Crans Montana: Skifahren in der Schweiz

Es war ihre erste Gruppenreise, und es ging in die Schweiz. Skifahren, Party, Fondue, Massage... Alles prima, fand BRIGITTE-Mitarbeiterin Tinka Dippel. Na ja - fast alles.

Der Morgen versteckt sich noch hinter den Bergen, aber der Schnee leuchtet uns den Weg. Immer bergauf, die Piste hoch, zwei Stunden lang. In unseren Rucksäcken stecken Skischuhe und Kurzskier für die Abfahrt zum Hotel - später. Jetzt wollen wir zur Ski-Bar oberhalb von Crans Montana, und wir wollen da sein, bevor die Sonne aufgeht. Unsere Schneeschuhe kratzen in den Rillen, die die Pistenraupe hinterlassen hat. Ein schwaches, bläuliches Licht kriecht über die Berge. Kurz vor der Mittelstation wird es hell - die Sonne war doch schneller. Als wir uns um sieben in die Liegestühle fallen lassen, steht sie schon über der Spitze des Matterhorn und der Kuppel des Mont Blanc.

Wenn es nicht so kalt wäre so früh am Morgen, würde ich einfach sitzen bleiben und den Liegestuhl nicht mehr hergeben. Meine Beine sind nach dem Aufstieg eigentlich zu müde für eine Abfahrt mit schnellen Kurzskiern. Und nach allem, was sie sonst so geleistet haben in den letzten Tagen - jeden Morgen Skikurs, nächtliche Wanderungen, auf Tüten die Piste runterrutschen, die erste Langlauftour meines Lebens.

Und gestern Abend die Fackelwanderung, mit 30 Leuten bis zu einer Hütte, wo das Käsefondue schon in den Töpfen blubberte. Wir saßen an langen Tischen, in denselben Gruppen wie sonst im Speisesaal unseres Hotels. Neben mir Immo, braun gebrannt, gut gelaunt, frisch von der Massage. Gegenüber Eva vor einem Schnitzel, die Hilde erklärte, wie ungesund Käsefondue ist. Ich hab kurz "Typisch Eva" gedacht und mich dann über mich selbst gewundert, weil ich sie vor drei Tagen zum ersten Mal gesehen habe.

90 Leute sind wir insgesamt, Durchschnittsalter Mitte 30, viele Akademiker. Familien sind dabei, Ehepaare, Cliquen und einige, die allein reisen. Linda und Dörthe zum Beispiel. Am Tag, an dem wir alle auf einmal hier ankommen, stehen sie neben mir an der Rezeption und warten auf die Ausgabe der Leihskier. Sie albern herum wie gute Freundinnen. Sie kennen sich seit ihrer gemeinsamen Anreise im Bus vor ein paar Stunden. Das Kennenlernen passiert hier im Zeitraffer.

Unser Hotel ist ein lang gezogenes Gebäude am Ende einer Auffahrtstraße am Rand des Ortsteils Crans. Das ehemalige Sanatorium ist 1994 renoviert worden. Gemütliche Zimmer, Speisesaal, Gemeinschaftsraum, Bar und Wellnessbereich - eine kleine, autarke Welt, durch eine Gondel hinter dem Haus verbunden mit 140 Kilometern Skipiste, 13 Hütten, fünf anderen Gondeln und 27 Liften.

  Zum Carven braucht man eine stabile Seitenlage.

Zum Carven braucht man eine stabile Seitenlage.

  Lieblingsplatz: Dachterrasse des "Hotel Carlton".

Lieblingsplatz: Dachterrasse des "Hotel Carlton".

  Tut immer gut:  Ein Saunagang oder eine Massage.

Tut immer gut: Ein Saunagang oder eine Massage.

  Lecker: Käsefondue in einer Hütte.

Lecker: Käsefondue in einer Hütte.

In der Ferne sehen wir den Genfer See glitzern. Und unter uns, umgeben von Felsspitzen, den Gletscher Plaine Morte, ein makelloses weißes Feld, durch das sich eine Rundloipe zieht. So eine unberührte Schneefläche hab ich noch nie gesehen. Und kaum ein Mensch ist dort unterwegs.

Wenn die Sonne weg ist, können wir gerade noch duschen, dann gibt es im Speisesaal ein Viergängemenü. Und danach treffen sich alle, die noch nicht zu müde sind, in der Bar. Ich bin über mich selbst erstaunt, wie schnell ich diesen Ablauf verinnerlicht habe. Eigentlich gebe ich die Planung meiner Freizeit nicht gern ab, hier stelle ich fest, dass das extrem erholsam sein kann.

