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Der Restaurant-Knigge

Gehört die Serviette noch auf den Schoß? Was mache ich, wenn mir die Froschschenkel so gar nicht schmecken? Und wer zahlt? BRIGITTE.de erklärt, wie Sie den Restaurant-Besuch ohne Fauxpas überstehen.

Unsere Expertin: Elisabeth Bonneau bietet firmeninterne und offene Seminare zu den Themen Business-Etikette, Umgangsformen, erfolgreicher Smalltalk oder gewandtes Auftreten. Gerade erschien ihr Buch "Der Große GU Knigge".

Der Parcours durch das Lokal

MACHEN Wenn Sie Freunde, Verwandte, Bekannte oder Geschäftspartner in ein Restaurant einladen, gilt die Regel: Der Regisseur geht vor und checkt die Lage.

LASSEN Auch wenn ein Abend im Top-Restaurant der Stadt endlich mal wieder die Möglichkeit bietet, das Lieblingskleid vorzuführen: Sie sind nicht auf einem Laufsteg. Rauschen Sie nicht durch die Tischreihen hin und her - vor allem nicht im Mantel, der gehört nämlich an die Garderobe, auch wenn er noch so schön ist.

Bekannte Gesichter im Restaurant

MACHEN Wenn Sie im Restaurant bekannte Menschen treffen, grüßen Sie am besten stillschweigend aus der Ferne: mit einem Nicken, einem charmanten Lächeln oder einer kleinen, winkenden Handbewegung. Nähern Sie sich dem Tisch nur, wenn Sie ausdrücklich dazu aufgefordert werden. Falls ein Bekannter auf Sie zukommt, gehen Sie ihm entgegen und halten Sie das "Hallo" möglichst kurz.

LASSEN Auch wenn gerade Ihre drei allerbesten Freundinnen das Lokal betreten: Verzichten Sie darauf, sie an den Tisch zu bitten. Schließlich haben Sie bereits eine Verabredung - und die hat vielleicht keine Lust, den ganzen Abend die neuesten Gerüchte aus Ihrem Freundeskreis zu hören.

Auch ausgedehnte Vorstellungsrunden sind im Restaurant fehl am Platz. Schließlich sind Sie nicht auf einer Stehparty.

Der Blick in die Speisekarte

MACHEN Darf ich das 5-Gänge-Menü wählen - oder begnüge ich mich lieber mit den preiswerten Pasta? Geladene Gäste sind bei der Menüwahl oft unsicher. Sorgen Sie also gleich für klare Verhältnisse, wenn Sie der Gastgeber sind, und helfen Sie Ihren Gästen bei der Wahl! Stecken Sie einen ungefähren Kostenrahmen ab, ohne dabei über die Kosten zu sprechen. Wie man das macht? Wenn Sie nachhaken und fragen: "Was halten Sie von dem Menü, das der Küchenchef vorgeschlagen hat?", wissen Ihre Gäste, dass Sie nicht nur bei den Hauptgerichten schauen müssen. Wenn Sie sagen: "Die gebratene Ente ist hier besonders gut, das Heilbuttfilet allerdings auch", verstehen alle, dass Sie sich nicht nur auf Pizza und Pasta beschränken müssen.

LASSEN Sie haben keine Ahnung, was sich hinter "Petit Fours", "Tempura-Soba" oder "Pangasius all Arancio" verbirgt? Macht nichts - Ihr Gegenüber wahrscheinlich auch nicht. Wenn Sie Gerichte auf der Speisekarte nicht kennen, müssen Sie das nicht für sich behalten. In einem Lokal sollten die Speisen auf der Karte so formuliert sein, dass alle Gäste sie verstehen können. Machen Sie sich also nicht klein, nur weil Sie nicht regelmäßig in französischen Gourmet-Tempeln speisen. Wenn Sie zum Servicepersonal sagen: "Das Küchenfranzösisch wollte ich schon immer mal lernen - vielleicht können Sie mir sagen, was das genau ist?", traut sich sicherlich auch Ihr Nachbar zuzugeben, dass er die Speisekarte überhaupt nicht versteht.

