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VW Jetta: Wie cool ist der denn?

In Amerika gehört er zu den Erfolgsmodellen. Bei uns hielt sich die Begeisterung für den VW Jetta in Grenzen. Das könnte sich jetzt ändern.

In Amerika hat der VW Jetta besonders viele Fans, wie BRIGITTE-Redakteurin Barbara Voigt vor Ort erlebte.

Ich weiß gar nicht mehr genau, warum wir ihn damals verkauft haben. Unser VW Jetta, Baujahr 1981, schluckte für damalige Verhältnisse nicht zu viel Sprit, die Werkstatt sah er nur bei der Inspektion, und er fuhr wie eine Eins. Ihm fehlte allerdings ein unverwechselbares Design, denn er war - wenig originell - im Grunde eine Modell-Variante des Golf. Einziger Unterschied: Stufen- statt Schrägheck, also auch ein veritabler Kofferraum. "Golf mit Rucksack", unkten deshalb viele, wahlweise "Spießer-" oder "Rentner-Auto" (sind wir ihm vielleicht deshalb untreu geworden?) oder auch "Liegenbleiber" angesichts der schleppenden Absatzzahlen.

Ganz anders in den USA. Vor allem die Youngster finden den "Dschedda" ausgesprochen cool: der VW Jetta als Kultauto, das zwischen New York und San Francisco jedes Jahr über 100 000- mal verkauft wird und dort als erfolgreichste Limousine aller europäischen Hersteller punktet.

Bei so vielen Fans machte es durchaus Sinn, dass Volkswagen mit der Auslieferung des neuen VW Jetta in Amerika begann, wo die Wolfsburger ihren Absatz bis zum Jahr 2018 verdreifachen wollen. "The right car at the right time", wie der dortige VW-Marketing-Chef Tim Ellis meinte.

In sechster Generation rollt die Kompaktlimousine noch dynamischer und nachhaltiger an als ihre Vorgänger. Vor allem die Europa- Version des VW Jetta ist ganz gezielt in Richtung Umwelt unterwegs - mit der VW-eigenen BlueMotion- Technology (u. a. Start-Stop-Automatik, rollwiderstandsarme Reifen und Rekuperation, also Bremskraft-Rückgewinnung). Damit verbraucht der 105-PS-Diesel im Schnitt gerade 4,2 Liter.

Technisch ist die Verwandtschaft zum Wolfsburger Top-Seller weiterhin unverkennbar - bis hin zum übersichtlich gestalteten Cockpit, das neben dem Kombi-Instrument aus Drehzahlmesser, Bordcomputer und Tacho über erfreulich wenige Schalter und Regler verfügt.

Rein äußerlich hat sich der VW Jetta dagegen endgültig emanzipiert: Die Karosserie wurde völlig neu konzipiert als eigenständiger, sportlich-komfortabler Lückenschluss zwischen VW Golf und VW Passat. Obwohl der Newcomer inzwischen etwa 40 Zentimeter länger und 17 Zentimeter breiter ist als die erste Generation, gibt er sich auch mit Automatikgetriebe ausgesprochen spurtfreudig. Noch lieber bin ich allerdings mit der knackig-präzisen Handschaltung unterwegs gewesen, auch wenn da der Motor bei höheren Drehzahlen schon ziemlich heftig dröhnt.

Verglichen mit unserem VW Jetta-Oldie fühlt er sich außerdem um Klassen sicherer an. Stabilitätsprogramm ESP, Rundumversorgung mit Airbags, Crash-optimierte Kopfstützen – damals alles Zukunftsträume, heute alles Serie.

In den steilen Straßen von San Francisco bremst der VW Jetta mit Nachdruck, aber trotzdem butterweich, und die sensible Lenkung besteht ihren Härtetest auf einer kurvenreichen Strecke in Richtung Silicon Valley zur VW-Ideenschmiede für die automobile Zukunft, dem Electronics Research Laboratory.

Für mich der absolute Innovations-Hit: Ein VW Passat Variant, in dem niemand sitzt, sucht sich - wie von Geisterhand gelenkt - inmitten vieler Autos einen freien Parkplatz. Per Handy-Signal kommt er zurück an den Ausgangspunkt. Das soll sogar im Parkhaus funktionieren, ist aber leider noch nicht serienreif. Hey, liebe Jetta-Entwickler, wie seht ihr das denn? Zehnte Generation vielleicht?

INFO: Den VW Jetta gibt es in Europa mit vier Benzin- und zwei Dieselmotoren, die zwischen 105 und 200 PS stark sind. Er wird bis zu 238 Stundenkilometer schnell und verbraucht als Benziner ab 5,3 l/100 km (CO2: 123 g/km). Basispreis: ab 21 200 Euro.

Text: Barbara Voigt

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