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Spannende Seiten: Unsere Krimi-Tipps

Die besten Krimis dieses Herbstes - ausgesucht von BRIGITTE-Krimi-Experte Stephan Bartels.

Anne Holt: "Der norwegische Gast"

Im November wird die Norwegerin Anne Holt 50, und da ist jetzt schon ein bewegtes Leben zusammengekommen: gelernte Juristin, Polizeireporterin, ein paar Monate Justizministerin, Aushängeschild der norwegischen Lesben... Vor allem aber schreibt Holt herausragende Krimis, die meisten mit einer sehr besonderen Ermittlerin: Hanne Wilhelmsen ist wortkarg, schroff, genial. Und an den Rollstuhl gefesselt, seit sie vor ein paar Jahren bei einem Einsatz über den Haufen geschossen wurde.

Wilhelmsen ist mit dem Zug von Oslo nach Bergen unterwegs, als die Bahn mitten im Hochgebirge entgleist. Der Lokführer stirbt, ihr bohrt sich ein Skistock durchs Bein, die anderen Fahrgäste überleben mehr oder minder unversehrt und werden in einem nahen und zum Glück fast leeren Hotel untergebracht. Dort hat man es warm und gemütlich, ist aber voraussichtlich für Tage von der Außenwelt abgeschnitten - draußen in der Einöde tobt der Schneesturm des Jahrhunderts. In einem Flügel des Hotels hat sich ein schwer bewachter Gast aus einem Sonderwagen eingenistet. Die Belegschaft des Zuges rätselt noch, wer das sein könnte, als ein Mord geschieht - ein bekannter Geistlicher wird erschossen aufgefunden. Und es bleibt nicht bei einem Toten. Hanne Wilhelmsen, eigentlich außer Dienst seit der Querschnittslähmung, wird von der Leiterin des Hotels in die Ermittlungen gedrängt. Und löst den Fall in einem sehr klassischen, ausgezeichnet erzählten Krimi, der durchaus Züge einer modernen Agatha Christie trägt. Spannend, klaustrophobisch, besonders gut. (Ü: Gabriele Haefs, 336 S., 19,90 Euro, Piper)

Ian Rankin: "Ein Rest von Schuld"

Mit Detective Inspector John Rebus geht es zu Ende. Ein letzter Fall noch, dann schickt Ian Rankin seinen altgedienten Ermittler in den Ruhestand. Eher aus Versehen, sagt Rankin - er habe beim ersten Buch der mittlerweile 18-bändigen Serie einen entscheidenden Fehler begangen: Der Schotte machte seinen Serienhelden vor zwanzig Jahren einfach zu alt. Nun wird Rebus 60, ein Alter, in dem britische Beamte in Pension gehen müssen.

Vorher allerdings darf der zynische Zigarettenund Whiskeyliebhaber noch einmal seine ausgereiften kriminalistischen Fähigkeiten unter Beweis stellen. Ein bekannter russischer Schriftsteller und Regimekritiker wird in Edinburgh zu Tode geprügelt. Obwohl dem Opfer Uhr und Schmuck fehlen, glaubt der eigenbrötlerische Rebus nicht an einen danebengegangenen Raubüberfall: Zu offensichtlich erscheinen ihm die Verflechtungen mit einer Delegation finanzkräftiger russischer Geschäftsleute. "Ein Rest von Schuld" ist ein guter Rankin, und das macht den Abschied vom kauzigen John Rebus nicht gerade leicht. Auch der Autor selbst weiß noch nicht so genau, wie er ohne ihn klarkommen soll. Denn John Rebus war für ihn über zwei Jahrzehnte eine Art Therapeut, den er seine eigenen Zweifel ausleben lassen konnte: "Ohne ihn wird das Leben eine echte Herausforderung." (Ü: Giovanni und Ditte Bandini, 544 S., 19.95 EUR, Manhattan)

Hakan Nesser: "Eine ganz andere Geschichte"

"Plane, Erik Bergman umzubringen. Mal sehen, ob Du mich aufhalten kannst." Inspektor Gunnar Barbarotti ist perplex. Dass ihm ein Mord in einem Brief angekündigt wird, hat der Polizist noch nicht erlebt. Doch das ist erst der Anfang, denn der Briefschreiber will noch vier weitere Menschen umbringen. Alle hatten fünf Jahre zuvor zusammen einen Bootsausflug in der Bretagne gemacht, bei dem es zu einem schrecklichen Unglück kam. Aber woher kennt der Mörder den Kommissar? Und warum fordert er ihn heraus? Für den neuen Ermittler von Schwedens Erfolgsautor Håkan Nesser beginnt ein Wettlauf mit der Zeit...

