Das Ökohaus: Ein Haus mit Zukunft

Die Zeiten des Selbstversuchs für das Öko-Haus sind lange vorbei: Dagmar Fritz-Kramer, Chefin des Biohaus-Spezialisten Baufritz, über das Ökohaus und Design mit Zukunft.

Dagmar Fritz-Kramer, Chefin des Biohaus-Spezialisten Baufritz

Dagmar Fritz-Kramer, Chefin des Biohaus-Spezialisten Baufritz

BRIGITTE: Ihr Unternehmen hat sich auf Holzhäuser spezialisiert. Knackt es im Gebälk?

Dagmar Fritz-Kramer: Nein. Wir überprüfen das Holz, damit weder die Dielen knarren noch Dachstuhl oder Wände.

BRIGITTE: Sie sind Designerin. Moderne Designer mögen Beton, und Glas. Was macht den Rohstoff Holz für Sie so attraktiv?

Dagmar Fritz-Kramer: Ich bin auch Familienmensch und Mutter und daran interessiert, dass die nächsten Generationen eine schöne Natur erleben. Holz ist ein gesunder und umweltschonender Werkstoff. Unsere Hölzer stammen zu 90 Prozent aus kontrollierter deutscher Forstwirtschaft. Nur das Holz für die Außenfassade beziehen wir aus Finnland. Weil es von Bäumen stammt, die langsam gewachsen und von sehr hoher Qualität sind. Das garantiert Haltbarkeit für Jahrhunderte. Wir setzen auch beim Innenausbau auf wohngesunde Materialien wie Lehm, Stroh oder Glas.

BRIGITTE: "Wohngesund" klingt nach Blockhaus, Ihre Entwürfe sprechen eine andere Sprache: ein Haus, in dem sich die Innenwände verschieben lassen, oder ein Cabriohaus, dessen Glasdach sich aufklappen lässt. Wie passt das zusammen?

Dagmar Fritz-Kramer: Als ich die Leitung des Unternehmens übernahm, kämpften wir tatsächlich gegen unser Ökoschlappen-Image. Mittlerweile haben wir ökologisches Wohnen aus dieser Ecke geholt. Wir entwickelten Häuser mit schlanken Profilen, stromlinienförmigen Verschalungen und neuen Lichtquellen.

BRIGITTE: Als sich Ihr Vater vor 30 Jahren auf den Holzweg begab, machte sich kaum ein Mensch Gedanken um gesundes Bauen.

Dagmar Fritz-Kramer: Die Krankheit meiner Mutter brachte uns auf diesen Kurs. Die Ärzte schlossen nicht aus, dass die chemischen Holzschutzmittel in unserem Haus mit für ihre Brustkrebserkrankung verantwortlich waren. Damals begann mein Vater, alle Materialien aus der Produktion zu verbannen, die für Mensch und Natur schädlich sind. Im Selbstversuch bezogen wir dann das erste ökologische Vollwert-Haus, inklusive Klärteich und Komposttoilette. Meine Freunde haben ganz schön gestaunt: "Wie - ihr habt eine Toilette, in die man Heu werfen muss?"

BRIGITTE: Sie bieten die Rücknahme Ihrer Häuser an. Heißt das, ich kann Ihnen bei einem Fehlkauf die Schlüssel zurückgeben?

Dagmar Fritz-Kramer: Das bezieht sich auf die Rücknahme des Hauses nach 100 oder mehr Jahren. Wenn Kinder die Immobilie der Eltern erben, haben sie vielleicht ganz andere Wohnbedürfnisse. Dann holen wir das Haus ab. Entsorgungsprobleme haben wir nicht: Alle Materialien sind recycelbar. Die Entsorgung von konventionellen Häusern hingegen wird noch zu einem riesigen Problem: Heute schon macht Bauschutt 80 Prozent des Sondermülls aus.

BRIGITTE: Ist Ihr Rundum-sorglos-Paket denn auch bezahlbar?

