Die können Sie getrost mit ins Bett nehmen

Sie sind bei uns zu Hause wie nahe Verwandte oder Ehemänner: unsere Lieblingskommissare. Aber wird es nicht mal Zeit für eine Abwechslung? Für einen literarischen Seitensprung? Hier sind Männer und Frauen, mit denen Sie abends im Bett spannende Stunden verbringen können.

  Ian Rankin

Ian Rankin

Wer's britisch mag

Ironisch, sarkastisch, mürrisch - und immer ein wenig distanziert. So hat Ian Rankin seinen Inspector John Rebus geschaffen, der in Edinburgh/Schottland ermittelt. Durch und durch englisch: Die upper class ist auch nicht mehr, was sie nie war. Rebus' Chef heißt Watson, sein Untergebener Holmes - soviel zum englischen Humor. Ansonsten: Rebus gilt als Menschenschinder, deshalb wollen nur die wenigsten mit ihm zusam-menarbeiten. Besonderes Kennzeichen: lächelt nur, wenn es sich gar nicht vermeiden lässt. Eine menschliche Seite hat er aber auch: "My home is my castle" - in seiner Wohnung versucht Rebus mit klassischer Literatur dem schnöden, rauen Polizeialltag zu entkommen.

  Shulamit Lapid

Shulamit Lapid

Wer's komisch mag

Selten wurde eine Heldin von ihrer Autorin so schonungslos beschrieben wie Lisi Badichi von Shulamit Lapid, nämlich als "schlurfende, wiederkäuende Kuh". Spitzname: "Lisi, die Bekloppte". An ihr ist alles groß: die Plattfüße, der Busen, die Plastikohrringe. Lisi ist Lokalreporterin bei der "Zeit im Süden", die Lokalzeitung von Be ?er Scheva, einer Stadt in der israelischen Provinz. Ihr größtes Talent: bei Interviews so unscheinbar und harmlos wie ein Möbelstück zu sein - dann reden die Leute und reden und reden... Lisi wirkt naiv, träge und nicht besonders helle, ist aber schlau, schnell und sehr professionell. Und besser als die Polizei, die bei jedem Mord immer den Erstbesten verdächtigt. Als Sekretärin hat Lisi angefangen, dann ist sie so reingerutscht - und rast inzwischen von Pressekonferenz zu Modenschau zu Ausstellungseröffnung. Gegenüber Männern ist sie extrem unsicher, erst mit 30 verliert sie ihre Jungfräulichkeit - und das auf äußerst unromantische Weise. Unsicher ist sie mit Mode, Männern und Lippenstiftfarben - meist greift sie daneben.

  Håkan Nesser

Håkan Nesser

Wer Wallander mag, aber schon alle Fälle kennt

Hauptkommissar Van Veeterens Revier liegt in der fiktiven Stadt Mardaam, in einem fiktiven Land. Das wird nach dem Autor Håkan Nesser auch Nesserland genannt, denn er schuf eine Mischung von holländischen, deutschen und schwedischen Begriffen, mit denen er Personen und Orte benennt. Mit fast 60 ist Van Veeteren vom Berufsleben gezeichnet: Er hat keine Lust mehr auf Mord und Totschlag und wird Teilhaber in einem Antiquariat. Er gilt als schwierig und eigenbrötlerisch und brummelt sich ungehobelt durch seine Verhöre. Die Fälle spielen oft im kleinbürgerlichen Milieu, wo man rohe Gewalt nicht unbedingt erwartet.

  Åke Edwardson

Åke Edwardson

Wer's psychologisch mag

Kommissar Erik Winter erstellt Täterprofile, seine Werkzeuge sind die Psychologie und sein Verstand. Åke Edwardson lässt ihn in Göteborg und London ermitteln. Nesser ist ein Melancholiker, der sich als großer Schweiger gibt - ein Schutzmechanismus gegen das Grauen, dem er täglich begegnet. Dabei sieht er verdammt gut aus, trägt schicke Designeranzüge, raucht Zigarillos. Der Hintergrund dieser Bücher ist alles andere als attraktiv: Die Wohlfahrtsidylle Schweden ist nur noch ein Mythos, das Land verroht zusehends.

  Michael Connelly

Michael Connelly

Wer's hart mag

Hieronymus "Harry" Bosch ist ein Einzelkämpfer im Sündenpfuhl Los Angeles. Michael Connelly lässt seinen Detective Bosch mit triebgesteuerten Serienkillern, rachedurstigen Ex-Knackis und rassistischen Cops zusammenprallen. Schusswaffen, Stichwaffen, perfide Fallen - nichts ist unmöglich, wenn Boschs Kunden morden. In jedem Fall werden die raffinierten Mörder erst nach mehreren halsbrecherischen 180-Grad-Wendungen entlarvt. Bosch ist intelligent und kombiniert brillant. Aber er scheut auch nicht den Einsatz handfesterer Mittel knapp jenseits des Dienstwegs. So ein harter Typ hat auch seine schwachen Seiten: In Vietnam hat Bosch sich ein Tunneltrauma aufgesackt. Und: Seine Mutter war Prostituierte und wurde von einem Freier ermordet, als Harry ein Kind war. Das treibt ihn an. Connelly ist in den USA millionenfach verkaufter Kult, die ersten Romane werden endlich im großen Hollywood-Stil verfilmt.

