Umzug: die besten Tipps

Vier Mal in dreieinhalb Jahren hieß es für BRIGITTE.de-Redakteurin Angelika Unger: Umzug. Dabei hat sie acht Lektionen gelernt.

Meine alten, längst ungültigen Adressen füllen inzwischen eine ganze Seite in den Adressbüchern meiner Freunde. Einer erklärte mir erst kürzlich, er habe meine aktuelle Adresse auf ein Post-it geschrieben und in sein Adressbuch geklebt: "Ändert sich ja eh demnächst wieder."

Allein vier Mal habe ich in den letzten dreieinhalb Jahren Kisten gepackt, Möbel aufgebaut und Rundmails mit einer neuen Adresse verschickt. Bin ich nun ein echter Umzugsprofi? Auch bei mir geht noch immer genug schief - aber zumindest die folgenden acht Lektionen habe ich gelernt.

Packen Sie nicht zu früh!

Wo ist denn bloß der Spätzlehobel/die Fahrradpumpe/der Dänemark-Reiseführer? Na klar, längst eingepackt. Sobald Sie den Kistendeckel über ihnen geschlossen haben, werden Sie sie plötzlich dringend brauchen - die Dinge, die Sie im letzten halben Jahr nicht ein einziges Mal vermisst haben.

Dann räumen Sie ein halbes Dutzend Kisten wieder aus. Und das, was sie suchen, ist immer ganz unten in der letzten Kiste - wetten? Ein guter Grund, Umzugskisten erst in letzter Minute zu packen!

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Misten Sie vor dem Einpacken aus!

Bloß nicht zu früh packen! Warum, habe ich gerade erklärt. Aber auch Last-Minute-Packen hat seine Tücken: Alles muss immer schnell-schnell gehen, schließlich gibt es kurz vor dem Umzug so viel anderes zu tun. Also Schrank auf, Kiste davor und rein mit dem ganzen Plunder.

So habe ich es bisher immer gemacht. Und mich beim Auspacken jedes Mal schwarz geärgert, wenn ich eingelaufene T-Shirts, angeschlagene Teller und fusselnde Badezimmer-Vorleger in den Händen hielt. Das große Ausmisten habe ich dann aber trotzdem immer verschoben - man will ja schließlich mal fertig werden mit dem Einräumen, die Umzugskisten lassen die neue Wohnung so ungemütlich aussehen...

Mein guter Vorsatz für den nächsten Umzug: Ich miste aus, bevor ich einpacke. Dann muss ich auch weniger schleppen.

Besorgen Sie genug Kartons!

"Ich habe noch eine Menge Umzugskartons auf dem Dachboden", sagte mein netter Kollege Henning. Großartig, immerhin kostet ein Karton mindestens 2,50 Euro, und ein Umzug ist auch dann teuer genug, wenn man keine Kartons kaufen muss.

Zehn Kartons hatte ich schon gepackt, als ich zu Henning fuhr. Weitere 15 hatte er im Flur für mich bereit gestellt. "Reichen die?", fragte er. "Auf dem Dachboden habe ich noch mehr." Ich winkte lässig ab, fuhr nach Hause und packte - und fuhr am Tag vorm Umzug schließlich doch fluchend zum Baumarkt, um Nachschub zu besorgen. Nächstes Mal plündere ich Hennings Dachboden! Obwohl, wenn ich vorher ausmiste...

Bestellen Sie doppelt so viele Umzugshelfer wie nötig!

"Du ziehst um? Na klar helf' ich dir!" Zwei schlichte kleine Sätze, die beim Umziehenden große Hoffnungen wecken - zu unrecht, wie ich mehr als einmal feststellen musste. Denn je näher der Umzugstermin rückt, desto mehr häufen sich die zerknirschten Absagen. Die Fernbeziehung muss besucht werden! Eine dringende Dienstreise! Und dann ist da noch die kranke Katze, die dringend zum Tierarzt gebracht werden muss!

Das soll keine Unterstellung sein - es gibt genug gute Gründe, den Samstagmorgen nicht mit den Umzugskisten anderer Leute zu verbringen. Das ändert aber nichts daran, dass jede Absage die sorgfältige Planung ins Wanken und den Umziehenden an den Rand der Verzweiflung bringt. Daher sollte man immer doppelt so viele Helfer einplanen, wie man tatsächlich braucht.

