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Bootcamp auf Ibiza: Fitness für die Bikinifigur

Ins Bootcamp für die Fitness: Sport von früh bis spät, gnadenlose Trainer, magere Kost - so sieht Urlaub im Bootcamp auf Ibiza aus. Warum man sich das antut? Weil man am Ende topfit ist, stolz wie Bolle und ziemlich gut drauf! Ein Selbstversuch.

Lächeln funktioniert noch ganz gut: Die Muskeln im Gesicht sind die einzigen, die BRIGITTE-Mitarbeiterin Marlene Sörensen an ihrem dritten Bootcamp-Tag nicht weh tun

Der dritte Tag ist die Hölle. Ich bin in einem Bootcamp, einem Trainingslager, in dem mein Körper gedrillt werden soll. Eigentlich sind Bootcamps für Rekruten gedacht, die eine Grundausbildung bekommen. Aber ich quäle mich hier nicht fürs Vaterland, sondern mache sieben Tage militärisch hartes Training unter Anleitung von Ex-Armee-Kerlen. Am dritten Tag stehe ich vor der kurzen Treppe, die vom Schlafzimmer ins Bad führt, und weiß nicht, ob ich die zwei Stufen schaffe. Es ist 6.30 Uhr. Ich habe kaum geschlafen, alles schmerzt. Die Schultern, der Bauch, die Füße. Die Beine, die so steif sind, dass ich die Treppe schließlich nur im Seitwärtsgang bewältige, wie eine Krabbe. Ich gucke mich im Badezimmerspiegel an, verquollen, sonnenverbrannt, unfassbar erschöpft, und merke: Scheiße, ich kann nicht mal meine Arme heben, um mir einen Zopf zu binden.

Plötzlich bin ich wütend. Wütend auf meinen Körper, der schlappmacht. Auf unseren Trainer Stuart, einen Mann mit Oberarmen so massiv wie die Voralpen. Gestern hat er uns nach dem Zirkeltraining, den Intervallübungen und der Box-Einheit noch acht Kilometer lang im Marschschritt durch die Berge getrieben, Schotterpisten hoch, Schotterpisten runter - eine Strecke, die er, wie er unnötigerweise anmerkte, lieber joggt. Ich bin wütend, dass ich gleich meine verschwitzte Hose anziehen muss, um ohne Frühstück einen Strandlauf zu absolvieren. Ich bin wütend auf mich, weil ich mir das selbst eingebrockt habe. Urlaub im Bootcamp, im gnadenlosen Trainingslager. Wie kam ich bloß auf so etwas? Ich hatte ein Vierteljahr an einem anstrengenden Projekt mitgearbeitet und nur am Schreibtisch gesessen. Zu viel Schokolade, fünf Kilo zugenommen. Mein Vorsatz, wieder häufiger Sport zu machen, blieb ein Vorsatz.

Ich war überarbeitet, antriebslos, aber wollte wieder in meinen Lieblingsbikini passen. Früher war ich doch auch mal ganz fit. Ich brauchte bloß einen Kickstart. Ein Bootcamp kam mir vielversprechend radikal vor. Nur welches? Es gibt eine ganze Maschinerie davon, besonders in England scheint man damit eine Marktlücke entdeckt zu haben (nein, kein Urteil darüber, was das über die Engländer aussagt). Es gibt Bootcamps für Bräute. Für die Bikinisaison. Nur für Frauen. Bootcamps am kalten Nordseestrand. Ich klicke mich durch Bildgalerien, in denen Menschen durch Matsch robben und Autoreifen auf den Schultern schleppen.

Klar, Bootcamp-Urlauber sind auch mal am Strand und im Pool. . . An der Playa de Benirràs boxt sich unsere Autorin Marlene Sörensen (im weißen Top) mit Sport-Partnerin Justine durchs Trainingsprogramm; später geht's ins Wasser - zum Bauchmuskel-Stählen

Ich entscheide, dass ich mich in einem warmen Klima und auf einer schönen Insel sicher lieber für meine Bikinifigur schinden werde, und buche das selbstbewusst benannte "No. 1 Bootcamp" auf Ibiza. In meiner Vorstellung werden dort außer mir nur Fitnessfreaks in atmungsaktiver Freizeitkleidung sein, die viermal pro Woche zum Cardiotraining rennen und an den anderen Tagen für einen Marathonlauf trainieren. Auf dem Fragebogen des Bootcamps schreibe ich unter Sportart zaghaft "regelmäßig Pilates". Lächerlich. Und nebenbei gelogen. Meine Angst ist unbegründet. Die Truppe ist sogar beruhigend gewöhnlich: sieben Frauen und zwei Männer zwischen Mitte 20 und Anfang 60. Die meisten Frauen wollen ein paar Kilo loswerden. Rob, Pensionär, hat Lust, "mal was Neues" auszuprobieren.

