MBT Schuhe: Schwankend zur Laufperfektion?

MBT-Schuhe sehen aus, als ob man noch nicht mal in ihnen gehen könnte. Doch immer mehr Läufer tragen MBT-Schuhe. Wir haben sie getestet.

Ein Schuh gegen schlechte Haltung

MBT Schuhe: Schwankend zur Laufperfektion?

MBT steht für "Masai Barefoot Technology". Der Schweizer Hersteller "Swissmasai" hat sich von der Idee verabschiedet, dass ein Schuh vor allem Stabilität bieten muss. Statt dessen sollen wir uns in diesen fühlen, als liefen wir barfuß über einen instabilen Untergrund – zum Beispiel Sand. Das Ziel: Die Muskeln fordern und damit diverse Übel bekämpfen: Knie-, Hüft- oder Rückenproblemen, schlaffen Bauch, schlechte Haltung.

Inzwischen haben verschiedene Wissenschaftler die Schuhe getestet. Benno M. Nigg, Professor für Biomechanik an der Universität Calgary (Kanada), etwa sagt , wenn man den MBT beim Stehen und Gehen trägt, trainiert er die Muskeln stärker als normale Schuhe.

MBT-Neulinge starten mit Trainer

Studien fürs Joggen mit dem MBT gibt es noch nicht. Inzwischen sieht man allerdings immer mehr Läufer, die mit dem MBT unterwegs sind. Das will ich auch ausprobieren. Ich treffe mich mit der Therapeutin und Personal Trainerin Anne Schütt im Park. Sie bietet Einweisungen für MBT-Neulinge an. Wer den Schuh kauft, bekommt automatisch einen Gutschein für eine Gruppeneinweisung. Etwa 30 Prozent nutzen das Angebot.

Etwas schwankend und ein paar Zentimter größer als sonst stehe ich auf meinen runden Schuhen vor Anne. Um das Gleichgewicht zu halten, muss ich aufrecht stehen und die Bauchmuskeln anspannen. Eine Art Sofort-Effekt: meine Haltung ist schon mal viel besser als sonst. Wenn ich den Fuß nicht richtig abrolle, was ins Gespräch vertieft ein paar mal passiert, schleift der Schuh am Boden. Ich werde automatisch zum richtigen Abrollen gezwungen - damit kann mein Laufstil eigentlich nur besser werden.

Verstecken geht nicht

Ich komme mir seltsam vor in den erhöhten Schuhen. Ich beschließe, in Zukunft wie Anne eine besonders lange Sporthose zu tragen, damit man die gewölbte Sohle nicht sieht, und bin überzeugt, dass dann niemand den Unterschied merkt.

Von wegen. Als ich einige Tage später die Straße entlang laufe, spricht mich ein junger Typ an. "Sag mal, was hast du denn für Schuhe an? Sind das diese MBTs?" Ich nicke. "Das habe ich gleich gesehen, an deinem locker-wippenden Gang". Verstecken kann man die Schuhe also nicht, auch wenn ich das wegen der komischen Sohle gern tun würde.

Die meisten Jogger laufen falsch

Meine MBT-Trainingsstunde beginnt mit Gehübungen. Anne zeigt mir, dass ich zuerst mit der Ferse auftreten muss, um dann auf der Außenkante nach vorne abzurollen. Durch den erhöhten Fersenbereich ist der Abstand zum Boden größer. Die Wadenmuskulatur wird gedehnt - ideal für Frauen, die gerne Absatzschuhe tragen.

Gehen geht schon ganz gut, aber laufen? Erst mal üben wir "Rolltraben" - Laufen in kleinen Tippelschritten. Dann soll ich richtig joggen. Die Trainerin erklärt, dass ich die Beine möglichst gerade halten soll und die Knie nicht nach oben ziehen. Der Kopf soll auf einer Höhe bleiben und nicht auf- und abwippen. Ich merke, wie ich verkrampfe. Das ist mir alles etwas zu kompliziert, ich will doch einfach nur Joggen.

Die Trainerin erklärt: Das, was sie mir zeigt, sei sowieso der richtige Laufstil. Nur viele könnten es eben nicht. Sie deutet auf einen Jogger, der uns mit weit ausholenden Schritten entgegen kommt. "Der zum Beispiel", sagt sie. "So wie der läuft, das knallt ganz schön in die Gelenke".

Der Sportarzt rät: Mit dem MBT nicht laufen

Richtig überzeugt bin ich von den MBTs als Laufschuh noch nicht – Zeit für eine zweite Meinung. Ich frage bei Dr. Til Steinmeier nach, einem Hamburger Sportarzt, zu dessen Kunden viele Läufer und Triathleten gehören. Er ist überzeugter MBT-Fan, dennoch: Zum Joggen würde er ihn nicht empfehlen. "Beim Laufen gibt es eine Flug- und eine Landephase. Die Gelenke werden dadurch mit dem zwei- bis dreifachen Körpergewicht belastet", erklärt Steinmeier. Durch die abgerundete Sohle seien die Belastung für die Gelenke und die Anforderungen an die Koordination wesentlich höher als bei normalen Laufschuhen.

Das kann selbst für geübte Jogger problematisch sein: "Schauen Sie sich normale Läufer doch mal an. 90 Prozent laufen unrund, bewegen sich nach oben und unten statt auf einer Höhe, und kommen mit platschenden Bewegungen auf." Die Folge: Häufig landen Patienten bei ihm, die mit dem MBT gelaufen sind und Sehnen oder Gelenkkapseln überlastet haben. "Das ist ein Therapiegerät und kein Sportschuh", sagt er.

Fazit: Ein toller Schuh für alle, die beim Stehen und Gehen ihre Haltung verbessern sowie Knie- und Hüftgelenk oder Rücken entlasten wollen. Aber Vorsicht beim Joggen: Der MBT sollte ausschließlich von geübten Läufern mit sehr gutem Laufstil als Trainingsergänzung genutzt werden, und das nur nach fachkundiger Anleitung. Für Sportarten mit abrupten schnellen Bewegungsabläufen wie Tennis ist der Schuh ungeeignet.

Produktinfo: Die Schuhe kosten je nach Modell um die 200 Euro. Weitere Infos und eine Händler-Übersicht gibt es bei www.swissmasai.de

Text und Fotos: Monika Herbst

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Monika Herbst
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