Am Ende helfen dann oft die, von denen man es am wenigsten erwartet oder gar verlangt hätte. Bei meinem vorletzten Umzug etwa waren es zwei ehemalige Redaktionspraktikanten.

Leisten Sie sich professionelle Helfer!

Irgendwann haben es auch die besten Freunde satt, Gefrierschrank, Waschmaschine und die 2,20 Meter hohe Yucca-Palme vom vierten Stock des einen in den dritten Stock eines anderen Hauses zu schleppen. Deshalb liebe ich Herrn Claus, der mit seinem Sohn Thomas und einem Transporter beliebiger Größe zu meinen Umzügen kommt, alles zusammen für 40 Euro die Stunde. Seine Telefonnummer kursiert inzwischen unter Freunden und Kollegen, er ist schon mit meinem ehemaligen Chef umgezogen, mit meiner Freundin und meinem Ex-Freund.

Das heißt nicht, dass ich bei meinem eigenen Umzug die Hände in den Schoß lege. Es ist aber ungemein beruhigend zu wissen, dass jemand da ist, der klaglos die schweren Bücherkartons hochschleppt.

Rechnen Sie mit der Heimtücke der Vermieter!

Als ich neu war in Hamburg, wohnte ich zur Zwischenmiete - bei einem Studenten, der für ein Jahr ins Ausland ging. Als er zurückkam, wollte er verständlicherweise wieder in seiner Wohnung wohnen, und die Wohnungsübergabe war so nett, dass ich ganz vergaß, nach einem Übergabeprotokoll zu fragen.

Am Tag drauf rief er mich an und wollte das Zimmer noch mal gemalert haben, die Farbe sei nicht gleichmäßig aufgetragen. Zum wahren Eklat kam es aber erst später: Er beschuldigte mich, ich hätte ein Nilpferd-Brettchen mit eingebrannter Widmung seiner Mutter mitgehen lassen, und informierte darüber eben diese Mutter, die mich daraufhin anrief und wüst beschimpfte. (Ich schwöre: Dies hat sich wirklich genau so zugetragen!)

Große Hausverwaltungen und Wohnungsbaugenossenschaften gehen in solchen Angelegenheiten glücklicherweise etwas professioneller vor. Doch auch hier sollte man sich auf böse Überraschungen gefasst machen. "Keinesfalls Familien mit Kindern, keine jungen Paare, keine Selbstständigen, keine Menschen mit befristeten Verträgen - am liebsten ein kinderloser Single mit überdurchschnittlichem Gehalt" - diese Anforderungen an potenzielle Nachmieter teilte mir meine letzte Hausverwalterin mit.

Gegen Zumutungen dieser Art helfen nur starke Nerven und eine Mitgliedschaft im Mieterbund.

Seien Sie Maklern gegenüber misstrauisch!

Im Krieg, in der Liebe und bei der Wohnungssuche ist alles erlaubt. Nirgends sonst wird so viel geschummelt, gelogen und schöngeredet. Bei einem Besichtigungstermin etwa wurde ich Zeuge, wie ein Mitbewerber den Makler mit den Worten umschleimte: "Meine Verlobte promoviert gerade, sie ist dann demnächst eine Frau Doktor Schmidt." Ob der Makler sich von dieser Information beeindrucken ließ, ist mir nicht bekannt. Ich zumindest habe die Wohnung nicht bekommen.

Ein schlechtes Gewissen müssen Wohnungssuchende aber deshalb nicht haben - schließlich verhält sich die Gegenseite ähnlich schamlos. Liegt die Wohnung direkt an einer sechsspurigen Straße, ist sie "zentral", "gemütlich" bedeutet garantiert winzig, dunkel und verwinkelt und welche Nebenkosten zur Miete hinzukommen, geben Makler oft erst auf Nachfrage zu.

Mein persönliches Highlight war eine bevorstehende Schwammsanierung, von der ich erst erfuhr, als ich bereits eingezogen war. Seitdem halte ich mich streng an die Devise: Vertraue niemandem - schon gar nicht, wenn er eine Wohnung loswerden will.

Wappnen Sie sich für die Zeit ohne Telefon!

