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Holly Becker: "Mein Aufmerksamkeits-Radar ist immer offen"

Holly Becker von decor8 gehört zu den bekanntesten Wohnbloggerin der Welt. Im Interview erzählt sie von ihren Anfängen als Bloggerin, von der Themenfindung und warum Deutsche ihren Blog lieben.

© Thorsten Becker

BRIGITTE.de: Dein Blog decor8blog.com wird täglich von 48.000 Menschen besucht, und gehört zu den beliebtesten Designblogs der Welt. Wie ging es bei dir mit dem Bloggen los?

Holly Becker: Ich habe decor8 im Mai 2005 gegründet, aber erst im Januar des folgenden Jahres mit dem Schreiben begonnen. Damals waren Blogs nicht annähernd so weit verbreitet wie heute, und ich hab das Ganze als spaßiges Experiment betrachtet. Ich wollte mit dem Blog auch mein eigenes kleines Unternehmen bewerben, das ich als Einrichtungsberaterin hatte. Damals hatte ich keine Ahnung, dass das Schreiben über Inneneinrichtung eines Tages mein echter Beruf sein würde.

BRIGITTE.de: Wann hast du gemerkt, dass du vom Bloggen leben kannst?

Holly Becker: Im Jahr 2008, also nach gut zwei Jahren, habe ich durch die Werbeeinnahmen des Blogs, durch kleine Styling-Jobs und mit Schreibaufträgen für Magazine insgesamt mehr verdient als in meinem vorherigen Job in der Personalabteilung einer großen Firma. Da wusste ich endgültig, dass ich alles richtig gemacht hatte.

© Leslie Shewring

BRIGITTE.de: Wenn es in den Medien um Wohnblogs geht, wird decor8 immer genannt. Wie lange hat es gedauert, bis du und dein Blog von Zeitschriften und Zeitungen wahrgenommen wurdet?

Holly Becker: In Amerika wurden die Einrichtungs- und Frauenmagazine schon nach etwa einem halben Jahr auf mich und den Blog aufmerksam. Das lag aber auch daran, dass ich selber regelmäßig mit Themenvorschlägen dort angeklopft habe. So bin ich Kolumnistin und Stylistin für verschiedene Magazine geworden. Mein Blog fand so ganz automatisch regelmäßig Erwähnung in Zeitschriften. Deutsche Magazine sind zum ersten Mal 2008 von selbst auf mich zugekommen, was sicher auch daran lag, dass ich mit einem Deutschen verheiratet bin und auf meinem zweiten Blog (http://www.hollymaus.blogspot.com) über mein Leben in Deutschland schreibe.

BRIGITTE.de: Apropos Deutschland: Gibt es Themen, auf die deutsche Leserinnen besonders positiv reagieren?

Holly Becker: Ganz allgemein sind alle Posts besonders beliebt, in denen ich kreative DIY-Ideen zeige, Mood-Boards abbilde und auf sehr persönliche Weise über Themen schreibe, die mich beschäftigen. Die deutschen Leserinnen lieben es zudem, wenn ich über Dinge blogge, die ich hier in Deutschland entdeckt habe. Das können deutsche Designer sein oder typisch deutsche Einrichtungsobjekte. Es interessiert die Leserinnen hierzulande offenbar, wie ich als Amerikanerin ihre Kultur wahrnehme.

BRIGITTE.de: Dass wöchentlich neue Wohnblogs im Netz auftauchen, scheint dich nicht nervös zu machen – im Gegenteil: Du bietest so genannte e-courses für den Blogger-Nachwuchs an. Wie kamst du auf diese tolle Idee?

© Leslie Shewring

Holly Becker: Ich sehe andere Blogger nicht als Konkurrenten, sondern betrachte uns alle als Teil einer Community. Schon sehr früh wurde auf decor8 ein „Blog of the Week“ gekürt und vorgestellt. Den Online-Kurs "Blogging Your Way" (www.decor8eclasses.com) gibt es seit 2009. Ich habe schon immer viele Mails mit Anfragen rund ums Bloggen bekommen. Die individuelle Beantwortung hat mich viel Zeit und Energie gekostet – da lag es irgendwann nahe, mein Wissen zu bündeln und Kurse anzubieten. Momentan gibt es jedes Jahr zwei Online-Kurse, die jeweils vier bis sechs Wochen laufen. Beide sind immer schnell ausgebucht – in einem virtuellen Klassenzimmer sitzen 700 Schüler...

