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Zum Glück gibt's Hohenlohe!

Im Süden Deutschlands haben wir ein Paradies entdeckt. Wo Wiesen nach Blumen und Kräutern duften, Fürstenstädte sich über die Berge ziehen, Kühe zufrieden in die Gegend gucken und Gourmets so richtig begeistert sind.

Irgendetwas ist hier anders. Vielleicht dieser Anflug von Stolz, mit dem die Kronenwirtin in Eschental "Hohenloher Spätzle" serviert. Wobei die Betonung auf "Hohenloher" liegt. Und das bedeutet: vier Eier auf 250 Gramm Mehl und nicht nur ein halbes wie bei den schwäbischen Nachbarn. Oder die gewisse Feierlichkeit, mit der zu vorgerückter Stunde eine leicht bezechte Runde in der Bächlinger Mosesmühle der CD vom "Houalouer Mouschd" zuhört, einem Lied über das regionale Lieblingsgetränk, den Most. Dass dieser Blues - selbstverständlich nur in der Version der Mundart-Rockband "Praxis" - hierzulande Kult ist, wird spätestens klar, wenn man die glitzernden Augen der Zuhörer sieht. Und wer nicht selbst aus Hohenlohe stammt, fragt sich nun erst recht, was denn hier so anders ist als im Rest der Welt.

Die Antwort ist zunächst einfach: Dieses Ländchen mit seinen tief eingeschnittenen Tälern von Tauber, Jagst und Kocher ist einfach wunderschön. Eduard Mörike, der viele Jahre seines Lebens hier auf verschiedenen Pfarrstellen verbrachte, nannte es "eine besonders zärtlich ausgeformte Handvoll Deutschland", und für den Vater des Grünen Rezzo, den Pastor und Heimat-Poeten Rudolf Schlauch aus Bächlingen, war es schlicht "seelisches Naturschutzgebiet".

Das gilt heute noch ebenso. Was immer ein zivilisationsmüder Mensch auch suchen mag - hier, im äußersten Nordosten Baden-Württembergs, findet er es. Landschaftlich, kulturell und kulinarisch. Vorausgesetzt natürlich, er findet Hohenlohe. Denn das liegt, umtost von den Verkehrsströmen, fast im Verborgenen: inmitten des Autobahndreiecks A 6 Heilbronn - Nürnberg, A 81 Weinsberg - Würzburg und der Nord-Süd-Achse A 7.

Im Norden zieht die Tauber die Grenze, im Westen sind es die Waldenburger Berge mit ihren ausgedehnten Rebflächen, im Süden die ehemals Freie Reichsstadt Schwäbisch Hall. Dazwischen sanft gewelltes Ackerland, auf dem Getreide, Mais, Rüben und Erdbeeren gedeihen, duftende Streuobstwiesen, Flussniederungen, in denen Störche und Graureiher durchs dichte Schilf staksen. Auf den Bergrücken die Fürstenstädtchen mit ihren Schlössern und Burgen - 226 sollen es im Landkreis sein, alle Ruinen mitgerechnet, doch so genau wissen es selbst die Hohenloher nicht. In den Tälern dann kleine Dörfer, einsame Höfe, hin und wieder eine alte Wassermühle.

Nein, das Land der "Burgen, Schlösser, Fürsten und Bauern" muss sich nicht verstecken. Umso bemerkenswerter, dass es heute eher ein Begriff in der einschlägigen Kochbuch- als in der Reiseliteratur zu sein scheint. Andreas Dürr, Touristikmanager aus Künzelsau, sieht aus, als habe er auf dieses Stichwort nur gewartet. "Hohenlohe", sagt er, "das ist ja nicht nur der Name unseres Fürstenhauses, nach dem auch unser Landkreis benannt wurde. Hohenlohe ist im Wesentlichen Philosophie." Der Ausdruck, mit dem er "Philosophie" sagt, gleicht etwa dem der Kronenwirtin, wenn sie ihre dottergelben Spätzle aufträgt. Und wer das tiefer ergründen will, muss dem Mann aus Künzelsau in die wechselvolle Geschichte des Landes folgen.

1806 gilt als Schicksalsjahr: Damals verleibte sich das Königreich Württemberg die Besitztümer des Fürstenhauses Hohenlohe ein, das schon seit der Zeit der Staufer hier in großer Harmonie mit seinen fränkischen Untertanen gelebt hatte. Doch die schwäbische Herrschaft wurde nie akzeptiert: Bis heute pflegen die Hohenloher eine geradezu leidenschaftliche Freiheitsliebe. Fühlen sich nur ihrem Gott, ihrem Fürsten - und dem eigenen Gewissen verpflichtet.

