalpolizei" sagt, als müsste er jedesmal alle Kraft aufbieten, um gegen das Verbrechen hinter der Fassade des verlogenen Bürgertums zu kämpfen; sein traurig-amüsierter Gesichtsausdruck, wenn andere lügen, ausrasten oder morden. Und dazwischen immer die schönen Szenen mit seiner Ex-Frau (Karin Eickelbaum), die für ihn kocht und die entscheidende Idee zur Lösung des Falls hat. Hansjörg Felmys Haferkamp erinnert mich an meine Kindheit: In meiner kindlichen Wahrnehmung waren es Typen wie Kommissar Haferkamp, die verhinderten, das in den späten Siebzigern alles zusammenbrach.
Till Raether
Das mit Kriminalhauptkommissarin Klara Blum und mir war keine Liebe auf den ersten Blick. Dafür waren die Drehbücher für die "Tatorte" vom Bodensee oft zu schwach. Aber auf ihre sanfte und doch bestimmte Art hat Frau Blum ihren Weg zu meinem Herzen gefunden. Wie auch nicht? Ihre Darstellerin Eva Mattes ist schließlich die vermutlich beste Schauspielerin in der gesamten Ermittler-Riege der Reihe, hat früher mit Zadek, Fassbinder und Herzog gearbeitet. Sie verleiht ihrer Kommissarin nicht nur Charakter, sondern eine Güte und Wärme, die man bei Kollegen wie dem muffeligen Borowski oder der steifen Eva Saalfeld lange suchen kann. Dazu kommt: Die "Tatorte" aus Konstanz würden nicht funktionieren ohne die Region, in der sie spielen, ohne den großen See oder die Berge drumrum - was ja vor 40 Jahren mal zu den Gründungsstatuten dieses Projekts gehörte. Und was auch bedeutet: Selbst wenn die Geschichte mal nicht so doll ist, die Landschaft ist immer schön. Ein Sonntagabend mit Frau Blum ist wie Kurzurlaub bei einer lieben, klugen Freundin auf dem Land - und den Perlmann, ihren Assistenten, den mag ich auch!
Stefanie Hentschel
Nie hab ich den Leitmayr so gern gehabt wie in der wunderbaren, Grimmepreis-geadelten "Tatort"-Folge "Im freien Fall". Da verknallt er sich in eine verspulte Kunstfälscherin, die ihm so einen schneeweißen Kuschelfellmantel schenkt, in dem er fortan wie ein sehr großes Lamm liebestrunken durch den Fall stolpert. Das ist ja immer das Beste am "Tatort" aus München: Wenn die beiden grummeligen, inzwischen gemeinsam ergrauten Herren Kommissare plötzlich eine ganz neue, überraschende, meistens: schwache Seite an sich entdecken. Auch wenn ich sie beide gern sehe, ist mir der schlaksige Franz Leitmayr (Udo Wachtveitl) immer ein bisschen lieber als der für meinen Geschmack etwas zu männliche Ivo Batic (Miroslav Nemec). Denn der Leitmayr lässt unter seiner mit Vorurteilen gespickten Eingefahrenheit, hinter all seinem eingefleischten Beamtentum immer eine zarte, schöne Seele ahnen - aber es braucht eine wie die geheimnisvolle Kunstfälscherin damals, um sie mal für neunzig Minuten zu befreien.
Stefanie Hentschel
Melancholisch, trocken, scharfsinnig: Der Kieler "Tatort"-Kommissar Klaus Borowski (alias Axel Milberg) ist mein Favorit. Was macht es da schon aus, dass die Fälle mal völlig undurchsichtig sind, mal einfach nur langatmig oder manche Szenen viel zu brutal? Selbst dass die brillante Schauspielerin Maren Eggert als Milbergs Gegenpart - die Psychologin Frieda Jung (!) - aus der Serie herausgeschrieben worden ist: Damit kann ich leben! So lange es nur immer wieder zwischendrin Folgen gibt wie "Tango für Borowski". Wo Millberg völlig desorientiert durch Finnland stolpert, auf der Suche nach einem deutschen Junkie/Mörder. Fast so gut wie ein Kaurismäki-Film war das. Hoch lebe Axel Millberg und hoch lebe sein Kumpel Henning Mankell, der demnächst die Ideen für zwei Drehbücher beisteuern soll.