BRIGITTE.de: Und was steht auf dem Lehrplan?

Holly Becker: Es geht viel um Grundsatzfragen: Wie finden Blogger ihre Nische? Wie läuft der Prozess der Ideenfindung? Welche Methoden der Recherche gibt es? Wie gewinnt man Stammleser? Aber auch rechtliche Fragen und Anleitungen zur optischen Umsetzung sind wichtige Themen. Mehr vom Unterrichtsplan gibt es hier zu sehen: http://decor8blog.com/byw/course-outline

BRIGITTE.de: Klingt nach ganz schön viel Arbeit... nicht nur für die Schüler – sondern auch für dich!

Holly Becker: Erstmal stehe ich nicht ganz allein im Web-Klassenzimmer: Leslie Shewring (www.acreativemint.typepad.com) ist meine Partnerin. Sie ist Fotografin und Stylistin und gibt Tipps rund ums Thema Fotos und Bildästhetik. Als Technikexperten ist mein Mann Thorsten dabei. Er bereitet die Webcasts vor, die Teil des Kurses sind und verrät Kniffe zur Lösung technischer Probleme. Die Schüler müssen aber natürlich auch fleißig sein: Es gibt wöchentliche Hausaufgaben. Da bin ich streng!

BRIGITTE.de: Deine eigenen Blog-Beiträge sind oft sehr persönlich, als ob du an eine Freundin schreibst. Hast du beim Bloggen manchmal eine bestimmte reale Person vor Augen?

Holly Becker: Manchmal stelle ich mir tatsächlich vor, dass ich mit einer Freundin rede, aber da ich sehr gerne schreibe, kommen die Gedanken oft wie von selbst aus mir heraus...

© Holly Becker

BRIGITTE.de: Ist es nicht stressig, sich täglich neue Themen auszudenken? Woher kommen deine vielen Ideen?

Holly Becker: Mein Aufmerksamkeits-Radar ist quasi immer offen, und ich bin eine eher abstrakte Denkerin. Wenn ich im Wald einen Ast sehe, kann das mich zu einer Deko-Idee inspirieren, die ich Zuhause sofort mit Stoffresten und einer Dose Farbe umsetze. Auch das Logo auf einer Lebensmittel-Packung kann mir eine Inspiration sein. In meinem Kopf entspinnen sich dauernd kleine Geschichten, das ging mir schon als Kind so. Ich habe diese Fähigkeit inzwischen als ein Geschenk begriffen, das ich mitbekommen habe. Und ich möchte andere Menschen ermuntern, ihre eigene Kreativität auch als positive Kraft zu betrachten.

BRIGITTE.de: Deine Liebe für Inneneinrichtung und schöne Dekorationen ist natürlich die Grundlage deines Erfolgs, da du über Dinge bloggst, die dich begeistern. Wo kommt diese Leidenschaft her?

Holly Becker: Meine Mutter war Floristin und Landschaftsgärtnerin. Der Umgang mit dekorativen Dingen lag ihr sehr. Unser Heim war immer wunderschön: Tolle Tapeten, hübsche Farben, stets aufgeräumt und wohlriechend. Meine Mutter hat mir viel beigebracht und meine Kreativität gefördert. Ich habe schon als Kind gerne Möbel gerückt und meine Mutter mit neuen Ideen überrascht. Wir sind auch gerne zusammen durch Einrichtungsgeschäfte und über Flohmärkte gebummelt. Ich wusste schon sehr früh, dass ein schönes Heim glücklich machen kann.

© Holly Becker

BRIGITTE.de: Auf deinem Zweitblog http://www.hollymaus.blogspot.com sind immer wieder Bilder von deinem aktuellen Heim zu sehen. Wie würdest du deinen Wohnstil beschreiben?