Nesser hat mit dem Halbitaliener Gunnar Barbarotti einen würdigen Nachfolger für seine Kultfigur Van Veeteren geschaffen: tiefsinnig, lebensbejahend, humorvoll. Dies ist sein zweiter Fall, vier sollen es insgesamt werden. In Schweden wurde das Buch mit dem Krimipreis 2007 ausgezeichnet. Vollkommen zu Recht. (Ü: Christel Hildebrandt, 608 S., 19,95 Euro, btb)

John Grisham: "Berufung"

Die Guten sind porentief rein, die Bösen ohne eine Spur von Gewissen, die Charaktere nicht besonders abgründig oder ausgefeilt - aber hey, es ist ein Grisham! Und der Amerikaner hat nun einmal andere Qualitäten: Er kann akribisch genau in die Welt der US-Justiz eintauchen - oder in die Politik. Denn um nichts anderes geht es im neuesten Justizthriller des 53-Jährigen. In Mississippi wird eine Chemiefirma für schuldig befunden, eine ganze Stadt durch illegale Beseitigung von Giftmüll vergiftet zu haben - Hunderte sind tot oder an Krebs erkrankt. 41 Millionen Dollar werden allein einer Klägerin zugesprochen, doch von dem Geld fließt vorerst nichts nach Bowmore: Krane Chemical legt Berufung ein. Und tut ab sofort alles dafür, einen willfährigen Richter am Berufungsgericht zu installieren.

Grisham hat hier ein spannendes Lehrstück über die Winkelzüge der amerikanischen Politik und der Justiz geschaffen, in nüchternen, fast reportagehaften Sätzen. Das macht das Buch so realistisch. Und beklemmend. (Ü: Bernhard Liesen, Bea Reiter, Kristina Ruhl, Imke Walsh-Araya, 464 S., 19,95 Euro, Heyne)

Lieber hören statt lesen? John Grishams "Berufung" können Sie sich auf unserer Hörbuch-Plattform herunterladen.

Mag Gardiner: "Die Beichte"

Das ist schon orginell: Vom Berufsbild einer psychologischen Forensikerin hatte man bislang noch nicht allzu viel gehört. Soll es aber wirklich geben, und es ist der Job von Jo Beckett - sie obduziert sozusagen die Seelen von Toten. Und hat reichlich zu tun in diesen kalten Oktobertagen in San Francisco: Alle 48 Stunden bringt sich eine hochgestellte Persönlichkeit um, scheinbar grundlos, zuletzt eine ehrgeizige Staatsanwältin. Beckett hat also nicht viel Zeit, die Motive zu finden. Sie stößt auf einen seltsamen Club von Leuten, die allesamt eines gemeinsam haben: Sie tragen ein schreckliches Geheimnis mit sich herum - und werden anscheinend bedroht.

Wie Beckett das herausfindet, beschreibt Meg Gardiner mit irre viel Tempo und überraschenden Wendungen, es erinnert ein wenig an Michael Connelly. Kein Wunder, dass die Amerikanerin mit Wohnsitz England gerade als der neue Stern am Krimi-Himmel gilt. (Ü: Friedrich Mader, 496 S., 19,95 Euro, Heyne)

Daniel Silva: "Das Terrornetz"

Daniel Silva ist vielleicht der zur Zeit beste Vertreter eines ganz besonderen Genres - der Amerikaner, gelernter Journalist und lange Nahost-Korrespondent bei CNN, schreibt höchst erfolgreich Spionagethriller. Wohl deshalb, weil er einen tollen Protagonisten hat, den Israeli Gabriel Allon. Und weil er es gern auf höchsten Ebenen knallen lässt - "Das Terrornetz" schlägt gleich zu Beginn auf dem Petersplatz in Rom zu, mit einem Attentat auf den Papst. Allon, nebenbei noch einer der weltbesten Kunst-Restaurateure, findet heraus, dass der Anschlag von einem saudischen Ölscheich in Auftrag gegeben wurde. Der Agent will die Terror-Organisation unterwandern. Und das wird, man ahnt es, nervenzerfetzend spannend. (Ü: Wulf Bergner, 432 S., 19,90 Euro, Piper)

Liza Marklund: "Lebenslänglich"

David Lindholm war ein Held, ein bekannter Polizist, der einmal eine Geiselnahme in einem Kindergarten beendet hat. Und jetzt ist er tot, erschossen. Und es gibt nur eine Verdächtige: Julia Lindholm, seine Frau. In einem Indizienprozess wird sie zu lebenslanger Haft verurteilt. Nur eine hat Zweifel an der Schuld der Frau: die Journalistin Annika Bengtzon. Sie gräbt im Leben des Toten und findet heraus, dass der angebliche Held durchaus Dreck am Stecken hatte. Und das wiederum bringt sie selbst in Gefahr.

