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Wo Thailand noch Geheimtipp ist

Thailands südlichste Insel ist ein Geheimtipp: Noch vor 100 Jahren gehörte Ko Lipe weitgehend den Krokodilen. Heute lebt dort ein Völkchen aus Seenomaden, Ladyboys und Paradiesvögeln.

Türkisfarbenes Meer, feinster hellgelber Sand, alles wie gemalt.

Wer nach Ko Lipe will, bekommt nasse Füße, so viel steht fest. Knapp 150 Meter vor dem Hauptstrand Pattaya Beach muss man umsteigen, vom Fährboot auf ein schmales Longtail-Boot, das einen fast bis an den Strand bringt. Aber nur fast, der Erstkontakt mit Ko Lipe ist ein Sprung ins warme, hüfttiefe Wasser. Und dann steht man da, die Sonne im Rücken, man sieht diesen Strand, der ein Traum ist, mit türkisfarbenem Wasser und feinstem hellgelbem Sand, alles wie gemalt. Man hat das Rauschen des Meeres und das des Windes in den Palmen im Ohr, dazu Fetzen von träger Chill-out-Musik, von einem bisschen Reggae, ein flauschiger Soundteppich ist das, und auf einmal fällt alles ab, die ellenlange Zugfahrt, der stickige, rumpelige Bus, das Dröhnen des Außenborders, es fühlt sich alles gut an, total entspannt. Der Himmel ist tiefblau, ein paar dutzend Menschen schlendern über den langen Strand, in der Bucht liegen lauter Longtail- Boote, und es ist: Frieden.

Seenomadin: eine Frau von den Chao Leh

Weit über 200 Inseln gibt es in den Meeren rund um Thailand, hunderte von namenlosen Mini- Eilanden gar nicht mal mitgezählt. Ko Lipe ist die südlichste davon, auf Thailand-Karten direkt am unteren Rand; wenn sie ein bisschen großzügiger gestaltet sind, beginnt eine Daumenbreite tiefer Malaysia. Man könnte sie glatt übersehen: Etwa drei Kilometer lang ist sie bloß, eineinhalb breit, es gibt drei große Strände plus ein paar Buchten, direkt nebenan liegen einige größere, höhere und unbewohnte Inseln - Ko Lipe rumpeliegt im Tarutao-Nationalpark. Um sie zu erreichen, muss man abenteuerlustig sein und bereit, ein bisschen was auf sich zu nehmen. Von Bangkok zum Beispiel kann die Anreise locker zu einer 30-Stunden-Expedition werden. Wenn die Züge pünktlich sind, aber das ist in Thailand in etwa so selten wie Schnee.

Inselglück: abhängen, lesen, schlafen, jeder, wie er will - und den besten Cappuccino Ko Lipes gibt's im "Blue Tribes Resort" auch.

Und warum dieser Stress für so ein popelig kleines Stück Land im Meer? Weil Ko Lipe unter den vielen Inseln Thailands noch etwas Besonderes ist. Ja, klar, es gibt auch dort Tourismus, kein Flecken in Thailand ist davon unberührt. Aber sie ist beileibe noch nicht so überlaufen wie die Inseln weiter im Norden - die Strände sind selbst in der Hauptreisezeit nicht voll, an den kleinen Buchten gibt es sogar ziemlich einsame Plätzchen. Sie ist eine der wenigen Inseln, die vom Tsunami an Weihnachten 2004 weitgehend verschont geblieben ist, gerade mal ein paar Meter den Strand hoch schwappte die Welle, auch die Korallenriffe sind nicht in Mitleidenschaft gezogen worden. Und Ko Lipe ist die einzige Insel im wunderschönen Tarutao- Nationalpark, die man bewohnen darf, außerdem ist sie ein perfektes Basislager für jene, die zum Tauchen und Schnorcheln in diese Gegend kommen. Und die werden für die lange Anreise belohnt: Kaum ist man mit der Taucherbrille unter der Oberfläche, wird man von Doktor- und Clownsfischen umlagert, leuchten am Meeresboden Korallen - das ist großartig, das vergisst man nicht. Hier gibt es noch eine intakte, atemberaubende Unterwasserwelt. Und Überwasserwelt, denn die Nationalpark- Inseln Ko Rawi und Ko Adang, beide zum Greifen nah, sind verglichen mit Ko Lipe riesige unbewohnte Tropen-Refugien, Naturparadiese, die einen Tagesausflug lohnen, mit Longtail-Booten, allesamt gesteuert von den Chao Leh, den Seenomaden - ein besonderes, faszinierendes Volk. Das hier war mal ihre Insel.