Holly Becker: Mein Stil ist eklektisch, feminin, handgemacht und persönlich. Eigentlich ist meine Wohnung so wie mein Blog. Ich liebe es, alte Dinge mit Neuem zu mixen. Und Humor ist wichtig – man sollte beim Dekorieren nie zu ernsthaft sein. Es geht um Freude, nicht um Perfektion!

BRIGITTE.de: Als beständige Leserin internationaler Magazine und Blogs weißt du natürlich, wie sich die Looks einzelner Länder unterscheiden. Gibt es bestimmte Einrichtungsstile, die dich beeinflusst haben?

Holly Becker: In meinem Stilmix finden sich Einflüsse aus holländischen Magazinen, vom dänischen Design und außerdem auch aus England und Amerika.

BRIGITTE.de: Wie groß ist die Verlockung, jedes dritte Teil, dass du online vorstellst, für dich selbst zu bestellen? Wie oft klingelt bei dir der Paketbote?

Holly Becker: Er klingelt mehrfach täglich, bringt dann aber meistens Päckchen für meinen Mann. Ich kaufe online Bücher und Filme und Handgemachtes von kleinen Designern. Am liebsten kaufe ich aber in meiner Umgebung ein, in Hannover und Hamburg gibt es tolle Läden! Schön ist es außerdem, wenn man auf Reisen einkauft und mit einem Gegenstand zurückkehrt, der eine ganz eigene Geschichte hat. So geht es mir auch mit Flohmarkt-Schnäppchen...

BRIGITTE.de: Jeder Mensch hat sich nicht nur in der Mode gewisse Fehlgriffe geleistet, sondern auch beim Einrichten. Wenn du auf die Räume und Wohnungen deiner Vergangenheit zurückblickst: Welches waren deine Deko-Sünden?

Holly Becker: Mit 16 habe ich darauf bestanden, schwarze Lackmöbel mit Goldkante für mein Schlafzimmer zu bekommen. Wir lebten damals in Boston und ich hatte mein Zimmer selbst designt: Zu den schwarzen Möbeln gab es Bettwäsche und Tapete in Schwarz, Grau und Pink, dazwischen zartgrüne Akzente. Es sah nicht so schlimm aus wie es klingt, sondern eigentlich sogar ganz wunderbar. Trotzdem wird mir heute beim Gedanken an die schwarzen Möbel ganz schlecht...

BRIGITTE.de: Und jetzt ergänze bitte die folgenden Aussagen: Ein Deko-Trend, der immer stärker wird, heißt...

Holly Becker: Personalisierung.

BRIGITTE.de: Ein Look, der wirklich nicht mehr geht ist...

Holly Becker: Rauhfasertapete!

BRIGITTE.de: Ein Stil, der dir niemals gefallen wird:

Holly Becker: Wenn ein Raum aussieht wie eine Katalogseite.

BRIGITTE.de: Das wird nie aus der Mode kommen:

Holly Becker: Das Mixen von Stilen und Epochen.

BRIGITTE.de: Egal was gerade modisch ist, das wirst du immer lieben:

Holly Becker: Die Stoffe von Liberty London.

Video: Holly Becker sagt "Hello"!

An diesem Wochenende (Samstag, 12.11.) trifft sich Holly Becker - passend zur Veröffentlichung Ihres Buchs in Deutschland - in Berlin mit vielen Kreativ-Bloggern zu einem Blogger Event. Sie freut sich drauf - erzählt sie der Kamera, euch und Ihnen.

© Holly Becker

Holly Becker ist freie Journalistin und Interieur-Designerin. Schon lange vor dem Boom der amerikanischen Design-Blogs startete sie den Blog decor8blog.com, der mit 48.000 Besuchern täglich zu den erfolgreichsten Design-Blogs zählt. Ihr zweites Buch "Lust auf Wohnen" ist im August 2011 auch in Deutschland erschienen. Becker lebt mit ihrem Mann in Hannover.

Interview: Karina Bostelmann Fotos: Thorsten Becker (1), Leslie Shewring (2), Holly Becker (3)

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