Kurzreisen in Europa: Den Sommer verlängern

Jetzt nochmal bei einer Kurzreise in Europa ein bisschen Wärme tanken! Und auf Sizilien das Nichtstun lernen, über den Lago Maggiore tuckern oder in Barcelona Schnäppchen jagen ...

Sizilien: Zwischen alten Gemäuern das Nichtstun lernen

Filmreif: die alte Tunfischfangstelle von Scopello

Drei Straßen, eine mittelalterliche Innenhof-Piazza, eine Bar, ein Bäcker und ein paar Pensionen. Dazu ein großartiger Blick über den Golf von Castellammare - mehr gibt es in Scopello nicht. Und mehr braucht man auch nicht für erholsame Tage auf Sizilien. In dem 80-Einwohner-Dorf im Nordwesten wohnt die Gelassenheit. Ein Hund gähnt unter einem Oleanderstrauch, zwei Nachbarinnen unterhalten sich von Fenster zu Fenster, alte Signori sitzen auf Klappstühlen vorm Haus, betrachten die Besucher. Scopello ist Ausgangsstation für Wanderungen im Naturreservat Zingaro - an der Felsküste geht man auf schmalen Höhenwegen und lugt zwischen Palmen, Kakteen und Büschen auf Badebuchten. Unterhalb des Ortes liegt eine historische Tunfi schfangstelle mit einem ver witterten Palazzo, der oft als Filmkulisse dient. Hier drehten Brad Pitt und George Clooney für "Oceans Twelve", was die Signori aber auch nicht von den Klappstühlen riss. Wo die Menschen so unaufgeregt sind, hat Stress keine Chance.

Judith Liere

Übernachten

Pensione Tranchina. Einfache Zimmer mit Bad, teils mit Balkon und Meerblick. Zum Frühstück Feigenmarmelade und Käse, abends sizilianische Hausmannskost, danach knistert das Feuer im Kamin. DZ/F ab 72 Euro (Via A. Diaz, 7, I-91014 Scopello, Tel. 00 39/09 24 54/10 99, www.pensionetranchina.com).

Lago Maggiore: Seeblick und Grandezza

Prächtig: der Palazzo Borromeo auf der Isola Bella

Wenn die Urlauber wieder zuhause sind, ist es Zeit für uns, an den Lago Maggiore zu reisen. An der Seepromenade sonnen wir uns in den noch kräftigen Strahlen und bewundern den schneebedeckten Gipfel des über 4600 Meter hohen Monte Rosa.

Sogar eine Dampferfahrt geht noch, am besten von Stresa auf die autofreie Fischerinsel Isola Superiore dei Pescatori, wo man durch ein überschaubares Dorf schlendern und sich auf einen Cappuccino ins Freie setzen kann. Auf geschliffene Eleganz achten dagegen berühmte Orte am schweizerischen Westufer. Flaniert man zum Beispiel über die Uferpromenade von Ascona, träumt man sich leicht in eines der Segelboote auf dem blaugrün schimmernden See oder in eine der alten Villen.

Annette Rübesamen

  • Übernachten
  • Albergo Pironi. Palazzo mit Fresken an den Wänden und Gewölbedecken, kleine Zimmer im Landhausstil. DZ/F ab 150 Euro (I-28822 Canobbio, Via Marconi 35, Tel. 00 39/03 23/706 24, www.pironihotel.it).
  • Genießen
  • Osteria dell'Angolo. Pasta und Fisch, bei gutem Wetter unter der Pergola im Vorgarten (Verbania, Ortsteil Pallanza, Piazza Garibaldi 35, Tel. 00 39/03 23/55 63 62).

