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Wenn eine Liebe endet, bleiben neben den Erinnerungen oft auch ganz konkrete Dinge zurück, die uns durch unser weiteres Leben begleiten. Sieben Frauen zeigen ihre Erinnerungsstücke.
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Wir waren nie miteinander in Prag. Obwohl Ondrej Tscheche ist. Die letzte Chance verpasst haben wir vor zweieinhalb Jahren - was Prag und die Liebe betrifft. Ich war sechs Jahre zu alt für ihn, er sechs zu jung für mich. Worauf wir uns immer einigen konnten: "Ptáčku!" - du Vogel. Vom Flohmarkt hatte mir Ondrej diesen hier mitgebracht. Weil die Klemme abgebrochen, die Farbe abgeblättert ist, wollte ihn niemand haben. Er wohnt noch immer in meinem Bücherregal. Einfach nur, weil ich ihn schön finde. Mein Mann sagt übrigens immer voller Liebe, ich hätte einen Vogel... Inga Leister
Ich habe bei ihm übernachtet und hatte keine frische Unterhose dabei. Er lieh er mir eine von seinen. Ich erinnere noch, wie wir eine raussuchten, die mir halbwegs passte. Dann landete sie irgendwann gewaschen in meiner Wäscheschublade. Und jedes Mal, wenn ich heute darin wühle und mir die graue Unterhose zufällig in die Hände fällt, denke ich: wegwerfen? Niemals. Sie ist eine nette und ungewöhnliche Erinnerung. Britta Niehaus
Mein späterer Freund M. und ich waren noch sehr unsicher, ob der eine in den anderen verliebt ist. Eines Tages lud er mich zu seiner Party ein, und ich musste absagen, weil ich an diesem Tag nicht konnte. Weil ich felsenfest davon überzeugt war, dass meine Liebe nicht erwidert wurde, sagte ich ironisch zu ihm: "Ich weiß, du wirst mein Fehlen tapfer ertragen und nicht in Tränen ausbrechen." Am nächsten Tag brachte er mir ein winzig kleines 4711-Kölnisch-Wasser-Probefläschchen, ausgespült und zu einem Drittel mit Wasser gefüllt, darauf war ein Etikett geklebt, auf dem in seiner Handschrift stand: "Tränen von M." Aus irgendeinem Grund habe ich es nie fertiggebracht, diese Flasche wegzuwerfen. Ich bewahrte sie immer in meinem Schmuckkästchen auf, und sie machte jeden Umzug mit. Die Beziehung zu M. zerbrach sechs Jahre später, das alles ist jetzt 15 Jahre her, aber die Flasche ist noch da, seine Schrift ist zwar nicht mehr zu lesen, aber der Inhalt ist kaum verdunstet. Vielleicht waren es wirklich echte Tränen. Wer weiß? Henrietta Brüggemann
An den gereizten, hektischen, viel zu späten Abenden kommt es mir nicht über die Lippen. Dann rufe ich den Kindern zu: "Geht endlich ins Bett, verdammt, morgen ist Schule!" Aber dann gibt es diese ruhigen, harmonischen Abende, die sanft verstreichen, irgendwann fällt mein Blick auf die Uhr, und ich sage: "Slopentied". Als Mark es das erste Mal zu mir sagte, als wir noch keine Kinder hatten und sehr verliebt waren, musste ich lachen über diesen plattdeutschen Begriff für Schlafenszeit, den ich als Hessin nicht kannte und er, der Hamburger, so mochte. Damals hieß es: "Ich muss ins Bett. Kommst du mit?" Die vergnügte Zärtlichkeit dieses Wortes, sie gefällt mir immer noch. Auch wenn wir schon seit drei Jahren geschieden sind. Christine Hohwieler
Der kleine Schoko-Bär ist ein Geschenk meiner allerersten Liebe. Ich war damals 16, und mein Freund verbrachte ein Wochenende mit seinen Eltern in Berlin. Als er wiederkam, schenkte er mir diesen Bären, weil ich so gerne Schokolade esse. Der kleine Kerl wohnte immer in meinem Zimmer, erst auf dem Nachttisch, nach der Trennung in der Schublade, aber seit zwei Jahren steht er wieder bei mir im Regal. Seitdem sammele ich alles, was mir Männer so schenken: Ich trockne Rosen, hüte Plüschherzen, ich habe sogar noch einen gelben Zettel, auf den ein Unbekannter am Strand mal ein Herz für mich gemalt hat. Aber der Bär wird immer einen Sonderstatus haben. Er war der Erste. Lorena Kaiser