Der Umgang mit dem Servicepersonal

MACHEN Auch wenn die Servicekraft dem Schwiegervater den Rotwein auf die Anzughose kippt: Bleiben Sie locker. Das Personal will Sie nicht ärgern und kann auch mal einen schlechten Tag haben. Wenn Sie selbst Gastgeber sind, sollten Sie bei Malheurs der Servicekräfte ein-, aber nicht zugreifen. Machen Sie deutlich, dass etwas getan werden muss. Fragen Sie Ihre Begleitung, ob Sie herausgehen möchte, und bieten Sie an mitzukommen. Außerdem: Nehmen Sie ruhig den Verursacher in die Pflicht. Natürlich muss das Restaurant für die Reinigungskosten aufkommen.

LASSEN Das Bedienungspersonal heißt heute Servicekraft. Es ist also nicht mehr politisch korrekt, ein "Herr Ober, können Sie mal bitte" oder "Kellnerin!" durchs Restaurant zu rufen. Fragen Sie das Personal stattdessen lieber nach dem Namen, das kommt immer gut an.

Vom Brot bis zum Zahnstocher - die wichtigsten Tisch-Regeln

MACHEN

Egal, ob sie aus Stoff ist, aus Vlies oder aus Papier: Legen Sie die Serviette zum Beginn des Essens auf den Schoß. Und auch wenn es Ihnen altertümlich vorkommt: Nehmen Sie die Serviette auf und tupfen Sie sich die Lippen ab, bevor Sie Ihren Mund ans Glas setzen.

Prost! Cheers! Auf Dein Wohl! Es ist weiterhin üblich und durchaus gesellig, sich beim ersten gemeinsamen Schluck Alkohol und beim Wechsel der Weinsorten zuzuprosten. Wenn Sie Gastgeber sind, sollten Sie als Erste das Glas erheben und mit einem Blick in die Runde "Zum Wohl" wünschen.

Das Brot am Tisch zu brechen statt zu schneiden ist seit biblischen Zeiten eine schöne Tradition, also halten Sie sich auch gern heute noch daran. Aber brechen Sie vom Brötchen oder Baguette möglichst nur Brocken in der Größe eines Bissens ab. Darauf sollten Sie nur eine kleine Menge Butter geben, gerne auch Salz, und dann können Sie das Stück elegant und ohne abzubeißen in den Mund schieben. Anders sieht es aus, wenn Toast- oder Schwarzbrot-Scheiben aus dem Tisch stehen. Die können Sie auch im Ganzen mit Butter oder Schmalz bestreichen und davon abbeißen.

LASSEN

Es ist verständlich, dass Sie nach einem langen Tag im Büro wahnsinnig hungrig sind. Sie müssen sich jedoch ein paar Minuten zusammenreißen. Machen Sie sich nicht sofort über die Pizza her, sondern warten Sie, bis Ihr Gastgeber das Besteck aufnimmt und damit das Signal zum Start gibt. Die Gastgeberrolle ist nicht definiert? Sie müssen sich trotzdem noch ein wenig gedulden: Erst wenn eine ranghöhere oder ältere Person am Tisch mit dem Essen beginnt, dürfen auch Sie loslegen.

"Mit vollem Munde spricht man nicht" - was schon Oma riet, gilt natürlich bis heute. Auch Geräusche wie Schlürfen, Schmatzen oder lautes Besteckklappern gehören nicht in ein Restaurant. Und wenn Sie sich zuprosten, verzichten Sie auf ein lautes Klirren der Gläser.

Fallen Sie am Tisch nicht in sich zusammen, sondern seien Sie aufmerksam, sitzen Sie aufrecht und halten Sie Ihre Arme nah am Oberkörper. Später auf der Couch können Sie sich wieder fallen lassen.