Madeira: Farbe bekommen

Zum Staunen: die Blumeninsel im Blütenrausch

Es zergeht im Mund wie Eiscreme und schmeckt nach wilden, sonnensüßen Erdbeeren - wer das Fleisch einer Cherimoya lutscht, spürt den Sommer auf der Zunge. Dabei wird die Frucht auf Madeira im Winter geerntet. Aber was heißt schon Winter auf der Atlantikinsel, die näher an Marokko als an Portugal liegt und in ihrem Süden subtropisches Klima hat? Hier gehen der Natur nie die Farben aus. An die Küste malen Levkoje und Prächtiger Natternkopf violette Tupfer, im Gebirge trägt Ginster leuchtendes Gelb auf, kräftiges Rot pinseln Hibiskus und Azaleen, zartes Blau und Rosa die Hortensien. Wir sehen und riechen sie auf Spaziergängen durch die Inselhauptstadt Funchal und auf Wanderungen, etwa entlang der Levada do Norte, die an Privatgärten vorbei und durch Wälder führt. Noch intensiver schnuppern wir die Luft im "Jardim Botânico" oberhalb Funchals, wo wir auf einer Parkbank wie im Amphitheater sitzen. Weiches Licht, eine Bühne aus Blumen und Büschen, metallicblau schillerndes Meer als Kulisse. Palmblätter fächeln warme Luft, Vögel singen. Nichts, was uns jetzt von diesem Logenplatz weglocken könnte.

Doris Ehrhardt

  • Übernachten
  • Casa do Papagaio Verde. So privat wie die Umgebung, ein Wohngebiet im Westen Funchals, ist auch das Hotel. Modernes Haus, sonnig, Terrasse mit Meerblick. DZ/F ab 60 Euro (9000-656 Funchal, Travessa do Papagaio Verde, 31, Tel. 003 51/291/77 59 00, www.casadopapagaio.com).
  • Genießen
  • Armazém do Sal. Portugiesische und argentinische Küche in 400 Jahre altem Gemäuer mit Ritter-Ambiente. Gute Weinauswahl, Hafennähe (Funchal, Rua da Alfandega, 135, Tel. 003 51/291/24 12 85,
  • www.armazemdosal.com).

Nizza: Die Steigerung von Savoir-Vivre

Bummeln: über den Blumenmarkt in der Altstadt

Im Hotelzimmer reiße ich mir die Stiefel von den Füßen, schlüpfe in meine Sneakers und laufe nach unten. Raus! Ins mediterrane Licht, in die Farben, die Sonne, das Leben! Farben, das sind in Nizza: taubenblaue Fensterläden an safrangelben Fassaden, Smaragdgrün an Ocker und Orangencreme. Ich lasse den Bahnhof hinter mir, mäandere durch heitere, mondäne Straßen zu den Arkaden der Place Masséna, schließlich stöbere ich durchs Gassenlabyrinth der Altstadt. Bis sich der Markt Cours Saleya mit seinen Blumen und Köstlichkeiten vor mir öffnet. Ich kaufe schwarze Oliven unter einer rot gestreiften Markise, dann geht's die Stufen hoch zum Burgberg, in den Parc du Château über den Dächern von Nizza. Tief unter mir trägt das glitzernd blaue Meer weiße Segel, ich will die Arme öffnen und fliegen. Unter der Palme im Gras ist's dann aber auch schön, ich stecke mir Oliven in den Mund, atme Zypressenduft: Adieu, Sommer, bis zum nächsten Jahr!

Susanne Arndt

  • Übernachten
  • Hotel Durante. Hübsche und ruhige Zimmer rund
  • um einen gepfl egten Innenhof voller Palmen, Zitronen, Orangen, Oliven
  • und Strelitzien. Beim Bahnhof. DZ ab 95 Euro (16 Avenue Durante,
  • Tel. 00 33/493/88 84 40, Fax 87 77 76, www.booking.com/hotel/fr/durante-nice.de.html).

Algarve: Wo der Wind Pause macht

Romantisch: Die Maurenstadt Tavira liegt am Fluss Gilão

So viele Störche! Ihr Geklapper hallt über die kalkweißen, verschachtelten Würfelhäuser von Olhaõ, über flache Dächer mit Schornsteinen wie Mini-Minarette, durch ein Netz enger Gassen. In den Straßencafés sitzen Fischer und Hausfrauen, Schüler und Geschäftsleute. Auch wir haben unsere Jacken ausgezogen und die Sonnenbrille aufgesetzt. Und das nach nur zweieinhalb Stunden Flug! Der östliche Teil der Algarve, der sich von Faro aus bis zur spanischen Grenze erstreckt, nennt sich Sotavento. Übersetzt: Wo der Wind eine Pause macht. Die Urgewalten toben sich hier weniger aus als im Westen der Algarve mit seinen spektakulären Steilküsten. Hier ist die Küste flach, eine zerfließende Linie mit Salzmarschen, Lagunen, Prielen, Dünen, langen Sandstränden und vorgelagerten Inseln. In einem geschützten Haff staksen Wattvögel, flattern Königsfischer vorbei. Kein Rummel, wenig verbaut. Und romantisch, wenn in der eleganten Maurenstadt Tavira die Abendsonne die stuckverzierten Patrizierhäuser im trägen Fluss erglühen lässt.