Vor knapp 100 Jahren haben sie sich hier niedergelassen, vielleicht 80 von ihnen, so genau weiß man das nicht. Die Insel war damals unbewohnt und zunächst unbewohnbar. Jedenfalls für Menschen: Krokodile regierten auf Ko Lipe. Weil es aber Trinkwasser gab und besonders schön war, haben die Chao Leh die Reptilien auf die Nachbarinsel Ko Andang verjagt - oder getötet, bis die Insel frei von ihnen war. Und fortan lebten die Seenomaden an den Stränden und vom Korallenmeer.

Auf dem thailändischen Festland gibt es eine große Gemeinde chinesischer Einwanderer, besonders viele in Bangkok, aber auch im Süden. Sie gelten im Allgemeinen als besonders geschäftstüchtig. Thai-Chinesen aus der Gegend um Satun im Süden waren es auch, die auf die Idee kamen, dass sich mit dieser Insel im boomenden Touristen- Land Thailand Geld verdienen lässt. Sie kauften den Chao Leh ihre Strände ab, für viel zu wenig Geld und manchmal mit Schusswaffen auf dem Verhandlungstisch. Gerade mal 15 Jahre ist das her.

"Pattaya Song Resort" am westlichen Ende des Pattaya Beach: Einige der Stelzen-Bungalows haben beste Strandlage.

Doch das mit dem Tourismus lief eher langsam an, zu weit ab vom Schuss liegt Ko Lipe, zu schwierig war damals die Anreise. Noch 2006 gab es nur eine Handvoll Resorts mit einfachen Hütten, ohne Strom und fließendes Wasser. Heute gibt es ein Generatorenkraftwerk in der Inselmitte und Wasser für alle. Dutzende kleine und große Resorts säumen die drei Strände, vom Pattaya Beach zieht sich die Walking Street Hunderte von Metern ins Landesinnere, mit Restaurants, Massagebuden, Tattoo-Studios, Minimärkten.

Und trotzdem hat Ko Lipe all den anderen thailändischen Inseln etwas Entscheidendes voraus: Sie hat noch eine Wahl. Sie kann sich entscheiden, wohin sie sich entwickeln möchte. Ob sie zu einem Rummelplatz werden will wie das eigentlich überirdisch schöne Ko Phi Phi, das viele Rucksacktouristen schon jetzt an Mallorca erinnert. Ob es sich dem Massentourismus öffnet wie Ko Lanta, Ko Samui und Ko Phangan - oder ob es eine sanftere Variante wählt. Ob es die im Moment noch intakte Balance halten will zwischen Ferienspaß am Pattaya Beach und Stille am Sunset Beach, ob es sich für Nachhaltigkeit entscheidet, ob es respektvoll mit seiner Natur umgehen will. Und das entscheiden vor allem die Menschen, die hier leben.

So klein ist Ko Lipe, dass man es auf der Karte fast übersieht.

Die Vereinten Nationen von Ko Lipe sind eine eigentümliche Mischung. Da sind die Chao Leh, die Seenomaden. Dann die Ladyboys, Transvestiten vom Festland, die in ein paar Resorts arbeiten. Thai-Chinesen, die diese Anlagen besitzen. Das einzige Reisebüro der Insel gehört Johann, einem Franzosen, und seiner thailändischen Frau, es gibt einen Schweizer Restaurantbesitzer und eine deutsche Bedienung, Rucksacktouristen aus Australien und den USA, Familienurlauber aus Schweden. Und einen für die Insel besonders wichtigen Menschen findet man rechts am Pattaya Beach, zwischen Reggae-Bar und "Bundhaya"-Resort. Er heißt Luca Borghesi. Luca, 43, kommt aus der italienischen Stadt Parma. Er ist eine der buntesten Figuren auf der Insel, kahlköpfig, barfuß - und eine der entscheidenden Personen, wenn es um die Frage geht, wohin sich Ko Lipe mal entwickelt. Luca ist studierter Anthropologe und Weltenbummler. Am Neujahrstag 2005 kam er nach Ko Lipe, eine Woche nach dem Tsunami. Eigentlich wollte er nur die Chao Leh treffen, er war neugierig auf dieses archaische Volk ohne eigene Schrift, aber mit herausragenden seefahrerischen Fähigkeiten, "ein Sammlervolk - wie wir in Europa vor 20 000 Jahren", sagt er. Aber dann ist er geblieben, weil er sich keinen besseren Platz zum Leben vorstellen konnte als diesen.

