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Katzen-Erziehung: Wie klappt's?

Mit etwas Einfallsreichtum, meint Tierpsychologin Christine Hauschild. Im Interview gibt sie Tipps für die Erziehung ihrer Katze.

BRIGITTE.de: Katzen gelten als eigensinnig - kann man sie überhaupt erziehen?

Christine Hauschild: Man kann Katzen erziehen, wenn man es richtig angeht. Ein paar Fehler werden allerdings oft gemacht: Es ist kein guter Weg, mit Katzen zu schimpfen oder sie anderweitig zu strafen. Zum Beispiel wird gern die Wasserpistole rausgeholt. Leider wird sogar in vielen Katzenratgebern empfohlen, dass man die Katze damit - vermeintlich anonym - "abschießen" soll, wenn sie zum Beispiel auf den Esstisch springt. Das funktioniert aber in den meisten Fällen nicht.

BRIGITTE.de: Warum nicht?

Christine Hauschild: Eine Strafe muss exakt das richtige Maß treffen, so dass die Katze sie als unangenehm empfindet, aber keine Angst bekommt. Außerdem muss sie wirklich jedes Mal erfolgen, wenn die Katze etwas Verbotenes tut. Die Katze merkt aber meistens schnell, dass ihr nur in Anwesenheit ihrer Besitzer auf dem Esstisch schlimme Dinge passieren. Entsprechend geht sie weiterhin auf den Tisch, wenn ihre Menschen nicht da sind. Außerdem können solche Strafen eine Nebenwirkung haben, die viele nicht bedenken und über die sie dann später sehr unglücklich sind: Die Katze merkt, wer sie mit Wasser beschießt, und verliert das Vertrauen zu diesem Menschen.

BRIGITTE.de: Was empfehlen Sie anstelle solcher Strafen?

Christine Hauschild: Statt darüber nachzudenken, was die Katze lassen soll, sollte man lieber überlegen: Was kann die Katze eigentlich tun? Wie kann sie sich richtig verhalten? Statt der Katze zu verbieten, auf den Tisch zu springen, während man isst, kann man einen Stuhl für sie neben den Tisch stellen. Dann macht man es für die Katze lohnenswert, auf dem Stuhl sitzen zu bleiben, indem man ihr dort regelmäßig kleine Belohnungen gibt. Falls sie dennoch auf den Tisch springt, nimmt man sie sanft runter, setzt sie wieder auf den Hocker und gibt ihr dort nach einem kurzen Moment ruhigen Sitzens erneut einen kleinen Leckerbissen. So bekommt die Katze schnell raus: "Wenn ich auf dem Stuhl sitze, bekomme ich etwas dafür" - und sie wird freiwillig dort sitzen bleiben. Wichtig ist, dass die Halter sich während des Trainings Zeit nehmen, beim Essen auf ihre Katze zu achten und konzentriert mit ihr zu üben. Der Schlüssel zur Erziehung von Katzen liegt in der positiven Verstärkung, also im Belohnen des erwünschten Verhaltens. Mit dem sogenannten Clickertraining ist es sogar möglich, der Katze ganz spielerisch und freundlich verschiedene Tricks beizubringen, zum Beispiel durch einen Reifen zu springen oder auch freiwillig und stressfrei in eine Transportbox zu gehen.

BRIGITTE.de: Viele Katzenbesitzer klagen darüber, dass ihre Katzen unsauber sind - haben Sie auch hier einen Tipp, der ohne Bestrafungen auskommt?

Christine Hauschild: Die meisten Katzen reagieren mit Abneigung gegen alles, was Zwang, Druck oder Stress ist. Eine Katze zu nehmen und in die Toilette zu zwingen ist ein sicherer Weg, ihr das Klo zu vermiesen. Es hilft stattdessen sehr viel, einfach ein paar Grundregeln zu beachten.

BRIGITTE.de: Welche Regeln sind das?

Christine Hauschild: Die Katzentoiletten müssen in ausreichender Anzahl vorhanden sein - mindestens eine Toilette mehr, als Katzen im Haushalt leben. Katzen bevorzugen meist offene Toiletten mit feiner, nicht duftender Streu. Die Toiletten sollten nicht alle eng beieinander stehen, sondern räumlich getrennt. Wenn Katzen sich draußen selber "stille Örtchen" suchen, dann verrichten sie nicht am gleichen Ort großes und kleines Geschäft, sondern legen dazwischen gern eine gewisse Distanz zurück. Selbstverständlich sollte die Katzentoilette mindestens einmal täglich saubergemacht werden, gerne auch öfter. Manche Katzen gehen nicht in eine Toilette, die schon einmal benutzt wurde. Wenn eine solche Katze dann unsauber wird, tut sie das nicht, um dem Menschen eins auszuwischen - sondern weil sie sich vor dem schmutzigen Klo ekelt.