Nick, ein gestresster TV Moderator aus London, sagt: "Ich könnte mich auch eine Woche auf den Malediven unter die Palmen hauen. Aber da kann ich nicht abschalten." Keiner von ihnen ist unsportlich, aber es sind auch keine Profis dabei. Bis auf Justine, die einen Personal Trainer hat und Oberarme, die es beweisen. Ich werde in einem Mehrbettzimmer mit Susie, einer lustigen PR-Frau, und Karen, der Managerin des Camps, einquartiert. Klingt nach Jugendherberge, erinnert aber eher an ein Boutique-Hotel. Die Villa im Norden ist groß, schön, hat einen Pool und ist drei Minuten vom Strand von Benirràs entfernt. Nicht, dass wir den Strand genießen werden. Ich darf gar nicht dran denken, was ich auf Ibiza Schönes erleben könnte, wenn ich hier nicht von früh bis spät jeden einzelnen Muskel trainieren würde.

Wer gerade nichts zu tun hat, lungert auf der Hotelterrasse rum. Und kommt auf seltsame Gedanken: Wollen wir freiwillig Wasserball spielen? Au ja!

Tag 1: Appell um 7.30 Uhr. Stuart (sieben Jahre Royal Air Force; sein Motto: "Do or Die") sagt, wer je zu spät kommt, rennt 300 Treppenstufen hoch und runter. Vor dem Frühstück machen wir den Fitness-Test, einen Geländelauf, der mit den 300 Stufen endet. Ich beschließe, nie zu spät zu kommen. Schon ziemlich aus der Puste, geht es gleich weiter mit Boxen, meine Box-Partnerin für den Rest der Woche wird Justine sein, die Frau mit einem Bizeps wie Gwyneth Paltrow. Na toll. Auf das anschließende Zirkeltraining folgt dann ein flotter 13-Kilometer- Marsch. Ich frage Stuart, ob denn eigentlich jeder Tag so verlaufen wird. "Nö", meint er, "das Programm heute war ja nur zum Aufwärmen."

Die Aussicht auf die Bucht von Benirràs genießen? Nichts da! Trainer Stuart scheucht seine Fitness-Untertanen die steile Auffahrt zur Hotel-Villa hoch. Sieben Mal! Schnell! Das Workout in Rückenlage ist auch knackig – aber zumindest kann man sich dabei kurz mal ablegen

Am nächsten Abend bin ich dermaßen erschossen, dass ich nicht genau sagen könnte, in welcher Reihenfolge wir gequält wurden. Wir sind gerannt, gewandert, haben Gewichte gehoben und Situps im Pool gemacht. Waden auf dem Beckenrand, Oberkörper im Wasser, dann hochstemmen und dabei möglichst versuchen, nicht zu ertrinken. Alles zusammen sieben Stunden lang. Und alle haben durchgehalten. Verónica, die eine Knieverletzung hat, aber boxt wie eine Weltmeisterin. Rob, der beim Intervalltraining eine Gesichtsfarbe kriegt wie ein gekochter Hummer, und trotzdem bis zur letzten Liegestütze mitmacht. Nick, der uns jeden Abend beim Essen mit seinen Trinkgeschichten zum Grölen bringt - extra Bauchmuskeltraining! - und bei den Übungen dennoch brutal ernst ist. Ihnen geht es genauso dreckig wie mir. Wir kennen einander nicht, aber der Schmerz verbindet. Der unausgesprochene Pakt: Wir stehen das gemeinsam durch.