In Füßbach arbeitet der orgelspielende Landwirt Klaus Käppler. Er hat sich aufs Brennen von Edelschnäpsen spezialisiert. Wie ein Detektiv spürt er, oft in Begleitung seines betagten Mentors Rudi Schmiege, auf den alten Streuobstwiesen letzte Exemplare fast ausgestorbener Obstbaumarten auf. Noch säumen Apfel- und Birnenbäume die Wiesen, Felder und Wege, umgeben Dörfer und Gehöfte, sie gehören zu Hohenlohe wie die Olivenhaine zu Italien. Doch die meisten Baumbestände sind überaltert: Es lohnt sich nicht mehr, das verstreute Obst einzusammeln. Es sei denn, man findet hier und da eine vergessene Schlankelesbirne, vielleicht sogar eine Eier- oder eine Weißherrnbirne. "Die geben Brände mit ganz unvergleichlichen Aromen", schwärmt Klaus Käppler, der jetzt versucht, die alten Sorten neu zu züchten.

In Atzenrod sind es Berit und Norbert Fischer, die zu den erfolgreichsten Käsemachern Hohenlohes zählen. Ihre Schafsrohmilch-Spezialitäten, vor allem der unerreichte "Roque Blue", sind von den Speisekarten der hiesigen Edel-Gastronomie nicht mehr wegzudenken.

527 landwirtschaftliche Betriebe zählt mittlerweile die "Bäuerliche Erzeugergemeinschaft Schwäbisch Hall". Sie verschickt Hohenloher Produkte heute bis Sylt oder Dresden in die Töpfe und Pfannen der Spitzengastronomie. In den Warenkorb gehört auch so etwas Gutes wie das "Boeuf de Hohenlohe" - obwohl dieses prächtige Mastrind, bereits im ausgehenden 18. Jahrhundert in der französischen Haute Cuisine tonangebend, fast schon totgesagt war. Heute rupfen die berühmten braun-weißen Viecher wieder Klee und Kräuter von den fruchtbaren Hohenloher Hangweiden.

Hohenlohe boomt. Selbst in wirtschaftlich desolaten Zeiten liegt die Arbeitslosenquote hier nur bei 5,8 Prozent. Auch weil es Projekte wie den "Landfrauenservice" gibt, von Bäuerinnen mit Hilfe der EU gegründet. Die Frauen aus dem Landkreis führen Gäste dorthin, wo sie normalerweise nicht hinkommen - direkt in die Ställe und Gärten, die Küchen und Keller der Erzeuger selbst.

Reise-Infos Hohenlohe

Übernachten

Mosesmühle: gemütliche, über 600 Jahre alte Dorfmühle, wunderbares Frühstück und am Wochenende Essen im edel renovierten ehemaligen Gerätehaus; DZ/F 40 Euro (74595 Langenburg-Bächlingen, Tel. 07905/940042, Fax 940044).

Jagstmühle: Landgasthof im romantischen Jagsttal. Bodenständige Küche aus der Region - zum Beispiel Waller mit wildem Knoblauch und Gänseblümchen-Kapern; wunderschöne, neu gestaltete Appartements ab 105 Euro für Personen inkl. Frühstück (Jagstmühlenweg 10, 74673 Heimhausen, Tel. 07938/90300, Fax 7569).

Gasthof zur Post: 300 Jahre altes, ehemaliges Waschhaus des Klosters Schöntal. Gute Küche mit Gemüse und Kräutern aus dem Klostergarten; DZ/F ab 72 Euro inkl. Frühstück und Wellness (Hauptstr. 1, 74214 Schöntal, Tel. 07943/2226, Fax 2563)

Essen und Trinken

Zur Lindenau: berühmte Dorfschänke, Spezialität im Herbst fangfrischer Jagst-Aal; Hauptgerichte ab 7 Euro (Wanderstr. 5, 74592 Kirchberg, Tel. 07954/8590 Fax 1297). Rössle:

uriger Gasthof mit knarzendem Dielenboden und großem schattigem Garten. Bekannt für den besten Blootz weit und breit - aber nur freitags; günstige kleine Gerichte, z. B. Zwiebelkuchen (Blootz) für 1,20 Euro (Saurach 3, 74564 Crailsheim, Tel. 07904/297).

Wald & Schlosshotel Friedrichsruhe:

ein Michelin-Stern und zwei Gault-Millau-Mützen - Friedrichsruhe ist ein Wallfahrtsort für Genießer; Hauptgericht ab ca. 30 Euro, Gourmet-Menü ab 82 Euro (74639 Zweiflingen/Friedrichsruhe, Tel. 07941/60870, Fax 61468, www.friedrichsruhe.de).

Restaurant Eisenbahn:

seit drei Generationen ein Begriff in Hohenlohe, ein Michelin-Stern, z. B. für gekräuterten Milchferkelrücken; Hauptgerichte ab 19 Euro, Menü ab 43 Euro (Karl-Kurz-Str. 2, 74523 Schwäbisch Hall-Hessental, Tel. 0791/930660, Fax 93066110, www.restaurant-eisenbahn.de).

