Sarkozy und Bruni: Anatomie einer Liebe

Ist es Rache? Größenwahn? Irrsinn? Welche Gefühle verbergen sich hinter der skandalträchtigen Amour von Carla Bruni und Nicolas Sarkozy?

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Man könnte gehässig sein wie alle in den letzten Monaten. Von außen auf das frisch vermählte Paar Carla Bruni und Nicolas Sarkozy blicken und schlichtweg behaupten, die große politische Neuerung, die der Präsident im Land durchgedrückt hat, nämlich die Lockerung der starren Arbeitsrechte, die so genannte "Flexsécurité", die ließe sich ganz hervorragend wie eine Schablone auf die neue Ehe legen. In dem neuen Gesetz geht es um leichtere Kündigungen, freundschaftliche Trennung und Ähnliches. Diese Flexsécurité, würde man folgern, passt doch hervorragend auf diese aberwitzige Paarung der Testosteron-Jägerin mit dem Alpha-Schwerenöter: Sie scheinbar bekannt für endlos viele Affären, ihre Auslassungen über Polyandrie und die berühmte Mutmaßung, die Ehe müsse wie ein Gefängnis sein; er sowieso verdächtig, dieser serielle Monogamist, er heiratet schon die dritte Frau in Folge. Es wird nicht lange gehen, dieses Publicity-Gebalze zweier prominenter Profilneurotiker, die sich im gegenseitigen Abglanz und der Aura ultimativer Sexiness suhlen. Es wird vorbeigehen, es muss vorbeigehen! Und dann werden diese beiden Profis der großen Show sich auf die Flexsécurité für Beziehungen berufen!

Drei, vier Monate dauert dieses Geschrei nun an, und es ist unglaublich: In diesem Lärm erklingt nicht einmal auch nur ganz leise ein kleiner Satz über die Liebe, der winzige Nebengedanke, dass sich da zwei Menschen womöglich heftig und unausweichlich ineinander verknallt haben.

Dass das einstige Model und der Turbo-Politiker im November nach einer abendlichen Begegnung im Élysée-Palast eine Liaison eingingen, hat beider Image dramatisch geschadet: Carla Bruni ist nicht mehr der anmutige, traumwandlerische Pop-Hippie, keine samtige Katze mehr, die maunzend und sich wohlig räkelnd von einem teuren Sofa herab entzückende Antworten zu Großstadtphilosophie und Amore in die Welt schnurrt. Seit die ersten Bilder von ihr im Arm des Präsidenten auftauchten, zählt die Welt die Männer, die sie fressen musste, um sich schließlich den allergrößten denkbaren Braten ins Bett zu holen. Das Liebesleben der Signorina Bruni - eine ausgeklügelte Tour de Force auf der Zielgeraden im Verschlingen der weltbesten Alphamännchen. Ihr neuer Geliebter verkam in der Weltpresse indes zum liebestollen, eitlen Gecken, während für die armen Franzosen die Butter teurer wurde. Als wären ihm, kaum hätte er das hochkarätigste aller Trophy-Girls ins Schlafgemach gelockt, Atommacht und Ansehen seines Volkes völlig schnurz.

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  • BRIGITTE Heft 07/08
    Text: Ellen Kaufmann Fotos: pixplanete/PR Photos, Corbis
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