Dagmar Fritz-Kramer: Mit Biohäusern ist das wie mit Bioäpfeln: Kunden zahlen im Schnitt 10 bis 15 Prozent mehr als für konventionelle Ware.

BRIGITTE: Lassen sich diese Mehrkosten durch Energiesparmaßnahmen ausgleichen?

Dagmar Fritz-Kramer: Die Sonne schickt keine Rechnung: Mit Solar- oder Photovoltaikanlagen senken Sie Ihre laufenden Kosten erheblich.

BRIGITTE: Wie stellen Sie sich das Biohaus der Zukunft vor?

Dagmar Fritz-Kramer: Heute wird noch wie vor 100 Jahren gebaut - die Häuser in Deutschland sind so dumm wie damals. Die Häuser der nächsten Generation werden viel intelligenter sein: Wände spenden Licht, Decken kühlen im Sommer, Sitzmöbel werden einheizen, und es wird Dachziegel mit integrierter Solarenergie geben.

Info: Diese Häuser werden umweltschonend gefertigt

1 SmartHouse. 2 Passivhaus von Carsten Grobe. 3 Passivhaus von Architektur Baubiologie. 4 Wohlfühlholzhaus von Baufritz

1 SmartHouse. 2 Passivhaus von Carsten Grobe. 3 Passivhaus von Architektur Baubiologie. 4 Wohlfühlholzhaus von Baufritz

Das Passivhaus Ein herkömmliches Heizverteilsystem ist hier meist überflüssig. Das Haus heizt und kühlt sich ganz einfach passiv und spart dadurch Energie und Nebenkosten: www.passivhaus.de www.mueller-perkuhn.de

Das SmartHouse ist ein mobiles Fertighaus, das individuell erweiterbar ist. Zur Verfügung stehen sechs verschiedene Varianten, die mit hoher Funktionalität und Energieeffizienz die Umwelt nur gering belasten, dabei aber vollen Wohnkomfort bieten: www.thesmarthouse.de

Das Wohlfühlhaus aus Holz speichert bis zu 40 Tonnen CO2 und trägt somit zur Verbesserung des Klimas bei. Zusätzlich wird mit schadstoffarmen und umweltschonenden Materialien gebaut: www.baufritz.de

Bauen und Sanieren: So kommen Sie an Fördermittel

Die gute Nachricht: Es gibt Zuschüsse. Das Problem: Es gibt derzeit rund 900 Förderprogramme von EU, Bund, Ländern, Kommunen oder Stadtwerken, mit verschiedenen Kriterien und Voraussetzungen.

Eine erste Orientierung gibt der BINE-Informationsdienst (gefördert vom Bundeswirtschaftsministerium) www.energiefoerderung.info

Größter Förderer ist die staatliche KfW-Bank, die günstige und langfristige Darlehen und Zuschüsse vergibt: Informationen unter Tel. 01 80/133 55 77. www.kfw-foerderbank.de

Eine individuelle und trotzdem preiswerte Beratung zum Energiesparen im Haushalt, Wer umweltfreundlich baut oder saniert, kann sich finanzielle Hilfe holen. Wir sagen, wo Guter Rat rund um den Hausbau zu Heizungstechnik oder Wärmeschutz findet man bei den Verbraucherzentralen. Unter der bundesweiten Servicenummer 090 01/363 74 43 (14 Cent/Minute) können Sie einen Termin für ein persönliches Beratungsgespräch vereinbaren. Kosten: fünf Euro. Infos unter www.verbraucherzentrale-energieberatung.de

Wer mit einem staatlich anerkannten "Vor-Ort-Energieberater" durchs Haus gehen möchte, findet eine Liste aller deutschlandweit zugelassenen Experten unter www.bafa.de (Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle). Für die ausführliche Energieberatung können Sie wiederum staatliche Zuschüsse in Anspruch nehmen.

BRIGITTE Heft: 10/08 Interview: Andrea Lepperhoff Texte: Beate Koma, Andrea Lepperhoff

Wer hier schreibt:

Beate Koma
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