Neu im Kino
"The Help": Ein Film zum Liebhaben
Geschmackssicher hat Tate Taylor in seinem Film "The Help" alle Schmalz-Fallen umschifft und den schönen Roman "Gute Geister" wunderschön verfilmt. Eine Filmkritik in Bildern.
Tief im Süden der USA, Anfang der Sechzigerjahre, führt "The Help" (Kinostart: 8. Dezember) drei mutige Frauen zusammen, die ihr Leben nicht mehr in den engen Bahnen leben wollen, die ihnen zugedacht sind. Der wunderbar warmherzige Film beruht auf dem Bestseller "Gute Geister" von Kathryn Stockett.
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Regisseur Tate Taylor (links im Bild, ohne Lockenwickler) ist ein Sandkastenfreund von Kathryn Stockett, der Autorin der Buchvorlage. Stockett überließ ihm aus Freundschaft die Filmrechte an ihrem Buch, obwohl Taylor zu dem Zeitpunkt erst einen einzigen (erfolglosen) Spielfilm gedreht hatte. Und Stockett wusste, auf wen sie setzte: Tate Taylor hat alles richtig gemacht und seine Verfilmung vor jeder nahe liegenden Kitschfalle bewahrt. Prompt hielt sich der Film im Sommer in den USA vier Wochen auf Platz eins der Kinocharts. Taylor kann sich seitdem vor Job-Angeboten nicht mehr retten.
"The Help" lebt von seinen wundervollen, originellen Frauenfiguren, die alle miteinander auch noch fantastisch besetzt sind. Allen voran Aibileen, das schwarze Hausmädchen. Seit sie ein junges Mädchen ist, führt sie weißen Arbeitgebern den Haushalt, zieht weiße Kinder groß und lehrt sie, sich selbst zu lieben. Gespielt wird Aibileen von Viola Davis, die für diese Rolle einen Oscar sicher haben dürfte.
Aibileen arbeitet für Miss Leefolt (Ahna O'Reilly, ganz rechts) und bedient deren Freundinnen bei den regelmäßigen Bridge-Kränzchen. Diese Runden werden, wie das gesamte soziale Leben in Jackson, Mississippi, dominiert von der selbstgerechten Hilly Holbrook (2. von rechts, im Blumenkleid).
Wenn sie nicht gerade Bridge spielt oder ihr Gift verspritzt, widmet sich Miss Hilly ihrer Toiletten-Initiative: Jeder weiße Haushalt in Jackson soll eine eigene Toilette für das schwarze Personal einrichten, gerne im Hinterhof. Denn die schwarzen Haushaltshilfen dürfen zwar die Kinder der Weißen erziehen, deren Klo benutzen sollen sie mal besser nicht. Gespielt wird Hilly Holbrook von Bryce Dallas Howard - ja, genau, der ätherischen rothaarigen Schönheit aus "The Village", die hier mit sichtlichem Vergnügen das Ekel vom Dienst spielt.
Die einzige im Kreis um Hilly Holbrook, die nicht vom perfekten Cocktailkleid und einem eleganten Bungalow für die Familie träumt, ist Skeeter (Emma Stone). Skeeters Traum: Sie will Schriftstellerin werden und Jackson, Mississippi, endlich hinter sich lassen. Ihr Ticket in die literarische Welt soll ein Buch mit Interviews sein, in dem die schwarzen Dienstmädchen ihrer Freundinnen die Wahrheit darüber erzählen, wie es ist, für die weiße Herrschaft zu arbeiten. Die Rolle der Skeeter machte die großartige, 23-jährige Emma Stone ("Einfach zu haben") zum Star - kurz bevor sie nächstes Jahr im neuen "Spiderman"-Film die Freundin des Spinnenmanns spielt.
Skeeter versucht, Aibileen für ihr Buchprojekt zu gewinnen. Sie soll Skeeter ihre Geschichte erzählen und noch andere schwarze Frauen aus ihrer Kirchengemeinde zum Mitmachen überreden.
Aber im Staat Mississippi im Jahr 1963 bedeutet das für die schwarzen Hausmädchen ein großes Risiko: Im Land brodelt es, Martin Luther Kings Marsch nach Washington steht kurz bevor. Die Schwarzen verlangen Gleichberechtigung. Im konservativen, rassistischen Süden wollen die Weißen die alte Ordnung um jeden Preis erhalten, Gewalt gegen Schwarze ist an der Tagesordnung. Eine Bloßstellung ihrer weißen Arbeitgeber würde für jedes einzelne Hausmädchen eine Gefahr bedeuten.
Letztendlich ist es ausgerechnet Hilly Holbrook, die durch eine hartherzige Tat die schwarzen Frauen umstimmt: Ihre bewegenden Geschichten füllen das Buch, dessen Entstehen das Leben von Skeeter, Aibileen und deren aufbrausender Freundin Minny (Octavia Spencer, rechts) für immer verändert. Wenn der Abspann über die Leinwand rollt, bricht einem der Abschied von den Figuren schier das Herz - von den lebensklugen und humorvollen genauso wie von den boshaften. "The Help" hat das Zeug zum Klassiker. Ein Film, den man im Lauf der Jahre immer wieder wird sehen wollen. Natürlich auch, um sich vor Rührung so richtig schön die Augen aus dem Kopf zu heulen.
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