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Burton European Open: Boarder, Boxen, Blutergüsse

Bym.de-Mitarbeiterin Veronika Zweckerl verbrachte ein Wochenende bei den Burton European Open in Laax - und stieg selbst aufs Snowboard.

Bunter Snowboarder-Traum: Im Februar dreht sich in Laax alles ums Brett

Auf meiner rechten Pobacke bildet sich ein Bluterguss, der den Durchmesser meiner flachen Hand hat. Meine Brust tut weh. Ich kann meinen Kopf nicht richtig drehen. Und mein rechtes Knie gewinnt im Moment bestimmt keinen Schönheits-Preis.

"One Side Nine. Back Side Ten. Double Cork!!! Huuuuuuuge!" Pfiffe. "Massive!" Wow. Und schon fährt der nächste in die Pipe. Macht den ersten Sprung, dreht sich in der Luft um die eigene Achse. Einmal, zweimal. Landung. Genau gegenüber stehe ich, nur ein paar Schritte vom Rand der sechs Meter hohen Eisröhre entfernt. Jetzt fährt er genau auf mich zu. Kommt näher, hebt ab und greift – genau über meinem Kopf – ganz gelassen in die Mitte seines Bretts. Ausatmen. Wie Cool!

Veronika bewundert die Stars an der Pipe

In Laax kämpfen jedes Jahr die besten internationalen Snowboarderinnen und Snowboarder bei den Burton European Open (kurz BEO) um Preisgelder in Höhe von 125.000 US-Dollar. Etwa 400 Fahrer messen sich in den Disziplinen Halfpipe und Slopestyle, einer Art Hindernis-Lauf-Abfahrt, die die "Rider" möglichst spektakulär absolvieren müssen. Eine ganze Woche lang wird das Skigebiet in den Schweizer Alpen zu einem Mekka für meist junge Freestyle-Fans, sprich für alle, für die eine blaue Pistenabfahrt einer Kaffeefahrt gleichkommt.

Überall sind Sprünge, so genannte Kicker, Halfpipes oder andere Hindernisse präpariert, die alle stark frequentiert werden - alle zwei Minuten landet ein Mensch mit einem lauten "Pff" in einem Riesenluftkissen neben der Gondelstation. Ich hingegen hatte bislang rein gar nichts an hübsch flachen Panoramapisten auszusetzen.

Die Autorin beim Aufwärmen

Und wo wir schon beim Kaffee sind: Eine Tasse koffeinhaltiges Heißgetränk ist genau das, was ich jetzt brauche. Die Hütte "No Name" liegt auf 2228 Metern gleich oberhalb der "Monster"-Pipe. Der Blick ist super, der Latte Macchiato schmeckt toll. Jemand tippt mir auf die Schulter: "Psst! Da ist Nicolas Müller!" Wer? "Komm mit." Und schon schüttle ich einem jungen Typ mit College-Jacke, Baggie-Hose, einer Sonnenbrille auf der Nase und einer Skibrille auf dem Kopf die Hand. In Hamburg sei er auch schon mal gewesen. Schön da. Ob ich einen Tipp zum Feierngehen für ihn hätte. Schanzenviertel? Toll, Danke. Wir seh’n uns. Netter Typ. Erst später werde ich aufgeklärt, mit wem ich da gerade geplaudert habe: Nicolas Müller, 28 und im Ruhestand, hat in seiner Karriere als Profi-Snowboarder so ziemlich alles gewonnen, was es zu gewinnen gibt. 2006 wurde er von den Boarder-Ikonen Shaun White, Travis Parker und Dany Kass zum "Snowboarder of the Year" gewählt.

In Laax speist man neben der Europameisterin zu Abend, trinkt mit dem Halfpipe-Star ein Bier, tanzt mit der Freestyle-Legende zu den Beats des DJs oder spielt "Nageln" mit den Teamfahrern aus Norwegen: Mehrere Fingerkuppen-Mutige stehen um einen Baumstupf, wer die wenigsten Schläge braucht, um seinen Nagel ins Holz zu hämmern, gewinnt.