Sie wollen am Montag nach Ihrem Umzug aus dem Festnetz telefonieren können? Vergessen Sie's! Mein Rekord im Warten auf einen Telefonanschluss liegt bei zehn Wochen. Und natürlich kann der Telekom-Techniker den Anschluss nur im arbeitnehmerfeindlichen Zeitfenster zwischen 9 und 16 Uhr freischalten - planen Sie also besser einen Urlaubstag dafür ein.

Oder noch besser gleich zwei. Nach meinem letzten Umzug etwa wartete ich den ganzen Tag vergeblich auf den bestellten Techniker. Es waren quälend lange Stunden des Wartens, in denen ich weder zu duschen noch staubzusaugen wagte, aus Angst, ich könnte die Klingel überhören. Am Ende beschied man mir in der Hotline, der Techniker habe versucht, mich anzuschließen, aber ich sei wohl nicht da gewesen. Eine Woche später hat es dann schließlich doch noch geklappt.

Viel kann man nicht tun gegen den Terror der Telefonlosigkeit. Drei Vorschläge zur Schadensbegrenzung: Wechseln Sie in einen Handyvertrag mit billigeren Gebühren. Bringen Sie die Adresse des nächsten Internetcafés in Erfahrung. Erwägen Sie die Anschaffung einer UMTS-Karte - Surfen übers Handy ist heute gar nicht mehr so teuer, wie viele glauben.

Extra-Service: Die Umzugs-Checkliste

Wenn Sie sich an dieser Checkliste orientieren, überstehen Sie den Umzug ohne Stress.

Etwa einen Monat vorher

Neue Adresse bekannt geben Großartig! Sie haben endlich eine neue Adresse! Die Freude darüber sollten Sie keinesfalls für sich behalten, sondern so schnell wie möglich mit vielen teilen. Von Bank bis Zeitungslieferant dürfen Sie jetzt wacker wiederholen: "Hallo, meine neue Anschrift lautet..." Diese kleine Übersicht hilft, dass Sie niemanden vergessen.

Verträge rund um die Wohnung >> Anbieter von Festnetzanschluss und evtl. Internetanschluss (ggf. neuen Anschluss beantragen) >> Strom >> Gas >> Wasser >> Fernwärme

Ämter/Behörden >> Straßenverkehrsamt, um Kfz-Zulassung umzuschreiben >> Finanzamt >> Kindergarten/Schule >> Evtl. Agentur für Arbeit

Versicherungen >> Krankenkasse >> Haftpflicht >> Hausrat >> Kfz-Haftplicht >> Lebensversicherung >> Berufsunfähigkeitsversicherung >> Unfallversicherung >> Hausratversicherung >> evtl. weitere

Bank >> Girokonto >> Kreditkarten (falls separat von Bankinstitut) >> Depots >> Bausparvertrag

Sonstige >> GEZ >> Mobilfunkanbieter >> Ärzte >> Steuerberater >> Anwalt >> Abonnements >> Mitgliedschaften (z.B. Fitnessstudio, Verein)

Meist kommt es dennoch vor, dass Umzugstrubel einige Institutionen durch die Lappen rutschen. Daher lohnt auf alle Fälle ein Nachsendeantrag bei der Post. So geht nichts verloren und Sie können nach und nach alle Absender über Ihren neuen Wohnort informieren.

Umzug vorbereiten >> Ausmisten! Keller und Boden entrümpeln >> Sperrmüll entweder schon wegfahren oder Termin anmelden >> Transporter mieten >> Mit Schönheitsreparaturen beginnen >> Sonderurlaub beim Arbeitgeber einreichen >> Halteverbotsschilder für den Umzugstag beantragen >> Übergabetermin für alte und neue Wohnung absprechen >> Eventuell Babysitter organisieren >> Umzugshelfer schonend auf ihre tragende Aufgabe vorbereiten

Etwa zwei Wochen vorher

>> Weiter entrümpeln (braucht man wirklich diese Popcorn-Maschine?) >> Mit dem Packen beginnen. Dabei die Kartons möglichst so beschriften, dass a) die Umzugshelfer wissen, in welchen Raum sie sollen und b) Sie selbst den Überblick behalten, was in welchen Kartons liegt >> Die Tiefkühltruhe leer schlemmen und danach abtauen