Bernhard Lill
Hamburg ist eine schöne Stadt. Hamburger "Tatorte" waren eine zeitlang schöner Mist, nämlich als Hauptkommissar Casstorff und Oberkommissar Holicek Dienst hatten. Warum ich jetzt wieder mit Freude einschalte, wenn der "Tatort" aus Hamburg kommt, hat einen guten (Migrationshinter)Grund: Mehmet Kurtulus. Sein Cenk Batu verleiht der alten Tante "Tatort" frischen Elbwind, weil Batu kein klassischer Kommissar ist, sondern als verdeckter Ermittler arbeitet - und seine Sonntagabenddienstzeit deshalb erfreulich abwechslungsreich gestalten kann. Mal darf er den PR-Berater spielen und in der Hafencity wohnen, mal landet er als türkischer Kleinkrimineller im Krankenhaus - mit komischem Schnauzer im Gesicht, aber immer noch attraktiv dabei. Von den Drehbüchern zum Einsame-Wolf-Dasein verdammt sehnt sich Batu nach Beziehungen, doch ihm bleiben nur Fernschach mit seinem Vater und gelegentliche Flurbegegnungen mit seiner Nachbarin. Traurig für ihn, gut für mich als Zuschauerin: Hier hat der im modernen "Tatort" so überstrapazierte Einbruch des Privaten ins Ermittlerleben kaum eine Chance.
Katharina Wantoch
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am um
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Roland A. Schneider
am 12.11.12 um 02:55
Der beste Tatort-Kommissar war natürlich Finke alias Klaus Schwarzkopf. "Reifezeugnis" von 1977 war sein bekanntester Fall. Aber auch Trimmel alias Walter Richter - "Taxi nach Leipzig" - konnte überzeugen. Und dann waren da natürlich noch Haferkamp(Hansjörg Felmy) oder der unvergessene Melchior Veigl alias Gustl Bayrhammer...man könnte die Liste noch lange fortsetzen. Von den heutigen Kommissaren gefallen mir die Münchner Kommissare Batic und Leitmayr sehr gut!
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Trine
am 19.09.12 um 09:24
Die beiden sind mit das furchtbarste Duo,das es als Kommissare gibt,die passen besser in DSDS !!!!
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Doris Gellers
am 16.02.12 um 16:39
Eigentlich bin ich ein Fan von skandinavischen Krimis - von den deutschen
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Eva Niemann
am 20.12.10 um 12:35
DELLWO * SÄNGER, schade, dass das Team aufgehört hat.
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Martina Bludau
am 14.12.10 um 23:27
Mein Lieblingskommissar ist und bleibt Schimanski ! Götz George,als eigenwilliger Kommissar in seinem knautschigen,angeschmuddelten Jacke und seinen eigenwilligen Ermittlungen ,ist er einfach der Kracher. Autentisch mit rauhem Charme und einer Portion Sexaepel,lässt Schimanski Frauenherzen höherschlagen.Nicht zu vergessen sein besonnener Kollege Tanner ,Eberhard Feik der Schimanski immer wieder aus dem angerichteten Chaos befreit.
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Ewald Bendel
am 14.12.10 um 14:39
Am liebsten laß ich mich von Thiel und Boerne unterhalten. sehr ansprechend ist auch Kommissar Borowski
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Jörg Rasmussen
am 14.12.10 um 10:43
Meine Favoriten aus 40 Jahren Tatort sind Stoever und Brockmöller, aber aktuell gucke ich am liebsten Thiel und Boerne, sowie Borowski. Letzteren Kommisar, weil ich dort selbst schon oft als Komparse mitgemacht habe.
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sandra
am 13.12.10 um 19:46
Ich mag am liebsten Thiel und Boerne, aber ich schaue mir auch gerne Moritz Eisner an und Klara Blum
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sandra
am 13.12.10 um 19:44
Ich mag am liebsten Thiel und Boerne, die zwei sind echt lustig. Aber ich mag auch Klara Blum und Moritz Eisner schau ich mir auch gern an.
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Manja Ockert
am 13.12.10 um 19:37
Ich wäre eine teilweise gute Komissarin. Aber gesetzlich würde es mangeln. Gott sei Dank wird im Fernseh auch nicht immer nach den Gesetzen gehandelt. Wäre dann wahrscheinlich ein wenig langweilig für den Zusachauer!
mehr (30)Kommissaren gefallen mir Liefers und Prahl sehr gut, weil sie witzig sind! Da ist
jeder ein besonderer Typ, auch die qualmende Staatsanwältin oder der olle
taxifahrende Vater, der oft zusätliche Probleme bereitet.
Schimanski und Tanner sind mein Dreamteam!