Einkaufen

Bauernmarkt Schwäbisch Hall: frische Produkte der Erzeugergemeinschaft - Fleisch vom Schwäbisch-Hällischen Landschwein und vom Boeuf de Hohenlohe, Wurst, Schinken, Obst, Gemüse, Schafs- und Ziegenkäse-Spezialitäten (Raiffeisenstr. 20, 74523 Schwäbisch Hall-Hessental, Tel. 0791/9329050).

Schafskäserei Atzenrod: Die aromatischen Rohmilchspezialitäten (Weichkäse, Camembert, Blauschimmel- und Hartkäse) werden in Handarbeit hergestellt (Blaufelder Str. 49, 74595 Langenburg Atzenrod, Tel. 07905/475, Mo. bis Fr. 9-13 und 15-18, Sa. 9-12 Uhr).

Hällische Delikatessen & Bistro: neuer, exquisiter Laden der Erzeugergemeinschaft, viele leckere Spezialitäten zum Kosten und Kaufen; besonders gut: Holunder-Schaumwein (Neue Str. 2, 74523 Schwäbisch Hall, Tel. 0791/9466521).

Café Bauer: Dem Fürsten schmeckten sie auch - die Langenburger "Wibele", ein zartes Gebäck aus Puderzucker, Eiweiß, Mehl und Vanille (Hauptstr. 28, 74595 Langeburg, Tel. 07905/363 Fax 735, www.echte-wibele.de).

Obstbrennerei Klaus Käppler: Hutzelbirn-, Quitten- oder Tresterbrand: Die "Wässerchen" mit 40 bis 48 Prozent Alkoholgehalt reifen zum Teil in Eschenholzfässern (Bachstr. 14, 74635 Kupferzell-Füßbach, Tel. 07944/940080). Weingut Fürst zu Hohenlohe-Oehringen:

deutsches Spitzenweingut, das mit dem "Verrenberger Verrenberg" eine Top-Lage für Riesling und Lemberger besitzt (Im Schloss, 74613 Öhringen, Tel. 07941/944910, Fax 37349, www.verrenberg.de , Mo. bis Fr. 8-12 und 13-17 Uhr, Sa. 9-12 Uhr).

Der "Landfrauenservice" organisiert maßgeschneiderte Touren für Gruppen - egal, ob die Besucher nun den besten Holundergeist verkosten oder in der Regenbacher Krypta vom Trompetenchor empfangen werden möchten; Tagestouren ab 65 Euro pro Person (Brigitte Ströbel, Reiseservice Vogt, Tel. 07939/99080, Fax 990828, www.reiseservice-vogt.de).

Gruppenführungen zu den berühmten Hohenloher Bauerngärten sowie Kräuterwanderungen veranstaltet Brunhilde Bross-Burkhardt, Preise nach Absprache; (Brunhilde Bross-Burkhardt, Aubäcker 10, 74595 Langenburg, Tel. 07905/5430, ).

Bücher

"Eine kulinarische Entdeckungsreise durch Hohenlohe-Franken": Wirte, Winzer, Schnapsbrenner, Brauer, Metzger, Bäcker und Käsmacher verraten ihre Rezepte (Gertrud und Eberhard Löbell, Verlag Umschau/Braus, 24,90 Euro). "Die neue Ess-Klasse":

ein politisches Kochbuch mit Infos über ökologische Landwirtschaft und Politik von Manfred Kurz und Rezzo Schlauch (Swiridoff Verlag, 19,50 Euro).

"Das Beste vom Schwäbisch-Hällischen Landschwein":

raffinierte Schweinefleisch-Gerichte und die Geschichte des Schwäbisch-Hällischen Landschweins von Josef Thaller (Verlag Umschau/Braus, 29,90 Euro).

"Hohenlohe - Der Reiseführer": profundes Wissen, echte Insider-Tipps von der Hohenlohe-Kennerin Brunhilde Bross-Burkhardt (Swiridoff Verlag, 19,80 Euro).

Informationen

Touristikgemeinschaft Neckar-Hohenlohe-Schwäbischer Wald e.V., Tel. 0791/751385, Fax 751642, www.hohenlohe-tourismus.de.

Text: Ulrike Matthei Fotos: Cordula Kropke BRIGITTE 15/08

Kommentare (1)

Kommentare (1)

  • Anonymer User
    Anonymer User
    Einen Besuch wert ist auch Langenburg mit seinem Fürstenschloß (kann man besichtigen) und dem angrenzenden Cafe im Rosengarten - unglaublicher Blick ins Tal von der Terrasse und himmlische Sachertorte!

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