  Karin Fossum

Karin Fossum

Wer's sozialkritisch mag

Kommissar Konrad Sejer ist der Mann ohne Eigenschaften: komplett unauffällig. Gelassenheit, Ruhe und ein wacher Verstand weisen ihm den Weg bei seiner Arbeit im ländlichen Norwegen. Er leistet sich bei seinen Fällen den Luxus tiefer menschlicher Erschütterung. Und Autorin Karin Fossum schreckt auch vor härtester Brutalität nicht zurück. Die Fälle erzählen viel über den politischen Alltag in Norwegen - und der unterscheidet sich so sehr nicht vom deutschen. Fossum jongliert mit sozialem Brennstoff - Prostituierte, Alte und Ausländer sind die Opfer. Der beschämende Umgang mit allem Fremden in Norwegen ist das Thema.

  Leena Lehtolainen

Leena Lehtolainen

Wer moderne Frauen mag

In Finnland gibt es einen Beruf, der Kommissar und Staatsanwältin kombiniert. Maria Kallio ist so eine. Sie lebt und arbeitet in Helsinki. Dort meistert sie die Mehrfachbelastung Job/Kind mit Bravour und mit Hilfe ihres Ehemanns. Schriftstellerin Leena Lehtolainen hat ihrer Heldin so rote Haare wie Pippi Langstrumpf gegeben, dazu viel weibliche Intuition, einen glasklaren Verstand und absolute Gradlinigkeit. Maria will die Welt ein bisschen gerechter machen. Die Fälle spielen meist an sozialen Brennpunkten - oder in der "heilen" Welt des Kleinbürgertums.

  Fred Vargas

Fred Vargas

Wer's leise mag

Laute, aufgeregte Menschen sind Kommissar Jean-Baptiste Adamsberg ein Gräuel. Er kombiniert nicht, er ermittelt eigentlich auch nicht. Er ahnt, fühlt, hat Eingebungen, lässt seine Gedanken treiben. Das absolute Gegenteil von Sherlock Holmes. Die Autorin Fred Vargas hat ihre Hauptfigur in Paris angesiedelt, bei privatem Interesse wird der Sonderling aber auch auf dem Land tätig. In seinen Fällen lauern die Abgründe in der Normalität. Nichts ist so, wie es scheint, und jeder ist verdächtig. Melancholisch, abwesend, scheinbar langsam - so erleben ihn seine Kollegen, die ihren Chef zwar schätzen, aber nicht wirklich verstehen.

  Pierre Magnan

Pierre Magnan

Wer Südfrankreich mag

Geh, wohin dein Bauch dich trägt - auch gegen Vorschriften. Das ist das Motto von Kommissar Laviolette, ausgedacht von Pierre Magnan, der ihn in der Haute Provence ermitteln lässt. Der notorische Einzelgänger ist nicht gerade ein Arbeitstier. Gemütlich, bedächtig, still geht er vor. Wegen linkspolitischer Jugendsünden in die Provinz verbannt, jetzt kurz vor der Pensionierung, weiß er die Lebensqualität im ländlichen Süden Frankreichs zu schätzen. Laviolette wirkt oft trottelig und wird deshalb gern unterschätzt. Hier ist die Kulisse der Star - die einmalige Landschaft der Provence kontrastiert mit den Abgründen im vermeintlichen Kleinstadtidyll.

  Boris Akunin

Boris Akunin

Wer's historisch mag

Erast Fandorin fristet sein Dasein anfangs als blutjunger Kanzleischreiber bei der Moskauer Polizei, wird aber bald als Geheimagent des Zaren in die Pflicht genommen. Er ist ein schüchterner Melancholiker, der sich im Job als Meister der Selbstverteidigung und der Maskerade entpuppt. Wenn nichts mehr hilft, zockt er um sein Leben. Schwachpunkt: Er stottert. Hintergrund für diese historischen Krimis ist das vorrevolutionäre Russland mit seiner dramatischen Geschichte. Das bietet - so Autor Akunin - "viel mehr als das große amerikanische Epos, das die Messerstechereien von Kuhhirten besingt". Akunin kennt sich als Literaturwissenschaftler aus und spielt mit allen Figuren und Motiven der Klassik ebenso wie der modernen Kriminalliteratur. Die Abenteuer seines Helden Fandorin sind intelligente Unterhaltung zwischen James Bond und dem Kurier des Zaren.

Lydia Gless

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