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Urlaub vom Heuschnupfen

Heuschnupfen? Die Pollen fliegen und viele Allergiker haben jetzt nur einen Wunsch: verduften! Neun Tipps für Kurzreisen in Gebiete zum Aufatmen.

Schniefnase, Augenjucken, Hustenanfälle - mehr als 20 Prozent der Deutschen leiden unter Heuschnupfen. Der Frühling wird ihnen vermiest, weil ihr Immunsystem aus 24-tausendstel Millimeter kleinen Pollen zum Beispiel von Hasel, Eiche und Birke ein Riesending macht. Wer vom Blütenstaub genervt ist, möchte eigentlich nur noch eins: verduften. Am liebsten an den Nordpol oder Südpol oder in die Wüste!

Die gute Nachricht: So weit muss man gar nicht fliehen. Pollen können zwar bis zu 300 Kilometer weit und in Höhen bis zu etwa 1500 Metern fliegen, aber sie kommen zum Glück nicht überall hin. Auch in Deutschland und Umgebung gibt es Gebiete, in denen Pollen-Allergiker aufatmen. Wir haben Tipps für den Urlaub ohne Heuschnupfen gesammelt.

Helgoland: gut durchgepustet

Was auf Helgoland im Frühling blüht, juckt Pollenallergiker nicht. Klippenkohl mit harmlosen gelben Blüten sprießt büschelweise aus den roten Felsen. Überhaupt gibt es auf der Nordseeinsel im Frühjahr viel zu sehen, am besten durchs Fernglas: Seehunde, Kegelrobben und Tausende brütende Seevögel. Wer von der felsigen Hauptinsel zur Nachbarinsel, der Badedüne, rüberschippert, lernt bei Sonnenschein die Nordsee von ihrer karibikblauen Farbe kennen. Das Wasser ist im April/Mai zwar nur sechs bis acht Grad kalt, aber was soll's: Hose hochkrempeln, bis zu den Knien durch die Brandung stapfen, die Abwehrkräfte stärken, Seeluft inhalieren!

Info: Helgoland Touristik, Lung Wai 28 (im Rathaus), 27498 Helgoland, Tel. 0180 – 5643737 (0,14 Euro/Min. aus dem Festnetz), www.helgoland.de

Borkum: Fußmassage inklusive

Auf den deutschen Nordseeinseln ist man ziemlich sicher vor Heuschnupfen. Je weiter sie vom Festland entfernt liegen, umso besser, weil es der Wind vom Land schwerer hat, Pollen bis hierher zu tragen. Borkum liegt über 50 Kilometer vom ostfriesischen Festland entfernt und zählt zu den wenigen Reinluftgebieten Deutschlands: keine Industrieschadstoffe, wenig Autoverkehr, dafür jodhaltige Luft und gleichmäßiges Hochseeklima. Die himmlische Luft genießt man am allerbesten am 36 Kilometer langen Strand, der Borkum wie ein großes C umgibt. Schuhe ausziehen, barfuß durch den Sand laufen, vom Sand die Sohlen massieren lassen. Das Gesicht in den Wind halten. Ebbe und Flut beobachten. Alles fließt, nur nicht mehr die Nase.

Info: Kur- und Touristik-Service Nordseeheilbad Borkum, Georg-Schütte-Platz 5, 26757 Borkum, Tel. 04922/93 30, www.borkum.de

Sylt: Das prickelt!

Es ist vielleicht etwas übertrieben, die Luft von Sylt als "Champagnerluft" zu bezeichnen, wie es die Eigenwerbung tut. Wohltuend ist sie allerdings. Erlen- und Haselpollen verirren sich nur in verschwindend geringer Menge auf die Nordseeinsel, Birkenpollen pustet der Wind schnell woanders hin. Auf Sylt tauschen Allergiker ihren Niesreiz gegen ein Reizklima, das sich positiv auf die Atemwege auswirkt. Wer noch eins draufsetzen will, gönnt seinen angegriffenen Bronchien zusätzlich zur frischen Luft noch eine so genannte Rauminhalation mit fein zerstäubtem Meerwassern im Syltness Center. Und danach ein Glas Champagner ...

