Sommergespräch

Zwei Frauen diskutieren über Liebe, Macht, ihre Familien und die Versuche, einen eigenen Weg zu gehen - auch gegen Widerstände. Reden Sie mit.

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Susanne Birkenstock (links), wurde 1971 in Bad Honnef am Rhein geboren. Mit 18 heiratete sie Christian Birkenstock, den Sohn des Korksandalen-Erfinders Karl Birkenstock. Mit Christian baute sie das Tochterunternehmen "Betula" auf, das den Öko-Treter etwas liftete. 2004 gründete sie ihre eigene Firma "SB International" und entwickelte den "Beautystep", einen modischen Gesundheitsschuh. Bald darauf kam es zum Prozess: Die Familie Birkenstock wollte verhindern, dass die Schuh-Designerin mit dem Namen Susanne Birkenstock für ihre Produkte warb, konnte sich damit aber nicht durchsetzen. 2003 trennte sich die Unternehmerin von ihrem Mann. Mit ihren beiden Kindern Jan (14) und Julia (12) lebt sie in Bad Honnef.

Amelie Fried (rechts), wurde 1958 in Ulm geboren. Ihr Vater war Zeitungsverleger, die Mutter Buchhändlerin. Mit elf Jahren ging Amelie aufs Internat, machte schon mit 16 Abitur und studierte dann Theaterwissenschaften, Dokumentarfilm und Fernsehpublizistik. Seit 1984 arbeitet Amelie Fried als Fernseh-Moderatorin, zunächst für Jugendsendungen, dann in der ZDF-Talkshow "live", später bei "stern TV" und derzeit bei "3 nach 9". Seit Mitte der neunziger Jahre schreibt sie auch Kinderbücher und Romane, gerade ist im Heyne Verlag ihr neues Buch "Rosannas Tochter" erschienen. Seit 1990 ist Amelie Fried mit dem Drehbuchautor Peter Probst verheiratet. Mit ihm und den beiden Kindern Leonard (14) und Paulina (11) lebt sie bei München.

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Amelie Fried: Sie sind wie eine Figur aus einem meiner Bücher: eine junge Frau, die mit 18 ihre Jugendliebe heiratet, sich in das Familienunternehmen einarbeitet, voller Leidenschaft das Schuhgeschäft lernt, dann infolge persönlicher Zerwürfnisse rausgemobbt wird. Super Geschichte, finde ich . . .

Susanne Birkenstock: ......aus der Sicht einer Autorin, ja.

Amelie Fried: Sorry, für Sie war das bestimmt nicht leicht.Tragen Sie noch Birkenstock-Schuhe?.

Susanne Birkenstock: Nein. Ich habe sie radikal verbannt, verbannen müssen. Die Familie ist anwaltlich dagegen vorgegangen, dass Fotos von mir mit Birkenstocks in der Presse veröffentlicht wurden. Haben Sie denn welche?

Susanne Birkenstock: Auch nicht. Als Hausschuhe hatte ich mal welche. Aber auf eine Party würde ich mich damit nicht trauen.

Susanne Birkenstock: Und genau deshalb wollte ich etwas Innovatives, Modernes entwickeln. Leider war meine Eigenständigkeit den Birkenstock-Herren ein Dorn im Auge - der Betrieb ist fest in Männerhand: mein Schwiegervater im Hintergrund, mein Mann und seine beiden Brüder.

BRIGITTE: Und der „Beautystep“, den Sie eigenständig kreiert haben, hat, glaubt man den Zeitungen, Ihre Ehe zerstört?

Susanne Birkenstock: Nein, die Ehe war vorher schon zerrüttet. Allerdings ist die familiäre Situation durch die anwaltlichen Auseinandersetzungen noch schwieriger geworden. Der „Beautystep“ hat sich sehr gut verkauft. Das war dann der Endpunkt unserer Beziehung: Da ist eine Frau, die schmeißt alles über den Haufen, entwickelt einen völlig neuen Schuh und hat damit auch noch Erfolg. Der Familie hat das überhaupt nicht gepasst - abgesehen von meiner Schwiegermutter, mit der verstehe ich mich heute noch gut.

BRIGITTE: Stand da plötzlich die Familienehre auf dem Spiel?

Susanne Birkenstock: Eher eine Art Männerehre.

Amelie Fried: Ich bewundere Sie, dass Sie die Nerven behalten haben.

Susanne Birkenstock: Wahrscheinlich haben mir meine positive Grundeinstellung zum Leben und die Briefe vieler Menschen geholfen, die mir Mut machten. Wenn alles Harmonisch verlaufen wäre, stünde ich vielleicht gar nicht da, wo ich heute bin......

BRIGITTE: Frau Fried, was man über Sie und Ihren Mann liest, klingt ganz anders als bei Frau Birkenstock: Harmonie total, die ideale Lebens- und Arbeitsgemeinschaft ... In Ihren Büchern steckt da mehr Sprengstoff.