Meine Gedanken hangeln sich nur noch von einem Tagesordnungspunkt zum nächsten. Abends trage ich in eine Liste ein, was ich am nächsten Tag essen möchte. Lachsfilet mit Kartoffeln oder Gemüseauflauf? Pasta mit oder ohne Fleisch? Und dann warte ich wie alle auf das Team, um mir einen Überblick über das Programm der nächsten 24 Stunden zu machen. Rund 20 Leute - so genannte "Teamer" - sind dafür zuständig, dass wir Spaß haben und uns wohl fühlen. Und an einem Abend ganz und gar bescheuert. Linda sitzt mit gequältem Gesicht an der Bar und sieht aus wie ein missglückter Asterix. In ihr Stirnband hat sie an beiden Seiten Lederhandschuhe gesteckt. Niko klopft ihr aufmunternd auf die Schulter. Sein Kopf wird unter einer dicken Fellmütze mit Ohrenklappen immer röter. Heute ist Crazy-Head-Party...

Tanja und Zenzi hinter der Bar, die ihre kurzen Haare mit tubenweise Gel zu Teufelshörnchen aufgestellt haben, tanzen zu der Mix-CD, die hier jeden Abend Lieder von Wir sind Helden, Sportsfreunde Stiller und Depeche Mode abspielt und für mich langsam zum Soundtrack dieser Woche wird. Lindas Laune bessert sich zusehends, weil ihr Kopfschmuck zwischen Lampenschirmen, Eimern und verknoteten Luftballons doch gar nicht so doof aussieht. Und ich fühle mich immer mehr als Spielverderber, weil ich eine der wenigen bin, die nichts auf dem Kopf haben. Noch nicht. Die Teamer gucken vorwurfsvoll. Dann kommen sie im Pulk auf mich zu, zwei halten meine Arme fest, während der dritte einen aufblasbaren grünen Plastikfrosch auf meinem Kopf festbindet.

Es ist dann doch noch ein ganz netter Abend geworden.

Reise-Infos Skifahren in der Schweiz

Jede Menge Wintersport und dazu ein Rahmenprogramm, an dem jeder teilnehmen kann, aber nicht muss - das ist das grobe Konzept der meisten Anbieter von Ski-Gruppenreisen. Wir haben die vorgestellte Reise mit Frosch Sportreisen gemacht.

In den Clubs kümmert sich ein Team, das Frosch selbst ausbildet, um das Programm, um Skikurse und Führungen durch das Skigebiet. Außerdem gibt es Unterkünfte wie Skihütten, Hotels, Gasthöfe oder Chalets. Die Wintersport-Gebiete liegen in der Schweiz, Frankreich, Italien, Österreich, Schweden und Norwegen. Preisbeispiel: eine Woche im Sportklub inklusive HP und Skipass ab 369 Euro. Frosch Sportreisen, Gasselstiege 24, 48159 Münster, Tel. 0251/9278810, Fax 9278850, www.frosch-sportreisen.de.

  Gleiten durch eine weiße Landschaft wie aus Zuckerguss: die Langlaufloipe durch den Gletscher Plaine Morte

Gleiten durch eine weiße Landschaft wie aus Zuckerguss: die Langlaufloipe durch den Gletscher Plaine Morte

Ähnliche Reisen:

team3reisen (41066 Mönchengladbach, Tel. 02161/926616, Fax 9266123, www.team3reisen.de) oder E+P Reisen und Events (50676 Köln, Tel. 0221/ 2722760, Fax 27227610, www.ep-reisen.de). Die Vagabunden: Winterreisen nach Skandinavien, v.a. Norwegen. Hütten und Anlagen, direkt an den Langlauf-Loipen. Kleine Gruppen. Gäste müssen bei manchen Touren selbst mit anpacken (z.B. kochen, Wasserlöcher freihalten). (20357 Hamburg, Tel. 040/437528, Fax 040/ 43251755, www.die-vagabunden.de). SportScheck-Reisen: Großes Angebot von Party-Trips bis Luxus-Touren. Reiseziele in Frankreich, Österreich, Italien, der Schweiz, Kanada und den USA. Spezielle Reiseangebote für Jugendliche bis 21 Jahre. Skikurse sowie Ski- und Snowboard-Safaris (Ausflüge in täglich wechselnde Skigebiete von einer festen Unterkunft). (80331 München, Tel. 089/21661253, Fax 21661257, http://ski.sportscheck-reisen.de). ProRider Reisen: Ski-Safaris in Kanada, Ski- und Snowboardreisen nach Frankreich, Österreich, Italien und in die Schweiz. Konzeptreisen z.B. für über 30-Jährige mit Salsa-Kursen oder Wellness. (44629 Herne, Tel. 0700/77674337, Fax 02323/985393, www.prorider.de). Vamos Eltern-Kind-Reisen: Familientaugliche Hotels in Deutschland, Italien, Liechtenstein, der Schweiz und Österreich. Skikurse und -pässe sind separat vor Ort zu organisieren. Rahmenprogramm (z.B. Kinderclubs, Wellness oder Schneeschuhwandern) abhängig von Hotel und Urlaubsort. (30161 Hannover, Tel. 0511/4007990, Fax 40079999, www.vamos-reisen.de).

Fotos: Bethel Fath; Stand: Oktober 2009

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