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Nein, sie glaubt nicht, dass der Richtige erst noch kommen muss. Sie ist auch keine unterdrückte Homosexuelle. Ihre Eltern haben sie weder geschlagen noch vernachlässigt, sie wurde nicht missbraucht. Nein, sie ist nicht unfähig, Beziehungen aufzubauen. Sie denkt nicht, Sex sei schmutzig, sie verachtet niemanden, weil er ein Bedürfnis danach hat. Nein, sie vermisst nichts. Wirklich nicht. Sie hat nun einmal einfach keine Lust auf Sex. Sie mag keinen Sex, sie mochte ihn nie: Katharina B. (Name von der Redaktion geändert) ist asexuell.
Seit sie vergangenes Jahr im Internet auf das Asexuellen-Netzwerk AVEN gestoßen ist, weiß sie, dass sie nicht die Einzige ist, die Sex lästig findet und sich auch nicht selbst befriedigt. Das Forum wurde 2002 in den USA gegründet, einen deutschen Ableger ( www.asexuality.org/de) gibt es seit Januar. Ihrem Ziel, Asexualität als eine von vielen möglichen Spielarten menschlicher Sexualität auch hierzulande ins allgemeine Bewusstsein zu rücken, sind die Initiatoren bereits ein Stück näher gekommen. Zeitschriften und TV-Sender stürzen sich auf das Thema. Menschen, die bekennen, keine Lust zu haben: In einer vom Sex besessenen Welt ist das eine Sensation, weiß Katharina.
Schon als Katharina klein war, wunderten sich ihre Eltern darüber, dass sie nie schmusen wollte. Vielleicht, sagt die 36-jährige Sozialarbeiterin aus dem Rheinland, sei sie so geworden, weil auch ihre Mutter ein "eher kühler Typ" sei: "Selbst wenn? Was ändert das?" In der Pubertät habe sie dann "brav" mitgemacht. "Ich war neugierig, das schon. Es hat nicht weh getan, ich bin nicht schreiend weggelaufen." Erregend fand sie das Knutschen und Fummeln allerdings auch nicht. Im Gegenteil, es langweilte sie.
Trotzdem schläft Katharina mit Männern. Den Partnern zuliebe. Weil es dazugehört. Ihre erste sexuelle Beziehung hat sie mit 18, sie hält nur wenige Wochen: "Ich habe mich irgendwann geweigert, weiter Sex zu haben. Sobald das zum Problem wurde, habe ich mich getrennt." Es folgen weitere Beziehungen, sie sehnt sich nach einem Partner, aber jede Liebe zerbricht am Sex, den sie nicht will. 2000 lernt sie ihren jetzigen Mann kennen. Auch mit ihm geht sie anfangs ins Bett. Nach einem Dreivierteljahr heiraten sie: "Weil wir uns wirklich sehr gut verstehen. Wir passen eigentlich perfekt zusammen." Wieder zieht sie sich zurück, bis sie schließlich gar nicht mehr miteinander schlafen.