Amelie Fried: So harmonisch ist es bei uns gar nicht. Manchmal flucht mein Mann und wäre sicher gern mehr Macho. Das sind die Momente, wenn ich nicht da bin und er mit der Tochter Mathe lernen muss, der Kater krank ist, der Kühlschrank kaputt und er den Druck hat, ein Drehbuch pünktlich abliefern zu müssen. Also das geballte Chaos. Da träumt er auch mal davon, im Büro zu sitzen, und zu Hause regelt alles seine Frau.

Susanne Birkenstock: Das klingt so, als hätten Sie das meiste auf ihn abgewälzt?

Amelie Fried: Nein. Wir betrachten uns als Team, beide sind für alles zuständig. Wenn er weg ist, mache ich das ja auch alles.

BRIGITTE: Und das klappt? Fliegen nicht gelegentlich die Fetzen?

Amelie Fried: Klar. Bei uns wird auch gestritten, das ist alles andere als immer nur heile Welt. Ich knalle schon mal die Türen zu ...

Susanne Birkenstock: ... Und Ihr Mann macht sie wieder auf?

Amelie Fried: Er wartet eher ab, bis der Sturm vorbei ist. Er hat bei uns den ausgleichenden Part. Ich habe Glück, dass er reden mag und reden kann. Wenn ihm etwas stinkt, spricht er es an. Außerdem hilft es, die Dinge mit Humor zu sehen. Es ist schon passiert, dass wir uns nach einem Streit gegenüber standen und schallend lachen mussten. Das ist ungeheuer befreiend.

BRIGITTE: Frau Birkenstock, wie war das bei Ihnen, als Ehe und Firma noch unter einem Dach waren? Hat sich Ihr Mann insgeheim gewünscht, dass Sie zu Hause bleiben und sich nur um die Kinder kümmern?

Susanne Birkenstock: Sein antiquiertes Rollenverständnis kam erst in den letzten Jahren unserer Ehe zum Vorschein: Frauen sollen hübsch aussehen, zurückhaltend sein, Kinder und den Haushalt allein versorgen, auch wenn sie arbeiten möchten. Für mich war das keine Basis für eine Partnerschaft.

BRIGITTE: Sind sie sich in der Firma zu sehr in die Quere gekommen?

Susanne Birkenstock: Wenn Ehepartner miteinander arbeiten, darf es kein Konkurrenzverhalten geben. Der eine muss stolz auf den anderen sein, wenn er etwas Neues anfängt. Das hat bei uns überhaupt nicht funktioniert, und wir haben uns auseinander gelebt. Bewegten uns in zwei völlig unterschiedlichen Paar Schuhen ...

BRIGITTE: Da ist es leichter, wenn beiden klar ist: Ich schreibe die Bestseller und nicht du - oder?

Amelie Fried: Amelie Fried: Na ja, wenn wir öffentlich auftreten, ist mein Mann schon mal genervt, weil die Leute sofort auf mich losrennen, und er ist halt mein Begleiter. Wir konkurrieren aber nicht miteinander. Er ist sehr erfolgreich in seinem Beruf, nur steht er weniger im Rampenlicht. Das sehen wir beide so.

Susanne Birkenstock: Wenn alle Paare eine so gute Arbeitsteilung hätten, müssten sich die Politiker nicht den Kopf zerbrechen, wie Deutschland familienfreundlicher wird. Dann gebe es mehr Kinder. Diesen Mann müssen Sie festhalten...

Amelie Fried: . . . oder ihn unter Artenschutz stellen. Ich weiß schon, was ich an ihm habe. Was er macht, können aber auch nur die Männer leisten, die freiberuflich oder selbständig sind.

Susanne Birkenstock: Ich denke, das Wichtigste ist die Einstellung. Entweder haben Männer Spaß an Kindern und übernehmen Verantwortung oder nicht.

Amelie Fried: Und Ihr Mann ist nicht gerade der geborene Vater?

Susanne Birkenstock: Mein Mann hat immer viel Zeit auf seinem Segelschiff verbracht....

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BRIGITTE: ...und Sie waren in der Firma. Haben Sie eigentlich ein eigenes Gehalt bekommen, als Sie für Birkenstock arbeiteten?

Susanne Birkenstock: Natürlich habe ich Geld verdient. Aber in einem Familienunternehmen gibt es keine getrennten Gehaltszettel. Und das ist auch ein Grund, warum ich ein eigenständiges Unternehmen gegründet habe.

Amelie Fried: Ich begreife nicht, dass viele Frauen so naiv sind zu glauben, der Mann würde sie mit der Heirat für den Rest ihres Lebens ernähren. Meine Mutter hat mir mal erzählt, wie demütigend sie es fand, meinen Vater um Geld bitten zu müssen. Später hat sie dann zweitweise wieder gearbeitet und mir vorgelebt, dass man Job und Familie durchaus verbinden kann. Schon als junges Mädchen fand ich die Vorstellung unerträglich, einen Ehemann um Haushaltsgeld bitten zu müssen. Ich wollte immer mein eigenes Geld verdienen.