"Es ist, als würde man dazugehören", findet auch Anica Sieben. Die 20-Jährige aus Mönchengladbach ist zum ersten Mal bei den Burton European Open. "Man lernt superschnell viele neue Leute kennen." Eine gute Ausdauer müsse man allerdings schon mitbringen, meint sie. Sowohl am Freitag- als auch am Samstagabend finden im Design-Hotel Rider’s Palace Live-Konzerte statt, die Party endet meist erst am frühen Morgen. Ein Grund, warum meine Tagesform schon einmal besser war. Neben meinem schmerzenden Hinterteil. Schuld daran ist Ana Marea Zgraggen, meine Snowboardlehrerin, wohl nur zum Teil. Mir in nur eineinhalb Stunden beibringen zu wollen, wie ich über kleine viereckige Boxen und Sprungschanzen fahre, ist aber auch echt sportlich! Zumal ich erst vor einem Jahr – nach zehn Jahren Pistenabstinenz – wieder mit dem Snowboarden angefangen habe. "Ich stell dir mal deine Bindung richtig ein." Sagt es und zieht einen Mini-Schraubenzieher aus ihrer Jackentasche.

Absprung! Veronika wagt sich selbst aufs Board ...

Ich stehe so breit auf meinem Brett, dass meine Großmutter es wohl als unanständig bezeichnen würde. Und ehe ich lange darüber nachdenke, wie bescheuert ich wohl aussehen mag, drehe ich mich mit auf der Piste um die eigene Achse. Three-Sixties mache ich da. Na gut, ich versuche es. Die meiste Zeit verbringe ich auf meinem Gesäß. Wirklich noch mal in die andere Richtung? Ich bekomme es einfach nicht hin.

Bevor ich die Lust verliere, geht's in den Tiefschnee. Das funktioniert schon besser. Dann zeigt mir Ana Marea, wie man einen Olli macht, einen beliebten Boarder-Trick, der im Stand oder während der Fahrt gesprungen wird. Auch das klappt ganz gut und ich hüpfe von der Piste in den Tiefschnee und wieder zurück. Wir fahren in den Fun-Park. Vor dem ersten Sprung habe ich ganz schön Respekt. Ich lasse einen etwa Achtjährigen vorbei. Der fährt ganz locker auf den Sprung zu, springt ab, macht in der Luft eine halbe Drehung, landet rückwärts und fährt auf den nächsten Sprung zu.

"Du musst ganz gerade auf das Hindernis zufahren!", brüllt meine Lehrerin, "und dann am höchsten Punkt richtig abspringen. Dabei immer schön die Spannung halten." Tief einatmen. Ich fahre los. Und versuche, die Gedanken an mögliche Gehirnerschütterungen, Arm- und Beinbrüche so gut wie möglich zu verbannen. Dann der Absprung. Alles geht ganz schnell. Ich bin tatsächlich kurz in der Luft. Landung. Ich stehe noch. Blaue Flecke? Total egal! Ab sofort bin ich saucool. Nochmal!

Schlange stehen am Lift gehört halt auch dazu ...

Gerade will ich mir einen zweiten Kaffee bestellen, als Iouri Podladtchikov in die Halfpipe einfährt. Die Gäste im Café stehen inzwischen auf den Holzbänken, halten ihre Smartphones hoch. Erster Sprung: "Wuuuhuuuu!" Zweiter: "Jäääähär!". Dritter, vierter, fünfter. "Massive!" Ja, das trifft es tatsächlich ganz gut. Der Schweizer erreicht 88,9 von einhundert möglichen Punkten. Er gewinnt die Finals.

Und die blaue Pistenabfahrt? Vielleicht ein andermal. Jetzt fahre ich erstmal in den Tiefschnee.

Die wichtigsten Laax-Facts

Termin der nächsten BEO: 4. bis 9. Februar 2013

Lage: Laax liegt in den Schweizer Alpen. Es ist das größte Skigebiet in Graubünden.

Anreise: Mit dem Auto etwa 90 Minuten von Zürich, von München aus braucht man etwa vier Stunden.