Nicole Schmidt

  • Übernachten
  • Vila Monte Resort. Das ehemalige Landgut mit alten Bäumen versteckt sich in den Hügeln des Sotavento-Naturparks nahe Olhaõ. 55 elegante Zimmer in Gästehäusern. Spa, drei Pools, gutes Restaurant, Golfakademie mit Drei-Loch-Platz. Eine Woche im DZ/F ab 660 Euro, inkl. Golfplatz-Nutzung (Sitio de Calios, Moncarapacho, Tel. 003 51/289 79 07 90, www.vilamonte.de).

Santorini: Das Einmal-im-Leben-Panorama

Ist das etwa ... ? Nein! Bloß kein Schnee! Auch wenn es aus der Ferne so aussieht, während die Fähre Santorin ansteuert: Die Puderzuckerhaube oben auf der Insel - das sind Santorins Häuser. Kleine, kubistische Quader, strahlend weiß, frisch getüncht für die ersten Touristen des Jahres, in zwei großen Ballen, einer rechts, einer links: die beiden Städtchen der Insel. Fira ist die größere. Nach Oia wollen wir. Ins Hotel "Chelidonia". Auf unsere Terrasse. Es gibt nicht allzu viele Orte auf der Welt, die in der Realität noch schöner sind als auf den Postkarten. Santorin schafft das. Und deshalb wirkt die Insel schon in kleinsten Dosen. Mal abgesehen davon, dass jetzt in Oia bis auf den Bäcker und den Lebensmittelladen alle Geschäfte geschlossen sind, fällt es dem Gast im "Chelidonia" unglaublich schwer, seine Terrasse zu verlassen - und damit dieses Einmal-im-Leben-Panorama, steil hinunter ins Meer und bis hinaus in alle Ewigkeit. Man sitzt, trinkt einen Kaffee, trinkt ein Wasser, trinkt einen Wein, sitzt und sieht zu, wie die Zeit vorübergeht. Und spürt, wie irgendetwas im Magen, etwas kleines, silbriges, einen Glückssalto schlägt.

Stefan Nink

  • Übernachten
  • Chelidonia. Apartmenthotel in der Ortsmitte, zehn bezaubernde Studios mit Terrasse. Tag ab 180 Euro (Oia, Tel. 00 30/ 228 60/712 87, Fax 716 49, www.chelidonia.com).
  • Genießen
  • Skala. Urgriechische Taverne mit rustikalen Speisen (Oia, Odos Nikolaos Nomikos).

Barcelona: Shopping im Schlussverkauf

Elegant: die Gassen der Stadt

Es ist noch warm genug, um im Straßencafé die Jacke über den Stuhl zu hängen, in die Sonne zu blinzeln und Flaneuren hinterherzuschauen. Dafür gibt es in Barcelona keinen besseren Platz als zwischen den Bäumen und Buden am Boulevard Les Rambles. Jetzt gehört die Stadt den Einheimischen, jetzt kann man als Fremde so tun, als zähle man dazu.

Und dann rein ins Gewühl um die Einkaufsstraße Passeig de Gràcia! An jeder Ecke gibt es Filialen der spanischen Marken Zara, Mango, Women's Secret und der Schuhkette Vogue. Einen Abstecher in den Kaufhaus-Koloss El Corte Inglés an der Plaça de Catalunya könnte man sich schenken, wäre der Blick von der Dachterrasse nicht grandios. In der Jugendstil-Markthalle "Boqueria" ist es leider vorbei mit dem Gefühl, (ein)heimisch zu sein: Nur wer in Barcelona wohnt, kann aus dem riesigen Angebot von Aubergine bis Zander zu Hause etwas kochen. Unsereiner kauft Schinken und Käse - und lässt alles reisetauglich verpacken.