BRIGITTE.de: Es kommt aber doch vor, dass Katzen trotzdem den Teppich nutzen, selbst wenn genug Toiletten da sind.

Christine Hauschild: Man sollte natürlich immer auch an Krankheit denken. Wenn eine Katze plötzlich unsauber wird, sollte der erste Weg zum Tierarzt führen, um zum Beispiel eine Blasenentzündung auszuschließen. Es gibt eine Vielzahl von Krankheiten, die Unsauberkeit auslösen können. Ein weiterer Grund für Unsauberkeit ist auch Angst: Wenn mehrere Katzen im Haushalt wohnen, kommt es vor, dass eine Katze der anderen den Weg zum Klo versperrt. Oder sie auf dem Klo überfällt - was dazu führen kann, dass die überfallene Katze sich nicht traut, auf die Katzentoilette zu gehen. Schließlich kann es auch noch sein, dass die Katze mit Urin ihr Revier markiert. Das passiert oft, wenn mehrere Katzen zusammen in einer Wohnung gehalten werden und durch die Anwesenheit der anderen Katzen Stress empfinden.

BRIGITTE.de: Was kann man tun, damit mehrere Katzen sich besser vertragen und sich nicht gegenseitig angreifen oder bedrohen?

Christine Hauschild: Alle Ressourcen, die für die Katzen wichtig sind, müssen in ausreichender Menge da sein, damit keine Konkurrenz entsteht. Das reicht von streichelnden Händen über sonnige Fensterplätze bis zu Kratzmöglichkeiten. Je mehr Plätze man schafft, insbesondere erhöhte Plätze, an denen die Katzen sich von Menschen und anderen Katzen zurückziehen oder das Treiben aus sicherer Entfernung beobachten können, desto besser kommen alle miteinander aus. Und man muss die Katzen beschäftigen und mit ihnen spielen, so dass sie ihren Jagdtrieb ausleben können - besonders dann, wenn man eine ruhige Katze hat und dazu eine zweite, die aktiv und verspielt ist und großen Spaß daran hat, die ruhigere Katze zu jagen und einzuschüchtern. Es gibt aber auch sehr unglückliche Katzenkonstellationen, bei denen diese eigentlich einfachen Grundsätze nicht ausreichen. Professionelle Hilfe kann dann die besten Lösungen aufzeigen, damit die Lebensqualität aller Beteiligten gewahrt wird.

BRIGITTE.de: Viele Erziehungsprobleme sind also in Wirklichkeit nur Ressourcenprobleme?

Christine Hauschild: Ja, in großem Maße. Wenn man die Bedürfnisse der Katzen berücksichtigt und ihr Umfeld richtig gestaltet, dann klappt insbesondere das Zusammenleben mit dem Menschen meistens gut. Allerdings ist es noch immer nicht selbstverständlich, dass Katzenhalter sich über die Bedürfnisse ihrer Katzen umfassend informieren. Ich plädiere auch dafür, dass die Menschen bei manchen Regeln noch einmal überlegen, ob sie wirklich notwendig sind - gerade bei Wohnungskatzen. Einige Leute möchten nicht, dass die Katze zum Beispiel auf die teuere Kommode springt. Aber eine Wohnungskatze, die 15 Jahre lang in einer 60 Quadratmeter großen Wohnung lebt, hat wenig Abwechslung - je mehr Tabuzonen man ihr in der Wohnung zusätzlich setzt, desto weniger bleibt für sie übrig. Mit etwas Kreativität und schönen Dekorationsideen lassen sich aber viele Einrichtungsgegenstände so verwandeln, dass Mensch und Katze sie gemeinsam nutzen können.

BRIGITTE.de: Nun gibt es ja Verhaltensweisen, mit denen man sich tatsächlich nicht abfinden möchte - etwa wenn die Katze kratzt oder beißt.

