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Romantische Komödien machen Männer zu Stalkern

Gar nicht nett und herzerweichend: Liebesfilme tragen laut einer aktuellen Studie dazu bei, dass Stalking und Belästigung toleriert werden.

Hach ... romantische Komödien können einem auch den trübsten Regentag verbessern, oder? Ob "Notting Hill", "Bridget Jones" oder irgendeine Kombination aus Tom Hanks und Meg Ryan: Turbulente Liebesgeschichten lassen nicht nur bei Kinofans die Herzen höher schlagen. Denn was ist romantischer als ein drolliger Mann, der sich durch keinen Rückschlag entmutigen lässt und sich mit seiner Beharrlichkeit tief ins Herz seiner großen Liebe stammelt?

Ist doch nur Spaß - oder?

Klar, im wahren Leben wäre so etwas nüchtern betrachtet nicht unbedingt schmeichelhaft, sondern in vielen Fällen eher abschreckend. Der große Schwarm, der seine Freundin vom hässlichen Entlein in eine Prom-Queen verwandelt, ist außerhalb des Kinos kein Traummann, sondern ein manipulatives Ekel, dem es vor allem um Äußerlichkeiten geht.

Aber egal: Filme sind schließlich Märchen, und ein bisschen Seufzen und Träumen sind ein harmloser Spaß - sollte man denken. Doch eine Studie der University of Michigan zeigt: Romantische Komödien tragen messbar zur Verharmlosung von Stalking und Belästigung bei.

Ein echter Mann legt sich halt ins Zeug!

Das klingt auf den ersten Blick hart, aber das Studienergebnis ist eindeutig: Die Versuchsteilnehmer waren nach Betrachten einer typischen Liebeskomödie deutlich häufiger der Meinung, dass gezeigte Belästigungs-Beispiele lediglich besonders leidenschaftliche Versuche wären, Aufmerksamkeit zu bekommen.

Klar, das war nur ein einzelnes Experiment mit beschränkter Teilnehmerzahl, aber es wirft doch ein schlechtes Licht auf die "romantischen Traummänner", die uns seit Jahren unterhalten.

Denn worum geht es in eigentlich jedem Liebesfilm? Um Menschen, die sich nicht damit abfinden, dass ihre große Liebe nach zwei Dritteln des Films nichts mehr von ihnen wissen will. Und an diesem Punkt ist der Mann gefragt: Helden, die beharrlich am Objekt ihrer Begierde dranbleiben, werden irgendwann nach einer großen romantischen Geste mit heißen Küssen belohnt.

Romantische Gesten, wie etwa nachts vor ihrem Fenster herumlungern und laut Musik spielen ...

... oder ihr nach der Hochzeit mit einem anderen Mann eine Liebeserklärung aufzudrängen (ohne, dass es von ihrer Seite aus je ein entsprechendes Signal gegeben hätte) ...

... oder am besten gleich seine Liebe in einer großen Inszenierung vor großem Publikum herausschreien - vor so vielen Leuten wird sie schon nicht die Spielverderberin sein.

Und die Frauen machen auch keine bessere Figur - wenn sie nicht der zu erobernde Hauptgewinn sind, überschreiten auch sie für die Liebe alle Grenzen. Sich als die Verlobte eines fremden Koma-Opfers auszugeben wäre ein Fall für die Polizei - für Sandra Bullock in "Während du schliefst" hingegen eine prima Möglichkeit, ihrem großen Schwarm endlich näher zu kommen.

Traum oder Alptraum?

Natürlich geht es hier um Träume und Sehnsüchte. Wenn wir im Kino die nüchterne Realität sehen wollten, liefe da jeden Tag die "Tagesschau" auf der Leinwand. Selbst eingefleischte "Shades of Grey"-Fans werden nichts davon für dokumentarisch oder alltagstauglich halten.

Aber es ist doch seltsam, dass es unter all den Liebesfilmen praktisch kein Beispiel einer Romanze gibt, die man im normalen Leben als gesunde Beziehung von Menschen betrachten würde, oder?

Und da liegt das Problem: Ähnlich wie viele Teenager beim ersten Kontakt mit Pornos denken, dass Sex und Intimität wohl SO funktionieren, suggerieren viele romantische Komödien, dass man für die Liebe nur hartnäckig genug sein muss - allen Widerständen zum Trotz. Mit anderen Worten: klassisches Stalking.

Auch Frauen, so die Studie, werden daran gewöhnt, aufdringliches Verhalten als "schmeichelhaft" zu empfinden. Ist doch nett, wenn jemand einen so lieb hat, dass er gar nicht mehr von der Seite weichen will!

Keine Angst: Liebesfilme bleiben liebenswert

Das alles soll uns den Spaß an Lieblingsfilmen nicht vermiesen. Studie hin, Studie her, wir freuen uns trotzdem weiter, wenn sich das Paar nach knapp 90 Minuten im strömenden Regen in die Arme fällt.

Aber es wäre toll, wenn wenigstens hin und wieder ein Flirtversuch wie "Ich habe dich im Schlaf beobachtet" nicht mit geschmeicheltem Kichern beantwortet würde, sondern so:

heh

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