Anke Scheer

  • Unterkommen
  • Hotel Cram. Unaufdringlich designte Zimmer, große Betten. DZ ab 114 Euro (Carrer D'Aribau 54, im Viertel Eixamp le, 08011 Barcelona, Tel. 00 34/93/216 77 00, Fax 216 77 07, www.hotelcram.com).
  • Genießen
  • Tapa Tapa. Großes Lokal für tausend Tapas- Kleinigkeiten (z.B. Passeig de Gràcia, 44, Tel. 00 34/93/488 33 69, www.tapataparestaurant.com).

Zypern: Mal den Kulturteil anschauen

Historisch: Kirche Panagia Chrysopolitissa bei Paphos

Bananenstauden mögen keine Kälte. Um Paphos herum gedeihen sie prächtig. Umhüllen ein Städtchen ohne Hochhäuser, das scheinbar zur Hälfte aus Geschichte besteht - und deshalb auch außerhalb der Badesaison interessant ist. Da gibt es zum Beispiel einen britischen Leuchtturm über einem römischen Theater. Und antike Mosaike, die von Liebe und Wein erzählen. Ägyptische Königsgräber, in Blumenwiesen eingestreut, oder frühchristliche Säulen zwischen Palmen. Anders als viele Orte auf Zypern hält Paphos, tief im milden Westen, keinerlei Winterschlaf. Stolziert vor den Fischrestaurants am Hafen ein Pelikan auf und ab, tut er das vor Publikum, und wer in der Oberstadt seinen Mokka unter den Kuppeln des ehemaligen türkischen Hamams trinkt, der sitzt mitten unter den Einheimischen.

Klaus Bötig

  • Unterkommen
  • Hotel Dionysos Central. Relativ nahe am Meer und zentral gelegen, angenehm in der Nebensaison, sonst sehr trubelig. Schlichte Zimmer, kleiner unbeheizter Pool. DZ/F ab 62 Euro (1, Dionysos Street, 8101 Paphos, im Zentrum, Tel. 003 57/26/ 93 34 14, www.dionysoshotelpaphos.com).
  • Genießen
  • Laterna. Wirt Christos backt sein Pita-Brot selbst und ist Spezialist für Salate und Gemüse, etwa Mangold mit etwas Rührei. Folkloristisches Ambiente, offener Kamin (2, Apollonos St.).

Teneriffa: Über den Wolken

Majestätisch: der Teide, Spaniens höchster Berg

Das beste Mittel gegen eine Wolkendecke ist: sie zu durchbrechen. Und dann über den Dingen zu stehen, eine ganze Insel zu Füßen und nichts als Sonne und rot schimmernden Fels um sich herum. In der Mitte der größten Kanaren-Insel thront der Teide, ein 3718 Meter hoher Vulkan, in einer Landschaft, die nur aus Stein, Licht und Schatten besteht - so aufgeräumt und formvollendet, dass einem der Anblick der Landschaft den Kopf entrümpelt. Wer sich den Kopf komplett frei pusten lassen will, macht sich am besten auf den Weg - es gibt diverse zur Auswahl. Besonders schön und nicht voll: vom "Parador"-Hotel den steilen Pfad auf den Guajara steigen, Teneriffas zweithöchsten Berg. Vom Gipfelplateau hat man perfekte Sicht auf Teide, Wolken und das große Nichts (hoch und wieder runter in rund vier Stunden).

Tinka Dippel

Übernachten Hotel Rural El Patio. Anwesen aus dem 16. Jahrhundert, mitten in einer Bananenplantage nahe Garachico, mit Tennisplatz, Pool, Innenhof mit Pfl anzen und Sofas. DZ/F ab 84 Euro (Finca Malpaís El Guincho, ES-38450 Garachico, Teneriffa, Tel. 00 34/922/13 32 80, Fax 83 00 89, www.hotelpatio.com).

Genießen La Perla. Restaurant im Küstenort Garachico. Netter Service und gute kanarische Küche, z. B. Kaninchen oder Fisch (Mi. geschlossen; Calle XVII Julio 8).

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