Zahnstocher oder Lippenstift haben am Tisch nichts zu suchen. Ersparen Sie der Runde Restaurierungsarbeiten vor, während und nach dem Essen. Vor dem Spiegel auf der Damentoilette können Sie die Lippen sowieso viel perfekter nachziehen.

Der richtige Umgang mit dem Besteck

MACHEN Vor Ihnen liegen drei Gabeln, drei Messer, drei Löffel, und Sie haben keine Ahnung, womit Sie das Zanderfilet essen sollen? Keine Sorge: Die altbekannte Regel, das Besteck für jeden Gang von außen nach innen zu benutzen, ist noch immer aktuell.

Doch es gibt Ausnahmen: "Wenn die Anatomie der Speise es verlangt, dürfen Sie auch die Hände zum Essen nutzen", erklärt Elisabeth Bonneau. Das betrifft zum Beispiel Artischocken oder Meeresfrüchte. Sicheres Indiz: eine Wasserschale oder ein Zitronentüchlein für die Finger, das Ihnen vom Servicepersonal gereicht wird.

Kartoffeln und Gabeln - war da nicht etwas...? Tatsächlich galt früher, dass man Kartoffeln nur mit der Gabel zerkleinern soll, da das Silberbesteck durch die Kartoffelstärke schnell anlief. Im Zeitalter von Edelstahlbesteck und Spülmaschinen können Sie diese Regel getrost vergessen und auch bei Kartoffeln zum Messer greifen.

Aufgegessen und rundum glücklich? Legen Sie Ihr Besteck nebeneinander in einem Winkel entsprechend der Uhrzeit "Zwanzig nach Vier" ab. So weiß das Servicepersonal, dass es nun abräumen darf.

LASSEN Das Besteck nach dem Essen abzulecken, geht gar nicht. Zum einem kann das gefährlich sein, denn Messer sind bekanntlich scharf. Zum anderen ist es sehr unhöflich, dem Sitznachbarn die Zunge zu zeigen.

Sie wollen noch weiter essen? Legen Sie das einmal benutzte Besteck nie so ab, dass der Griff die Tischdecke berührt und merken Sie sich die Uhrzeit "Zwanzig nach Sieben". Wie die Zeiger bei dieser Uhrzeit sollten im Fall einer Essenspause auch Gabel und Messer auf dem Teller platziert werden.

Mit einem Messer in der Hand über die letzte Motivationsansprache des Chefs wettern? Auf der Bühne würden Sie damit vielleicht beeindrucken, im Restaurant benutzen Sie Ihr Besteck besser nicht zur Unterstützung Ihrer Gestik.

Wenn das Essen gar nicht schmeckt ...

MACHEN Die Fischsuppe ist widerlich, aber Sie möchten den Küchenchef nicht in Verlegenheit bringen? Sollten Sie aber: Erläutern Sie sachlich und dezent, aber auch bestimmt, dass die Kartoffeln versalzen sind, und lassen Sie das Gericht zurückgehen.

LASSEN Anders sieht es aus, wenn das Menü Ihren Geschmack einfach nicht getroffen hat. Sie sollten auf keinen Fall die Servicekraft beleidigen oder den Gastgeber pikieren. Wenn Ihre Geschmacksnerven keinen Spinat mit Curry ertragen können, dann teilen Sie dem Servicepersonal ruhig mit, dass das Essen nicht Ihr Fall war. Sie sollten jedoch nicht vor versammelter Mannschaft über das Menü und den Küchenchef lästern.

Lecker war's - aber wer bezahlt?

MACHEN Laut Statistik wollen 50 Prozent aller Frauen in ein Restaurant eingeladen werden, egal wie hoch ihr Gehalt ist. Aber woher soll Ihr Gegenüber wissen, ob Sie darunter sind? Klären Sie möglichst frühzeitig, wer die Rechnung übernimmt oder ob jeder für sich selber bezahlt. Wenn Sie die Rechnung teilen möchten, können Sie sagen: "Ich freue mich, dass wir hier sind, ich finde, wir machen einfach Hälfte-Hälfte." Wenn Sie von Ihrem neuen Freund eingeladen werden möchten, reicht ein: "Danke für die Einladung." Eigentlich sollte er dann wissen, dass Sie von ihm erwarten, die Rechnung zu übernehmen.