Info: Sylt Marketing, Stephanstraße 6, 25980 Westerland, Tel.: 04651/82 02 0, www.sylt.de

Eiderstedt: durchs platte Land statt flach liegen

An der Nordseeküste ist die Pollenbelastung im Frühling gering, weil der Wind meistens vom Meer weht. Gute Bedingungen herrschen zum Beispiel im Westen Schleswig-Holsteins auf der Halbinsel Eiderstedt. Wer bei seiner Ankunft noch mit seiner roten Nase dem Leuchtturm von Westerhever Konkurrenz machen kann, wird seine Beschwerden an der Küste schnell los. Frische Luft atmet man auf Strandpaziergängen (allein der Strand von St. Peter-Ording ist zwölf Kilometer lang), auf Wanderungen durchs Watt oder beim Radfahren durchs platte Land. Weiter Himmel, grüne Felder, alte Fischerhäfen, reetgedeckte Häuser. Und auf den Deichen weiße Knäuel – nein, keine zerknüllten Taschentücher: Schafe!

Info: Tourismus Zentrale Eiderstedt, Markt 26, 25826 Garding, Tel. 04862/469, www.tz-eiderstedt.de

Usedom: milder Osten

Und was ist mit der Ostseeküste? Auch gut! Das Klima weniger rau als an der Nordsee, die Brandung sanfter - was allerdings bedeutet, dass weniger Aerosole durch die Luft wirbeln. Günstige Pollen-Fluchtpunkte sind zum Beispiel die Inseln Fehmarn und Usedom, wobei für Usedom zusätzlich spricht, dass in seinen eleganten Kaiserbädern Ahlbeck, Heringsdorf und Bansin ein Hauch von Grandezza weht. Auch Zahlen lassen die Insel gut aussehen: durchschnittlich 1920 Sonnenstunden pro Jahr, 42 Kilometer Sandstrand, in Heringsdorf mit 508 Metern die längste Seebrücke Europas. Pluspunkte bietet nicht zuletzt der Pollenflugkalender: viele Nullen!

Info: Usedom Tourismus, Waldstraße 1, 17429 Seebad Bansin, Tel. 038378/477 10, www.usedom.de.

Oberjoch: reine Hochgefühle

Was hat Luft mit Eiern gemeinsam? Man kann sie klassifizieren. So kommt es, dass der bayerische Kurort Bad Hindelang damit prahlen kann, Luft der "Güteklasse 1" zu haben - bescheinigt vom Deutschen Wetterdienst. Die Eins gibt es für ganz niedrige Werte bei Feinstaub und Schadstoffen, Pollen und Schimmelpilzsporen und für null Hausstaubmilben. Besonders gut geht es Allergikern im Bad Hindelanger Ortsteil Oberjoch. Obwohl nur etwa 1180 Meter hoch, ist die Luft pollenarm; darüber hinaus gibt es allergiegerechte Unterkünfte und ein Allergie-Zentrum. Oberjoch liegt in einem Hochtal in den Allgäuer Alpen. Hier erinnern die sanft gewölbten Berge an eine grüne Steppdecke. Man wandert sachte bergauf, der Blick weitet sich, das Leben ist schön, das Herz geht auf. Statt Husten-Attacken: Anfälle von Glück.

Info: Tourist Information Oberjoch, Postfach 1152, 87539 Oberjoch, Tel. 08324/7709 www.oberjoch.info.