Auch er baute ein Resort, aber er machte es anders als die Thais vom Festland: Er mietete den Platz am Pattaya Beach für 20 Jahre, zu einem sehr viel höheren Preis, als die Chao Leh von anderen bekamen. Und er lässt die Seenomaden, denen das Land gehört, dort in Meeresnähe wohnen, wo sie hingehören. "Seine Familie" nennt er die 30 Ureinwohner, die hinter der offenen Holz- lobby leben. 1300 Seenomaden gibt es auf Ko Lipe, die meisten leben in einem Dorf im Nordosten der Insel, Hunderte von Metern vom Meer entfernt. Luca Borghesi ist ihr guter Geist, unterstützt sie in ihren Rechten, die Reggae-Bar neben dem "Blue Tribes" gehört Lucas "Familie". "Und da hinten, wo die Bucht eine kleine Biegung macht", sagt Luca, "da ist Cheng."

Auswanderer: Italiener Luca betreibt ein Resort.

Auch Cheng ist ein Chao Leh. Er war Fischer, bis er vor ein paar Jahren selbst ein Resort aufgebaut hat. Er ist einer von drei Einheimischen, der Gäste beherbergt. "Sanom Beach" heißt sein Reich am südlichen Ende der Insel. Neun einfache Hütten vermietet er, in seinem kleinen Restaurant kann man auf Zuruf etwas bestellen, eine Karte gibt es nicht. Dafür das breiteste Lachen westlich von Shanghai - Cheng, 37, ist von ansteckender Fröhlichkeit. Und gleichzeitig ein Vorbild, ein Seenomade, der nicht vor den neuen Verhältnissen resigniert hat, sondern sie mitbestimmt. Genau wie Luca, der Italiener, der ein Konzept für eine vernünftige Wasserverteilung in der Tasche hat und sich für geregelte Müllentsorgung stark macht. Der die wunderbare Insel so liebt, "weil das Licht, das Wasser hier immer anders ist als im Moment zuvor". Er ist angekommen.

Über der Lobby in seinem Resort liegt ein Zimmer, das er nur im Notfall vermieten würde, obwohl es wirklich besonders schön ist. Es gehört einer Person, die nur alle zwei Jahre für ein paar Wochen vorbeischaut. Ihr Name steht an der Tür: Mamma. Einen echten Italiener ändert nicht einmal das Paradies.

Unterkommen

Jedem Gast seine Hütte - das gilt für alle Resorts. Die Frage ist nur: luxuriös oder basic? Für Letzteres empfiehlt sich das ruhig in einer Bucht gelegene Sanom Beach von Cheng (ab ca. 17 Euro pro Nacht und Hütte, Tel. 00 66/ 876 30 74 97, www.sanombeach.com). - Das Blue Tribes des Italieners Luca Borghesi am Pattaya Beach, einer etwas lebhafteren Strandgegend, ist komfortabler - und kostet mehr, eine Hütte für bis zu vier Personen am Strand ab ca. 28 Euro. Dafür gibt es hier den besten Cappuccino der Insel (Tel. 00 66/862 85 21 53, www.bluetribeslipe.com). - Ruhig und hochwertig wohnt man im Mountain Resort am Sunset Beach (für vier Personen ab ca. 26 Euro, www.mountainresortkohlipe. com). - Das ist schon sehr nah an fein, wer aber richtigen Luxus schätzt, sollte sich im Serendipity Resort am Sunrise Beach (Foto links) einmieten; für etwa 140 Euro pro Nacht (zwei Personen inkl. Frühstück/Hochsaison) genießt man dort modernes Design und luxuriöses Interieur in traumhafter Hanglage, und einen privaten Strand gibt es auch (Tel. 00 66/883 95 51 58, www.serendipityresort-kohlipe.com).

Genießen

Unser Mann und das Meer: BRIGITTEAutor Stephan Bartels am eher ruhigen, langen Sunrise Beach.