LASSEN "Nein, du hast doch das letzte Mal bezahlt, dieses Mal bin ich dran...", "Aber du lädtst mich doch immer ein, lass mich doch heute..." Diskussionen wie diese nach dem Essen machen keinen guten Eindruck. Wenn Sie unbedingt bezahlen wollen, müssen Sie schnell sein und sich mit dem Kellner verbünden. Sagen Sie ihm, dass er mit der Rechnung zu Ihnen kommen soll oder bezahlen Sie schon unauffällig, bevor Ihre Begleitung den Geldbeutel zückt.

Mehr Infos: "Der Große GU Knigge" von Elisabeth Bonneau Preis: 16,90 Euro Verlag: Gräfe und Unzer ISBN: 978-3-8338-1133-3

Text: Sybille WarnkingFoto: Getty Images

Kommentare (8)

Kommentare (8)

  • Anonymer User
    Anonymer User
    geil alda
  • Anonymer User
    Anonymer User
    in letzter zeit bemerke ich des öfteren dass Linkshänder die gabel in der rechten hand halten und das messer in der linken hand. ist das in ordnung?
  • Anonymer User
    Anonymer User
    zu dem Thema "Reklamieren als Volkssport" möchte ich folgendes hinzufügen:



    Gerade mit dieser Methode "Über Kleinigkeiten sieht man hinweg, bei wirklich schlechtem Essen oder Service geht man das nächste Mal woanders hin" sind so manche Restaurants alles andere als glücklich - uns wurde vom Küchenchef unserer Stammwirtschaft gesagt, wir sollten ihm ehrlich sagen, wenn es uns nicht geschmeckt hat oder der Servie nicht okay war, das wäre ihm lieber als wenn Gäste ihren Unmut hinunterschlucken und niemals wiederkommen oder gar eine schlechte Kritik im Internet verfassen. So wüsste er, wo der Schuh drückt und könnte Abhilfe schaffen - bei der Methode des Nichtmehrwiederkommens hat er aber nie die Chance, etwas zu ändern.



  • Anonymer User
    Anonymer User
    Frage zum Restaurant-Knigge:Darf man im Resaurant gekochte Kartoffeln mit dem Messer zerschneiden?Ich habe gelernt die Kartoffeln mit der Gabel zu zerteilen,oder hat sich das mitlerweile geändert?Wer kann mir meine Frage beantworten?
  • Anonymer User
    Anonymer User
    die Manieren der heutigen Generation von Restaurantbesuchern schreien inzwischen zum Himmel. Das Paare 80 % der Restaurantzeit damit verbringen ihr Handy zu bearbeiten, der Mann mit Händen in den Taschen hinter der Frau das Restaurant betritt ist schon normal geworden. Dafür setzen sich die Herren der Schöpfung natürlich als erster auf den ihnen genehmen Platz während die Frau noch an der Garderobe wuselt. Natürlich beginnt der Mann mit dem Essen dann wenn es vor ihm auf dem Tisch steht, auf den Start der Frau zu warten inzwischen undenkbar. Den linken Unterarm direkt quer vor dem Teller oder beiden Ellenbogen auf den Tisch ist in, weil man es so schon mal bei Bauarbeitern in der Mittagspause gesehene hat. Und dann das leidige Thema die Zähne wie in der Steinzeit in das Tischbrot zu schlagen und abzubeißen, damit die eigene Zahnreihe an der Abbeißstelle für alle Restaurantbesucher deutlich ersichtlich ist. Die Tischmanieren sind leider inzwischen zu kotzen geworden.
Bild Montagsnl

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