Es mag lächerlich klingen, aber es ermutigt mich wirklich, wenn Justine mich nach jeder Übung abklatscht. Es wirkt allerdings auch, dass Stuart und sein Co-Trainer Ashley gnadenlos auf uns einbrüllen: "Schmerz ist gut! Konzentriert euch auf den Schmerz! Reißt euch zusammen! Gebt alles!" Ich stelle mir vor, dass Truppen so auf eine Invasion vorbereitet werden. Die Tage sind präzise durchgetaktet, Ruhe gibt es nicht. Am Dienstag, dem Tag, an dem ich kaum aus dem Bett komme, laufe ich nachmittags schon wieder den nächsten Berg hoch, weit vor den anderen. Nicht, weil ich sie schlagen will. Sondern mich. Ich bin allein, ich höre nichts außer meinem eigenen Atem und spüre jeden Meter in meinen Waden.

Mein Körper läuft auf Automatik, der Kopf ist im Leerlauf. Zum ersten Mal seit Langem denke ich nicht an Mails oder Abgaben oder die nächste Umsatzsteuer- Voranmeldung, nur daran, einen Fuß vor den nächsten zu setzen, bis zur Biegung, bis über den Berg, bis zum Ende. Die Wut vom Morgen ist weg. Ich bin auf einmal seltsam entspannt. Es ist eine Erleichterung, keine Entscheidungen treffen zu müssen, nicht mal darüber, was ich esse. Karen kocht, und zwar so gut, dass ich Fett und Zucker kein Mal vermisse. Ich esse trotzdem sogar die Petersilie, die als Dekoration auf dem Omelett liegt. Als wir drei Stücke Banane mit Magerjoghurt zum Snack bekommen, sagt Penny sehr ernst: "Ich weiß nicht, wann ich je nur eine halbe Banane gegessen habe." Dann kichern wir hysterisch. nde der Woche wird überhaupt einiges komisch. Heute nur fünf Kilometer wandern? Selten so gelacht!

Der Motivationsspruch des Tages ist "Das Einzige, das im Leben je Erfolg damit hatte, auf dem Arsch zu sitzen, ist ein Huhn." Köstlich! Der Unsinn geht so weit, dass einige von uns unbedingt Wasserball spielen wollen. Wir müssen bekloppt sein. Oder in besserer Form. Ich sehe, wie die Muskeln in meinen Beinen stärker werden, die Arme fester, meine Taille kleiner. Erstaunlicherweise ist es mir piepegal, wie ich aussehe. An meine Bikinifigur habe ich vor dieser Woche gedacht. Jetzt denke ich: Hammer, ich bin beim Geländelauf anderthalb Minuten schneller als vor sechs Tagen. Okay, es fühlt sich nicht übel an, vier Kilo leichter zu sein und plötzlich Bauchmuskeln zu haben.

Das Tolle an so einem Beintraining: Während sich die Schuhe mit Sand füllen, wird der Kopf angenehm leer

Stolz macht mich, dass ich weiß, was ich dafür getan habe. Ich kann mehr, als ich mir je zugetraut hätte. Ich kann zum Beispiel siebenmal hintereinander eine Auffahrt mit 30 Prozent Steigung hochsprinten, obwohl mir dabei zum Heulen ist. Und danach freiwillig zwei Kilometer schwimmen, obwohl ich Schwimmen hasse. Bin das wirklich ich? So hartnäckig? Zwei Tage, nachdem ich wieder zu Hause bin, kommt eine Mail von Susie: "Ich biete jedem im Büro an, Erledigungen zu machen, Treppe hoch, Treppe runter, den Flur entlang. Ich weiß nicht mehr, wie man liest oder schreibt, ich weiß nur noch, wie man Müsli isst. Irgendwann werde ich vermutlich wieder normal. Sehen wir uns nächstes Jahr im Bootcamp wieder?"

REISE-INFO: Schwitzen auf Ibiza

NO. 1 BOOTCAMP. Der englische Veranstalter organisiert Bootcamps auf Ibiza, in Marbella und Norfolk (England), auch für verschiedene Leistungsklassen, z-B. das „Elite“-Bootcamp für trainierte Sportler. Eine Woche im Ibiza-Bootcamp in der Nähe des Strands von Benirràs (Villa 39, Cala de Benirràs) kostet inkl. Verpflegung ca. 1545 Euro (Tel. 0044/207/625 43 07, www.no1bootcamp.com).

Fotos: Sabine Braun; ein Artikel aus BRIGITTE 10/12

Kommentare (1)

Kommentare (1)

  • Anonymer User
    Anonymer User
    Ich suche nach einem bootcamp für minderjährige, wo finde ich sowas ?

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