Urlaubs-Blues? So rettet ihr die Erholung in den Alltag

Die Erholung aus dem Urlaub ist oft schnell dahin. Coach Bernhard Juchniewicz erklärt, wie ihr die Erholung im Alltag länger bewahrt.

BRIGITTE.de: Muss ich schon bei der Urlaubsplanung etwas beachten, damit ich mich in den gut erhole?

Bernhard Juchniewicz: Die wichtigsten Fragen sollten sein: Ist das wirklich mein Urlaubsziel? Oder werde ich auch hier - wie im Job - fremdbestimmt? Habe ich das Bedürfnis nach Rückzug oder nach neuen Kontakten? Will ich Anregung oder einfach nur Ruhe? Die Antwort kann Typsache sein oder von der momentanen Situation abhängen. Planen Sie möglichst eine Reise, von der Sie annehmen, dass sie Ihnen wirklich guttun wird. Das ist leider nicht selbstverständlich.

Bernhard Juchniewicz

Bernhard Juchniewicz ist Coach und Präsident der "European Coaching Association" (ECA). Er hat sich u.a. auf das Fachgebiet Burnout- und Workaholic-Prävention spezialisiert.

BRIGITTE.de: Kann ich auch direkt vor der Abreise etwas tun?

Nutzen Sie Ihre letzten Arbeitstage, um Ihre Abwesenheit zu planen. Gedanken wie: "Das kann ich auch noch im Urlaub erledigen", sind ein Hinweis darauf, dass Sie nicht ausreichend delegieren. Und gönnen Sie sich ein, zwei Puffertage vor der Abreise, in denen Sie die Koffer packen und letzte Vorbereitungen treffen. Das nimmt den Stress aus dem Übergang vom Job in die Ferien.

BRIGITTE: Wie kann ich im Urlaub am besten abschalten?

Ein Schlüssel zur ist das Smartphone – schalten Sie es möglichst ab! Vielleicht können Sie für Notfälle die Telefonnummer des Hotels in der Firma und bei der Familie hinterlassen. Die Hürde, in einem Hotel anzurufen, ist so hoch, dass sich nur Menschen melden werden, die ein wichtiges Anliegen haben - und Sie haben Urlaub.

BRIGITTE: Wie schaffe ich es, mich nicht nur zu erholen, sondern auch neue Energie zu tanken?

Die Umstellung von der Fremdbestimmung im Job hin zur selbstbestimmten Freizeitgestaltung ist im Urlaub vielleicht die größte Herausforderung. Sie sollten sich bewusst entscheiden, wie tief die Strandbräune zu sein hat, wie viele Gipfel Sie erklimmen und wie viele Bauwerke Sie besichtigen wollen. Achten Sie auf Ihren Körper und Ihre Sinne, Sie sind die Expertin für Ihr Wohlbefinden.

BRIGITTE: Und wie rette ich die Erholung nach dem Urlaub in den Arbeitsalltag hinüber?

Nutzen Sie Ihren frischen, unverstellten Blick und ändern Sie schlechte Angewohnheiten, die sich im Job eingeschlichen haben. Zum Beispiel können Sie anfangen, E-Mails nur in bestimmten Abständen abzurufen, Multitasking zu vermeiden und Störendes aus Ihrer Umgebung zu verbannen. Legen Sie den ersten Arbeitstag nach dem Urlaub auf Mittwoch oder Donnerstag, dann haben Sie die Aussicht auf ein baldiges Wochenende.

BRIGITTE: Sonst droht das "Post-Holiday-Syndrom"?

Viele von uns ergreift Antriebslosigkeit, wenn wir aus dem Urlaub in den Job zurückkehren. Das Post-Holiday-Syndrom kann bedeuten, dass wir vor dem Urlaub unsere Abwesenheit nicht gut geplant haben und deshalb vor einem riesigen Berg Arbeit stehen - bis hin zur großen Sinnfrage, warum wir diesen Job machen und ob er der richtige ist. Legt sich das Syndrom nach einer Woche nicht von selbst, sollten Sie Hilfe bei einem professionellen Gesprächspartner suchen.

BRIGITTE: Was kann ich tun, damit ich auch langfristig weniger Stress im Alltag habe?

Vielen Menschen werden ihre Erschöpfung, ihre fehlende Energie und ihre Anspannung erst so richtig in einer Entspannungsphase bewusst. Da eine Rückkehr ins Arbeitsleben aber unausweichlich ist, werden Gedanken an die Überforderung oft geschickt bagatellisiert – mit der Folge, dass es irgendwann zum Zusammenbruch kommen kann. Da hilft nur eines: Achten Sie wie in den Ferien auf Ihre Bedürfnisse und hören Sie auf die Signale Ihres Körpers. Sie sollten auch versuchen, Auszeiten in Ihren Alltag zu integrieren. Wir haben täglich 1440 Minuten zur Verfügung und davon können wir leicht ein bis vier Prozent in unser Lebensglück investieren. Nehmen Sie sich Zeit für Besinnung, Entspannung, gute Gespräche, Nähe, Partnerschaft. Es lohnt sich.

BRIGITTE: Wie teile ich meinen Jahresurlaub sinnvoll auf – lieber öfters für ein paar Tage wegfahren oder einmal länger?

Bei mehreren Kurzurlauben haben Sie den Vorteil, dass Sie das "Fremdeln" oder Post-Holiday-Syndrom umgehen, weil der Abstand zum Alltag niemals zu groß wird. Wichtig ist, dass Sie - egal ob bei kurzen oder langen Trips - Achtsamkeit für sich selbst entwickeln und machen, was Ihnen gut tut. Lenken Sie Ihre Aufmerksamkeit auf gesunde und erfüllende Arbeits- und Lebensinhalte - das ist das Geheimnis eines souveränen, vitalen und zufriedenen Lebens.

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