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BRIGITTE: Wenn man einer frisch getrennten Freundin sagt, dass der Schmerz irgendwann nachlässt, wird sie das erst mal nicht glauben. Kann es in dieser Phase überhaupt gelingen, eine positive Vision zu entwickeln?
Heide Gerdts: Das hängt unter anderem davon ab, was für Erfahrungen ein Mensch in der Vergangenheit mit Trennung gemacht hat. Jemand, der gute Trennung erlebt hat, sei es, dass die Eltern sich einvernehmlich getrennt haben, sei es, dass die Ablösungsphasen von den Eltern in der Kindheit gut verlaufen sind, kommt schneller wieder auf die Beine als jemand, der Trennung als traumatisch erleben musste. Aber entscheidend ist sicher, wie die Trennung eingeleitet wurde, wer der aktive Part war. Es ist meist deutlich leichter, wenn man selbst die Entscheidung getroffen hat: Ich ziehe einen Schlussstrich, ich gehe jetzt. Danach ist man auch nicht unbedingt gleich glücklich, man fühlt sich aber handlungsfähig, nicht nur ausgeliefert und ohnmächtig. Oft hat man schon intuitiv das Gefühl: Das, was danach kommt, wird besser sein, als so hier ewig weiterzuleben.
BRIGITTE: Aber selbst, wenn wir einsehen, dass die Trennung richtig und unvermeidbar war, fühlen wir uns danach erst mal schwer angeschlagen.
Heide Gerdts: Weil wir plötzlich allein sind, der Traum, mit diesem Menschen glücklich zu leben, gescheitert ist, wir verletzt und gekränkt sind oder Schuldgefühle haben, weil wir gegangen sind. Das ganze Leben verändert sich, die vertrauten Alltagsabläufe gibt es nicht mehr. Wer das nicht gleich füllen kann oder will, geht automatisch durch Phasen der Trauer. Es gibt natürlich Menschen, die können sich da besser ablenken, indem sie ein neues Projekt anfangen, gern auch eine neue Beziehung nach altem Muster eingehen.
BRIGITTE: Männer machen das ja ausgesprochen gern.
Heide Gerdts: Ganz simpel, weil sie es können. Männer können mehrmals hintereinander den gleichen Lebensentwurf wählen. Mit Ende 40 kann sich ein Mann noch mal eine Frau suchen, mit der er eine neue Familie gründet. Ich habe hier oft Patientinnen, die nach einer Trennung völlig vor den Kopf geschlagen sind und sagen: "Ich krieg das über die Kinder mit, der liest die gleichen Gedichte vor, macht den gleichen Urlaub - es ist haargenau, wie es bei uns in der Anfangsphase war..." Wie eine ritualisierte Werbungsphase mit neuer Partnerin.
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