Etwa eine Woche vorher

>> Möbel demontieren. Dabei die Teile mit Bleistift beschriften und die Schrauben in kleinen Tütchen sammeln und direkt am jeweiligen Teil befestigen >> Empfindliche Böden wie Parkett und Laminat mit Pappe oder ähnlichem Material schützen, damit sie beim manchmal hektischen Werkeln nicht allzu sehr zerkratzen >> Ausreichend Müllbeutel, Reinigungsmittel besorgen >> Möbelstellpläne für die neue Wohnung erstellen >> Werkzeugkiste packen

Einen Tag vorher

>> Getränke und Snacks für die Umzugshelfer einkaufen >> Packen der letzten, wichtigen Dinge, z.B. wichtige Unterlagen, Wertgegenstände, Essentielles zum Wohlfühlen (Kuschelkissen, Parfüm, Zahnbürste) >> Kleidung für den Umzugstag herauslegen, vielleicht ein Outfit für den Tag danach Kühlschrank abtauen >> Pflanzen verpacken, kleinere in Kartons mit Zeitungspapier als Puffer, größere mit guten Wünschen für einen möglichst unbeschadeten Wohnortwechsel versehen >> Verbandkasten herauslegen, Pflaster obenauf >> Werkzeugkiste bereit stellen >> Empfindlichen Fußboden abdecken >> Umzugsfahrzeug abholen

Am Umzugstag

>> Zählerstände ablesen (Wasser, Strom, Gas, Fernwärme) >> Snacks vorbereiten (der Klassiker: belegte Brötchen oder Kartoffelsalat mit Würstchen >> Helfer einweisen, insbesondere auf Zerbrechliches hinweisen >> Klingel- und Türschilder abnehmen

In der neuen Wohnung

>> Beim Einwohnermeldeamt innerhalb einer Woche nach Einzug melden >> Einweihungsparty vorbereiten >> Grandioses Dankeschön-Essen für die Umzugshelfer organisieren.

Buch-Tipp

"Das Umzugsbuch" von Judith Borowski Wie beeindrucke ich Vermieter? Was bedeutet "besenrein"? Und wie öffne ich eine Weinflasche ohne Korkenzieher? Judith Borowski gibt Antworten auf die vielen unverhofften Fragen, die während eines Umzugs auftauchen und zeigt, wie man den Wohnungswechsel ohne Nerven-zusammenbruch überlebt. Praktisch, informativ unterhaltsam! (Callwey Verlag, 208 Seiten, 19,95 Euro, ISBN 978-3-7667-1771-9)

Text: Angelika Unger Checkliste: Bianca Gerlach Foto: ClipArt

Wer hier schreibt:

Angelika Unger

Kommentare (6)

Kommentare (6)

  • Anonymer User
    Anonymer User
    Gääähn, lustig geschrieben, aber wer kein Student mehr ist, kann von diesen Tipps nicht profitieren oder hat eine rosa Brille auf….:-/



  • Anonymer User
    Anonymer User
    Bei mir steht bald ein Anzug an, deshalb bin ich wirklich dankbar für diese Tipps. Genau das habe ich gesucht!
  • Anonymer User
    Anonymer User
    Jaaa, die Popcornmaschine braucht man wirklich! Aber nicht, um damit einen leckeren Fernsehsnack herzustellen, der nie so schmeckt wie im Kino. Sondern um günstige kompostierbare Verpackungschips zu machen.
  • Anonymer User
    Anonymer User
    Empfehlenswert, die Umzugskisten durchzunummerieren und entsprechenden Inhalt samt dazugehöriger Nummerierung auf eine Liste setzen. Ist zwar aufwendig aber ermöglicht sehr zeitiges Packen und ggf. die Wiederfindbarkeit der einzelnen Gegenstände, wenn sie lange vor dem Abtrasport oder danach benötigt werden.

  • Anonymer User
    Anonymer User
    Bei der Wohnungssuche hat sich bewährt: ein ausgefülltes Blatt mit Foto und allen wichtigen Daten erstellen und bei der Besichtigung mitnehmen - das erspart den Maklern Zeit. Oder ganz unkonventionell: eine liebevolle Anzeige mit Foto (von sich oder Blumen die einen neuen Balkon suchen) in dem Viertel verteilen (bzw. an Masten kleben) in dem man wohnen möchte. leteres hat bei meiner Schwester in München und bei einer Bekannten in Hamburg geklappt.
Bild Montagsnl

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