Es ist der achte Fall von Annika Bengtzon, und neben der Besonderheit, dass eine Journalistin hier Polizeiarbeit betreibt, besticht das Buch wieder einmal durch die lebendige Normalität der Ermittlerin: Sie hat Kinder, massive Eheprobleme, ist frustriert und ängstlich. Liza Marklund, in Schweden längst ein literarischer Superstar, weiß eben, dass Helden nicht immer strahlen müssen. (Ü: Dagmar Lendt, Anne Bubenzer, 512 S., 19,90 Euro, Kindler)

Monika Fangerholm: "Das amerikanische Mädchen"

Tod und Poesie, das lehrt uns Monika Fagerholm, müssen sich nicht ausschließen. Im Gegenteil, die Finnlandschwedin versteht es, den unerklärlichen Todesfällen an der finnischen Küste eine eigentümliche Melancholie zu geben. Eddie de Wire, ein amerikanisches Hippiemädchen, wird leblos in einem Moorsee in der finnischen Wildnis gefunden. Am nächsten Tag entdeckt der 14-jährige Bengt seinen Cousin Björn erhängt im Schuppen. Gerüchte beginnen ihre zerstörerische Kraft zu entfalten: Hat Björn erst das Mädchen und dann sich getötet? Oder war es der eifersüchtige Bengt? Wie Fagerholm in die Abgründe der Figuren eintaucht und Gerede mit Wahrheit vermischt - das ergibt wirklich einen großen literarischen Krimi. (Ü: Sigrid Engeler, 544 S., 22,90 Euro, Fahrenheit)

Charles Maclean: "Trojaner"

Der schottische Autor Charles Maclean ist unter den Liebhabern von Single Malt Whisky schon jetzt eine Legende. Der 62-Jährige betreibt nicht nur eine eigene Destille in Argyll, er hat auch mehrere gefeierte Sachbücher über dieses Getränk geschrieben. Krimis allerdings kann der ehemalige Umweltaktivist auch, und wie. Er schafft es, seine Leser immer wieder auf falsche Fährten zu locken. So auch in diesem neuen Krimi.

Dort geht es um Ed Lister, einen Mann, der alles hat - Wohlstand, Ansehen, eine tolle Frau. Doch dann wird seine Tochter ermordet, in Florenz, wo sie studiert hat. Die italienische Polizei gibt sich wenig Mühe bei der Untersuchung; deshalb macht sich Lister selbst auf die Suche nach dem Mörder. Dabei stößt er auf die Homepage eines gewissen Ward. Und somit auf einen Serienkiller, der ihn aus der sonnigen Toskana in die dunklen Abgründe des World Wide Web zieht... Packend, rasant und hervorragend erzählt. (Ü: Cornelia Holfelder-von der Tann, 512 S., 19,90 Euro, Dumont)

Colin Cotterill: "Dr. Siri und der Tod"

Irgendwann in den 90ern beschloss Colin Cotterill, einen Bestseller zu schreiben. Der Engländer ging in den nächstgelegenen Buchladen, kaufte die Top 5 der Bestsellerliste, ließ sich inspirieren und legte los. Mit seiner Serie um Dr. Siri Paiboun, einen Pathologen wider Willen, scheint das Vorhaben des 56-jährigen Weltenbummlers mit Wohnsitz Thailand tatsächlich zu glücken. Dr. Siri ist 72, Arzt, verwitwet, lebt im Laos der 70er Jahre und wird vom kommunistischen Regime dazu verdonnert, ab sofort der einzige Pathologe des Landes zu sein.

Bereits sein erster Fall fordert größtmögliches Fingerspitzengefühl. Die Ehefrau eines Genossen ist während eines Essens tot zusammengebrochen. Siri entdeckt schnell, dass dabei jemand nachgeholfen hat... Der Ort, die Idee, die Hauptperson: All das ist erfrischend ungewöhnlich und wunderbar zu lesen. (Ü: Thomas Mohr, 320 S., 17,95 Euro, Manhattan)

Lieber hören statt lesen? Colin Cotterills "Dr. Siri und der Tod" können Sie sich auf unserer Hörbuch-Plattform herunterladen.

Oder Sie entdecken die neue BRIGITTE-Hörbüch-Edition Starke Stimmen - die Krimis. 12 Prominente lesen die besten Krimis unserer Zeit: Krimi-Hörbücher

Stephan Bartels Foto: Aridula/photocase.com

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