Mölltaler Gletscher: Pistenspaß statt Pusteblume

Wem nach dem langen Winter Schneekristalle immer noch lieber sind als mikroskopisch kleine Pollen, der kann zum Skifahren ins Hochgebirge flüchten. Frei nach dem Motto: lieber Schussfahrten genießen, als sich mit einem überschießenden Immunsystem abmühen. Im Gebiet des Mölltaler Gletschers (3120 Meter) in Kärnten sind die Pisten noch bis Mitte Mai präpariert (und dann wieder ab Ende Juni). Zum Übernachten, Essen, Chillen und so weiter empfiehlt sich Flattach (670 Meter). Vom Bergdorf ist man per Gletscherexpress in nur acht Minuten auf der Piste. Klare Höhenluft, klasse Panorama, Schnee nur, wenn man ihm entgegenfährt. Feine Sache.

Info: Tourismusbüro Flattach, 9831 Flattach 99, Österreich, Tel. 0043/4785/615, www.flattach.at

St. Moritz: größer, höher, länger

Je höher der Ort, umso niedriger die Pollenbelastung. Das ist die Faustregel, die für den Pollenfluchtpunkt "Berge" gilt, und zwar ab 1600 Meter Höhe. Also nichts wie ab in die Alpen? Wenn es doch nur so einfach wäre. Man darf die Rechnung nämlich nicht ohne die Hoteliers in den Skiorten machen: Viele schließen ihre Häuser nach Ostern. Zum Glück bleiben zum Beispiel in der Schweiz in größeren Orten wie St. Moritz (1820 Meter) auch noch im Mai Hotels, Restaurants, Museen und Kinos geöffnet. Skifahren ist auf den höheren Pisten etwa bis Ende Mai möglich. Spaziergänger drehen eine Runde um den See oder wandern durch den Stazer Wald nach Pontresina, wo sie einen super Blick auf die Gletscher und das weite Roseggtal haben. Nötiger als Augentropfen braucht man im zauberhaften Engadin: Sonnencreme und Sonnenbrille.

Info: Engadin St. Moritz, Via San Gian 30, 7500 St. Moritz, Schweiz, Tel. 0041/81/ 830 00 01, www.engadin.stmoritz.ch, www.myswitzerland.com/engadin.

Hohe Tauern: rauf und runter

Pollenflüchter mit Liebe zu den Bergen haben noch eine Option für die Zwischensaison: die Zwischenlage! Die Nachtstunden, in denen die Pollen Ruhe geben, verbringt man auf halber Höhe, den Tag weiter oben. Etwa in der Nationalpark-Region Hohe Tauern. Orte wie Matrei (1000 Meter), Virgen (1190 Meter) und Obervellach (690 Meter) sind auch im Frühling offen für Gäste. Obervellach in Kärnten ist ein netter Startpunkt für Ausflüge ins über 1700 Meter hohe Tauerntal, wo allmählich Krokusse aus den Wiesen spitzen. Oder zur Groppenstein- und Rabisch-Schlucht – hier lassen es nach der Schneeschmelze die Wasserfälle richtig krachen! Tipp: Bei Wanderungen im Nationalpark Hohe Tauern Proviant in den Rucksack packen, Hütten zum Einkehren sind jetzt so rar wie Edelweiß!

Info: Tourismusbüro Obervellach, Obervellach 21, 9821 Obervellach, Österreich, Tel. 0043/4782/2510, www.obervellach.at, www.nationalpark-ferien.at.

Urlaub nach Pollenkalender buchen

Auch wenn es starken Frühlings-Allergikern wie eine Ewigkeit vorkommt: Die schlimmste Zeit der Baum- und Sträucherblüte, die Blütenspitze, dauert nur etwa 14 Tage. Pollenflugkalender geben anhand von jährlichen Durchschnittswerten Auskunft, wo wann mit welcher Belastung zu rechnen ist:

www.pollenstiftung.de (Allgemeine Infos über Pollenallergie und regionaler Pollenflugkalender)

www.polleninfo.org (Europaweite Pollenflug-Info auf Englisch)

www.dwd.de/pollenflug (Pollenflugvorhersage für Deutschland für zwei Tage)

Text: Doris Ehrhardt; Fotos: iStockphoto.com, Fotolia.com, dpa, PR Teaserbild: Jerome Berquez/Fotolia.com

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