Susanne Birkenstock: Man könnte ja auch ein ganz neues Modell überlegen: Der Arbeitgeber überweist vom Gehalt des Mannes automatisch 50 Prozent auf sein Konto und 50 Prozent auf das Konto der Frau. Dann wäre auch die Arbeit der Frau honoriert, die einem Mann für seine Karriere den Rücken freihält.

Amelie Fried: Letztlich hat dann doch der Mann das Geld erwirtschaftet. Ich bin eher für eine Art Hausfrauengehalt. Wer sich entscheidet, Familienarbeit zu machen, leistet ja sehr viel. Damit wäre die Hausarbeit ein eigenständiger Beruf und würde auch als solcher gewürdigt werden.

BRIGITTE: Sie arbeiten beide sehr viel. Wie kommen Ihre Kinder damit klar, dass Sie sich häufig ausklinken?

Susanne Birkenstock: Gelegentlich sind sie schon genervt. Im letzten Jahr musste ich besonders viel arbeiten, da gingen viele Sonntage drauf, an denen ich kaum Zeit für die Kinder hatte. Manchmal finde ich es verdammt schwer, Vater und Mutter zugleich zu sein. Schon die Stimme: Meine ist nun mal nicht so durchdringend. Aber natürlich genieße ich es, ganz viel Freizeit mit meinen Kindern zu verbringen. Ich versuche, ihnen eine gute Freundin zu sein, kann aber auch autoritär auftreten.

Amelie Fried: Meine Kinder schimpfen, wenn ich im Stress nervös und aufbrausend bin. Ich nehme mir das dann selbst übel. Trotzdem glaube ich schon, dass ich eine sehr fürsorgliche Mutter bin. Aber ich bin generell leider eher ungeduldig, kann mich schlecht auf das Tempo anderer Menschen einstellen.

BRIGITTE: Standen Sie mal vor der Entscheidung, entweder die Kinder oder der Job?

Amelie Fried: Ich hatte mal ein sehr schönes Angebot als TV-Moderatorin in Hamburg, aber dann hätte ich 60 Stunden in der Woche arbeiten müssen. Das ging einfach nicht, ich hatte schon ein Kind und wünschte mir noch eines. Niemals hätte ich darauf zugunsten einer wie auch immer gearteten Karriere verzichtet.

BRIGITTE: Frau Birkenstock, können Sie sich vorstellen, mit einem neuen Partner nochmal Kinder zu haben?

Susanne Birkenstock: Ich habe die Familienplanung für mich abgeschlossen. Ich habe schon zwei Kinder, bin stolz auf sie.

Amelie Fried: Und was passiert, wenn Sie sich wild in einen Mann verlieben, und der wünscht sich unbedingt ein Kind von Ihnen? Da würden Sie doch nicht Nein sagen?

Susanne Birkenstock: Ich würde sagen: Partnerschaft ja, aber. . .

Amelie Fried: . . . zu Ihren Bedingungen?

Susanne Birkenstock: Genau. Mein Unternehmen expandiert, international arbeiten viele Menschen an meiner Marke mit. Ich muss viel reisen, werde demnächst ein halbes Jahr in London, Mailand und Amerika sein. Ein Baby dazwischen, das wäre fast unmöglich. Außerdem hätte ich Angst meinen großen Kindern nicht mehr gerecht zu werden.

Amelie Fried: Das klingt alles unheimlich durchgeplant. Wollen wir mal hoffen, dass Ihnen der liebe Gott keinen Strich durch die Rechnung macht.

Susanne Birkenstock: Na gut. Ich habe einen neuen Lebenspartner, wir verstehen uns hervorragend . . .

BRIGITTE: . . . und nun möchte er ein Kind von Ihnen?

Susanne Birkenstock: Natürlich sprechen wir darüber, aber es lässt sich nicht alles unter einen Hut bringen.

Amelie Fried: Ich glaube, ich plane meine Zukunft sehr viel weniger als Sie.

BRIGITTE: Wirklich nicht? Ihr Leben wirkt doch sehr geordnet, Sie haben bestimmt nicht alles dem Zufall überlassen.

Amelie Fried: Das täuscht. Ich habe niemals damit gerechnet, dass ich beim Fernsehen landen würde. Es war für mich total unerwartet, dass ich eine Karriere als Buchautorin schaffen würde. Und für mich ist es jeden Tag wieder eine Sensation, dass es einen Mann gibt, der es mit mir aushält.

Susanne Birkenstock: Für mich steht jetzt erst mal im Vordergrund,weiter an meiner Marke zu arbeiten. In fünf Jahren möchte ich mit meinen Schuhen den Fashion Award in New York gewinnen, das ist einer der wichtigsten Preise im Bereich Mode.

Amelie Fried: Klare Ansage.

Susanne Birkenstock: Ja, das ist mein Ziel.

Amelie Fried: Für mich ist das Leben immer eine große Wundertüte gewesen. Und das soll auch so bleiben.

Interview: Julia Baumgart und Franziska Wolffheim Fotos: Jörg Fokuhl BRIGITTE 16/05

Wer hier schreibt:

Franziska Wolffheim
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