Fast überall ist es lecker auf Ko Lipe - na ja, man isst hier halt Thai. Es ist fast ein bisschen unfair, ein Restaurant herauszuheben. Wir tun es trotzdem: In der Mitte der Walking Street liegt das Kon Lay, wo wir unglaublich gut gegessen haben: scharfer Papaya-Salat, Hühnersuppe, Padthai, ein Curry, alles zusammen unter zehn Euro. Super. Unseren Nachtisch haben wir aber meistens bei der Thai Pancake Lady eingenommen: Die hat ihren Stand auf der Walking Street kurz vor dem Pattaya Beach und macht ab etwa 70 Cent angeblich die besten gefüllten Pfannkuchen von ganz Thailand. Kein Widerspruch! - Manchmal war uns aber auch nach lustiger Atmosphäre mit Aussicht: Im viel zu großen Bundhaya Resort sitzt man fast auf dem Strand und bekommt ein gutes europäisch-thailändisches Essen von Ladyboys serviert, die den Service mit einer Mischung aus Slapstick und Travestie-Show ausfüllen. Sympathisch.

Und sonst?

Das Nachtleben ist übersichtlich, am Pattaya Beach liegen ein halbes dutzend Bars nebeneinander, überall ist die Stimmung eher gechillt als aufgeheizt. Das tut ganz gut, besonders, wenn man sich am Tag auf und im Meer herumgetrieben hat. - Und das gehört zu den Highlights auf Ko Lipe: Schnorcheltouren im Nationalpark. Die Longtail-Boote (Sechs- Stunden-Touren ab 28 Euro) legen auch auf Ko Rawi oder Ko Adang an, wo man herrlich einsame Strände findet und richtigen Dschungel. Dort kann man auch mal eine Nacht verbringen, in einfachen Ranger-Hütten für wenig Geld.

Hinkommen

Z.B. mit Air Berlin von Frankfurt nach Bangkok, hin und zurück ca. 750 Euro (www.airberlin.de). Vom Bangkoker Hauptbahnhof Hua Lamphong mit dem Zug nach Hat Yai, am besten im Schlafwagen (ca. 17 Stunden, ab ca. 30 Euro, besser einen Tag vor Abreise buchen). Für Abenteuerlustige: Die dritte Klasse kostet nur etwa 7 Euro (Tickets im Bahnhof). Vom Stadtzentrum in Hat Yai fährt ein Bus zum Fährhafen nach Pak Bara (zwei Stunden, ca. 3,50 Euro), von dort eine Fähre nach Ko Lipe (eineinhalb Stunden mit dem Schnellboot, ca. 10 Euro), Tickets können vor Ort oder auch kombiniert in Reisebüros in Hat Yai erworben werden. Von Phuket gibt es den direkten Weg per Schnellboot von der Rassada Pier (fünf Stunden, ca. 70 Euro). Tickets direkt am Pier oder unter www.tigerlinetravel.com

Info

Beste Info-Quelle für Unterkünfte und Fähren ist die Homepage des einzigen Reisebüros auf Ko Lipe: www.kohlipethailand.com - Gute Adressen und Tipps im Reiseführer "Thailand. Der Süden" (Dumont-Verlag, 14,95 Euro). - Fremdenverkehrsamt Thailand, Bethmannstr. 58, 60311 Frankfurt, Tel. 069/138 13 90, www. thailandtourismus.de

Text: Stephan Bartels, Fotos: Christina Körte, BRIGITTE 21/11

Kommentare (2)

Kommentare (2)

  • Anonymer User
    Anonymer User
    Übrigens gibt es die Möglichkeit von Bangkok aus mit NOK AIR das "Koh Lipe Paket" zu buchen. Enthalten ist der Flug nach Hat Yai, Transfer vom Flughafen zum Pak Barra Pier und Speedboat nach Lipe ;-) Dauert ca. 6 Stunden
  • Anonymer User
    Anonymer User
    ich war dort vor 1 1/2 jahren. habe schon fast die ganze welt bereist doch ko lipe ist eines der schönsten fleckchen erde! einfach paradiesisch, nette leute tolles essen und an dem einsamen strand am westlichen einfach ursprünglisch geblieben. ich habe einig ureinwohner dieser kleinen insel kennengelernt, die trotz horänter summen ihr land beibehaltn und es nicht mit hotelanlagen zubauen.

    ich komme dort definitiv wieder hin und hoffe, dass es dann immernoch genau so aussieht.

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