Nachruf
Zum Tod von Loriot: Erinnerungen an Vicco von Bülow
Deutschlands beliebtester Humor-Künstler ist tot. Am Montagabend ist Vicco von Bülow alias Loriot gestorben. Wir erinnern an den Mann, der so ein wunderbares Gespür für das Komische im Alltäglichen hatte.
Nicht ohne meine Knollnasen
Nach seinem Studium der Malerei und Grafik an der Kunstakademie in Hamburg (1947 bis 1949) erfand Loriot seine charakteristischen Knollennasenmännchen, die zu treuen Begleitern seines Schaffens wurden. Bekannteste Knollnasenträger: zwei Herren namens Müller-Lüdenscheid und Doktor Klöbner, die gemeinsam in der Badewanne landen.
Das schönste Sofa im deutschen TV
Wenn dieses Möbelstück im Fernsehen auftauchte, war der TV-Abend gerettet: Von seinem Sofa aus nahm uns Loriot mit in seine komische Welt, einem Universum aus Federmuffen, blasenden Heinzelmännern und Atomkraftwerken zum Selberbauen.
Ein Herz und eine Hand für Tiere
Der "possierliche Nager" unten rechts im Bild ist als Steinlaus bekannt geworden und hat es dank seinem Schöpfer Loriot sogar in das medizinische Wörterbuch Pschyrembel geschafft. Ein Händchen für Tiere bewies Cartoonist Loriot auch, als er den Hund Wum erfand, der später mit Elefant Wendelin im "Großen Preis" Karriere machte.
Partnerin im Beruf
"Ich wusste, ich brauche eine typisch deutsche Hausfrau: klein, blond und dick. Doch dann sah ich Evelyn: groß, braun und schlank, und ich wusste, die ist es." Eine sehr gute Wahl. Ob nudeln-essend, englisch-stotternd oder kosakenzipfel-keifend: Evelyn Harmann, die schon 2007 verstarb, war die perfekte Partnerin für Loriot.
Partnerin fürs Leben
Im wahren Leben war Rose-Marie Schlumbom, genannt Romi, die Frau an Loriots Seite. Seit 1951 waren die beiden verheiratet, das Paar hat zwei Töchter. Über Loriots Privatleben ist wenig bekannt. Immerhin hat Loriot, als er schon längst bekannt war, das Geheimnis um die Herkunft seines Künstlernamens gelüftet. Loriot ist die französische Bezeichnung des Pirols, des Wappentieres der Familie von Bülow. In der mecklenburgischen Heimat des Adelsgeschlechtes ist deshalb Vogel Bülow eine gängige Bezeichnung für den Pirol.
"Eigentlich wollte ich gar keinen Film machen."
Zum Glück hat Loriot es dann doch noch getan. Seine späte Kino-Karriere begann 1988 mit "Ödipussi" (Drehbuch, Regie und Hauptrolle: Loriot). Darin lässt er sich als ewiger Junggeselle Paul Winkelmann von seiner Mutter dominieren.
Ach (was), schon wieder Schluss?
Bedauerlich, dass Loriots Kino-Zeit bereits 1991 wieder endete - mit seinem zweiten, nicht weniger komischen Film "Pappa ante Portas" (Drehbuch, Regie, Hauptrolle und diverse kleine Rollen: Loriot). Als frisch pensionierter Heinrich Lohse treibt er seine Frau Renate in den Wahnsinn - und den Zuschauer zu Lachtränen.
Das Loriot-Prinzip
"Kommunikationsgestörte interessieren mich am allermeisten. Alles, was ich als komisch empfinde, entsteht aus der zerbröselten Kommunikation, aus dem Aneinander-vorbei-Reden." Eine Parade-Beispiel für das Loriot-Prinzip: Der gezeichnete Sketch mit dem Frühstücksei (Sie: "Ich habe es im Gefühl, wann das Ei weich ist ...", Er: "Aber es ist hart ... vielleicht stimmt da mit deinem Gefühl was nicht ...")
Auf die Frage, wer ihn geprägt habe, sagte Loriot einmal: "Ich weiß, als ich anfing zu studieren, wohnte ich zwischen dem Irrenhaus, dem Zuchthaus und dem Friedhof. Allein die Lage wird es gewesen sein, glaube ich."
Rückzug ins Private
Gespür für das richtige Timing bewies Loriot nicht nur bei seinen Pointen. Auf keinen Fall wolle er so lange auf dem Bildschirm bleiben, bis seine Familie und Freunde ihm eines Tages den wohlmeinenden Rat geben müssen, dass sein Auftritt "nichts mehr war", sagte er 2006. Ein Jahr später verabschiedete er sich mit einem Besuch in der Talkshow "Beckmann" aus dem TV. Am 22. August hat sich Loriot aus dem Leben verabschiedet. Es heißt, er sei "sanft entschlafen".
Wir werden Vicco von Bülow in guter Erinnerung behalten, schon allein, weil jeder von uns jederzeit in eine loriot-eske Situation geraten kann. Das macht Loriots Humor so zeitlos gut.

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