Christine Hauschild: Wenn die Katze beim Spielen die Hand des Menschen als Beuteobjekt sieht und da reinkrallt und reinbeißt, liegt das in der Tat häufig an einer falschen Erziehung. Dieses Verhalten haben die Menschen der Katze oft beigebracht, als sie noch sehr klein war. Wenn ein kleines Kätzchen sich an den Arm krallt, ist das noch niedlich. Besonders Männer spielen dann gerne richtige Kampfspiele mit der Katze und machen sich keine Gedanken darüber, dass aus diesem Kätzchen mal ein sechs Kilo schwerer Kater wird. Um einer Katze das wieder abzugewöhnen, sollte man nicht selber grob werden, sondern für etwa 15 Sekunden das Spiel unterbrechen, sobald die Katze zu ruppig wird. Und grundsätzlich nur Spielzeuge benutzen, die die Hände aus der Reichweite der Katze lassen - zum Beispiel Spielangeln oder Stäbe mit Federn am anderen Ende. Entscheidend ist, dass der Mensch der Katze beim gemeinsamen Spielen genug geeignete und spannende Beuteobjekte anbietet. Aggressionen können aber auch ganz andere Ursachen haben und wenn sie auftreten, ist große Vorsicht geboten, da Katzen schwere Verletzungen anrichten können. Wenn eine Katze regelmäßig beißt oder kratzt, ist dies häufig ein Anzeichen dafür, dass etwas nicht stimmt. Um Katze und Mensch zu schützen, sollte unbedingt die Ursache für die Aggressionen herausgefunden und behoben werden.

BRIGITTE.de: Welche Probleme kann man selbst lösen - und wann sollte man mit der Katze lieber zum Tierpsychologen gehen?

Christine Hauschild: Wenn die Katze ein Verhalten zeigt, das den Menschen stört, sollte man natürlich zunächst selbst eine Lösung suchen. Allerdings bitte ich alle Katzenhalter inständig, dabei jegliche Form von Strafen wie Schimpfen, Bewerfen oder einen Klaps geben aus ihrem Reportoire zu streichen! Wenn man mit den eigenen Ideen nach spätestens einem Monat nicht erfolgreich ist, macht es Sinn, sich Hilfe zu holen, damit sich ein Verhalten gar nicht erst noch weiter verfestigen kann. Wenn man mehrere Katzen hat, lohnt es sich, bei stärkeren Spannungen Hilfe in Anspruch zu nehmen, um eine mögliche Eskalation zu vermeiden. Zum Beispiel sind Kampfspiele zwischen Katzen nur solange harmlos, wie die Rollen wechseln. Professioneller Rat ist auch anzuraten, wenn eine Katze sich am Bauch oder an den Beinen kahl leckt oder plötzlich länger als einen Tag lang oder in regelmäßig wiederkehrenden Situationen große Angst zeigt, sich zurückzieht und versteckt und eventuell bei versuchter Annäherung faucht. Bei allen plötzlich auftretenden Verhaltensänderungen sowie bei Aggressionen sollte man zusätzlich grundsätzlich sofort zum Tierarzt gehen und prüfen lassen, ob die Katze gesund ist.

Christine Hauschild ist geprüfte Tierpsychologin und berät in ihrer Praxis vor allem Katzenbesitzer. Ihr Buch "Stille Örtchen für Stubentiger". Unsauberkeit bei Katzen verstehen und Lösungen finden" ist im BoD-Verlag erschienen. Christine Hauschild lebt mit ihren Katzen ZsaZsi und Eazy in Hamburg.

Interview: Swantje Wallbraun Foto: iStockphoto.com

Wer hier schreibt:

Swantje Wallbraun

Kommentare (8)

Kommentare (8)

  • Anonymer User
    Anonymer User
    Meine Katze ist total Aggresiv (beißen und kratzen) wenn man sie streichelt ich würde ihr das gerne abgewöhnen weis aber nicht wie
  • Anonymer User
    Anonymer User
    Auserdem hängt sie immer in den fohrhängen
  • Anonymer User
    Anonymer User
    Unsere Katzen 12 Wochen wird extrem böse wenn man sie hält (natürlich nicht fest, ganz sanft)faucht,kratzt, beisst und meint dass wir ihr etwas Böses tun wollen.Auserdem macht sie überall herum worauf wir nicht sehr stoltz sind, am aben dreht sie auf und meint das sie in den Fuß beissen.Sonst ist sie eigentlich sehr freundlich.liebe grüße M21
  • Anonymer User
    Anonymer User
    Mein Kater manni, 9 Monate und kastriert springt ständig an den Wänden. Er zerkratzt alles aber auch wirklich alles. Ich habe zwei große Katzenbäume und kratzbretter, er darf jedes Zimmer betreten. Am Tage spiele ich mit ihn, werfe Bälle die er holt, spiele mit dem Laserpointer, so dass er ausgepowert ist. Nichts hilft! Fernhaltesprays hatte ich auch schon, hat auch nichts gebracht. Nun habe ich mir eine Katze dazu geholt, in der Hoffnung, es wird vielleicht besser obwohl bei ihn so oder so keine langeweile herrschen sollte. Abends kuschelt er ca. 10 min, manchmal auch Nachmittags und dann geht's wieder los an die tapeten.
  • Anonymer User
    Anonymer User
    Liebe Jessica,



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