Pisten: 220 Pistenkilometer verteilt auf 28 Lifte und vier Talabfahrten mit Schneegarantie. 70 Prozent der Pisten liegen zwischen 2000 und 3000 Meter über dem Meeresspiegel.

Saison: Die Lifte in Laax sind von Mitte November bis Mitte April geöffnet.

Ein Paradies für Freestyle-Fans: In Laax gibt es vier Snowparks, Europas größte Halfpipe und die erste Indoor-Freestyle-Halle Europas. Öffnungszeiten: Während der Saison täglich zwischen 13.30 und 21 Uhr. Das Kursangebot ist groß. Infos unter www.freestyleacademy.laax.com.

Skipasspreise: Laax ist teuer. So zahlt ein Erwachsener pro Tag in der Hauptsaison ca. 68 Schweizer Franken (ca. 57 Euro) für einen Skipass, das 6-Tage-Ticket kostet pro Person ca. 380 Schweizer Franken (ca. 317 Euro).

Ski- und Snowboardunterricht: Drei Tage Skikurs in Gruppen kostet etwa 329 Euro für Erwachsene, Kinder zahlen ca. 250 Euro, Mittagessen inklusive. Die Es werden fünf verschiedene Snowboardkurse angeboten: Level 1 bis 3, All-Mountain und Freestyle-Coaching. Drei Tage in der Gruppe kosten für Erwachsene ca. 250 Euro, für Kinder und Jugendliche 213 bzw. 238 Euro. Angebote (zum Beispiel Skipass-Skischule-Kombinationen) finden Sie unter www.skischule-flims-laax.ch. Neben den Gruppenkursen wird auch Einzelunterricht angeboten. Ab zwei Stunden kostet der ca. 175 Euro, eine zweite Person ist kostenlos. Infos unter www.snowboard-fahrschule.ch.

Unterkunft: Riders Palace: Schickes Designhotel, dank Live-Konzerten während der BEO aber nur was für Lärmunempfindliche. Infos unter www.riderspalace.ch. Etwas ruhiger ist es im Signina Hotel. Infos und Preise unter www.signinahotel.com.

Tipp: Meldet Euch auf www.laax.com für den Newsletter an. Der informiert Euch regelmäßig über attraktive Pauschalangebote.

Nachtleben: Die besten Partys werden in der Indy Bar gefeiert. Dort sind während der Open am Abend auch die meisten Fahrer anzutreffen.

Musik-Acts: Im Riders Palace Hotel finden regelmäßig Konzerte statt. Die Tickets kosten im Vorverkauf ca. 17 Euro, an der Abendkasse rund 20 Euro. Infos und Buchung unter www.starticket.ch.

Snowboard-Small-Talk für Anfängerinnen

  • Spin: Drehung um die eigene Achse in der Luft
  • Flip: Vorwärts- oder Rückwärts-Überschlag
  • Grab: Berührung des Brettes mit der Hand während des Sprunges
  • Grind: Heruntergleiten auf Stangen und Kanten - der Snowboarder versucht, möglichst lange auf dem Hindernis zu bleiben
  • Kicker: Sprungschanze - das Spektrum reicht von selbst geschaufelten Schneehügeln bis zu von Pistenraupen geformten Schanzen mit Flugweiten von 20 Metern und mehr
  • Rails: Geländer für Grinds
  • Fakie: Rückwärtsfahren
  • Regular: Bezeichnet die Position der Bindung auf dem Board. Hier steht die Fahrerin mit dem linken Bein vorn.
  • Goofy: Beschreibt die gegensätzliche Position: das rechte Bein steht vorn.
  • Nose: Vorderseite des Boards
  • Tail: Hinterseite des Boards
  • Press: Gleichgewichtsübung, bei der das Körpergewicht auf Nose oder Tail verlagert wird, so dass sich der andere Teil vom Boden hebt
  • Lip: Handstand, mit Grabs kombiniert
  • Freerider: Snowboarder, der abseits befestigter Pisten unterwegs ist
  • Zahlen: One-Eighty, Three-Sixty, Five-Forty etc. bezeichnen das Gradmaß der Drehung
Bild Montagsnl

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