Die Ungerechtigkeit der ganzen Welt lag für mich zu Ostern 1977 in einer Gruppe Mainzelmännchen. Ich war sechs und mein jüngerer Bruder und ich waren gerade von meiner Oma beschenkt worden: Für mich gab es ein Filzpüppchen in der Größe eines Kinderfingers, vor meinem Bruder lagen ALLE Mainzelmännchen in einer Größe von etwa 30 Zentimetern. Ungläubig starrte ich die grinsenden Figuren an. Der Beweis, dass hier jemand deutlich mehr gemocht wurde als ich! Mit Mitte 20 erzählte ich meinem damaligen Freund diese Geschichte. Ein paar Monate später stand er mit einer kleinen Schachtel vor meiner Tür. Er hätte da etwas für mich: Als späten Ausgleich und weil ich doch jetzt den ersten Platz eingenommen hätte. In seinem Leben. In der Schachtel lagen fünf kleine Mainzelmännchen. Nach fast 20 Jahren rührt es mich immer noch, wenn ich sie sehe. Andrea Hacke
Es hängt ganz selbstverständlich an der Wohnzimmerwand: das Aquarell, darauf mein altes Bauernhaus, in dem ich jahrelang Ferien mit meinen Kindern machte. Zweimal war ich auch mit ihm da - mit W., nicht der Vater der Kinder, aber der Gefährte vieler Jahre. Es war unser letztes Jahr, als er anfing zu zeichnen. Gerahmt hat er mir die Erinnerung an diesen Sommer geschenkt. Und als ich im selben Winter von ihm Abschied nahm, traurig, weil er eine andere hatte, wurde das Werk in Seidenpapier gewickelt und im Umzugskarton verstaut. Seither hängt es an repräsentativer Stelle. "Tut dir das Bild nicht weh?", hat meine Tochter mal gefragt. Und meine Freundin glaubt, es erinnere mich noch immer an den verlorenen Mann. Beides falsch. Es erinnert mich an den Duft eines Weizenfeldes, an unendliche Sommer, an die Kinder, als sie klein waren, an mich, als ich jünger war. Es zeigt mir eine Lebenszeit, mit ihm, ohne die ich nicht wäre, was ich bin. Vera Sandberg
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Es war einmal ein Prinz. Sein Name war William. Vor einem Jahr heiratete er seine Prinzessin Kate. Doch wie märchenhaft ging die Geschichte weiter? mehr
Fotos: Miriam Yousif-Kabota
Ein Artikel aus der BRIGITTE 22/11
Letzte Kommentare
am um
Frank
am 11.10.11 um 19:30
Das Interview mit Herrn Schmidbauer finde ich widersprüchlich: Einerseits lese ich heraus, dass es sehr gut sein kann, den ehemaligen Partner auch in positiver Erinnerung zu behalten. Andererseits heißt es, dass gemeinsame Erinnerungen in der Gegenwart eigentlich gar keine Bedeutung mehr hätten und höchstens noch verwertet werden könnten, um bestimmte Probleme mit neuen Partnern zu verhindern. Verwirrend!
Ich jedenfalls möchte nicht dem Trend der Wegwerfgesellschaft folgen und meinen ehemaligen Partner einfach abhaken. Statt dessen wünsche ich mir dass wir es schaffen, unsere gemeinsame Zeit als Teile von uns anzunehmen und sie als wichtige, oft schöne, aktive Erinnerung zu behalten. Ich glaube, es würde sehr viel Schmerz verhindern, wenn Herr Schmidbauer und seine KollegInnen den Menschen nach einer Trennung vor Allem auf dem Weg des ausgewogenen, auch emotionalen, Erinnerns helfen. 'Auslöschen' der Vergangenheit oder Berührungsängste damit sind für beide Seiten fast im
Anita Strzoda
am 10.10.11 um 20:11
Ich kann gute Erinnerungen noch nicht zulassen. Mein Exmann hat mich in eine finanzielle Krise gebracht. Ich musste stark kämpfen, um den Schuldenberg zu reduzieren und ich muss mich nach wie vor damit beschäftigen. Jedesmal wenn ich ihn sehe, steht das zwischen uns. Obwohl ich mich manchmal freue ihn zu sehen, er ist nett, aber ich kann ihm nie mehr vertrauen. Ich will wieder lernen anderen Menschen bedingt zu vertrauen, das gelingt mir nicht besonders gut. Alles hat sich in meinem Leben verändert, ich muss auf mich aufpassen, sodass ich wieder an meine eigene gute und gesunde Kraft glauben kann. Ihr Dossier über das was übrig bleibt ist besonders gut. Auch das Interview mit Herrn Schmidbauer. Vielen Dank hierfür.
Mit freundlichen Grüßen
Anita Strzoda
Nika Bocaj
am 10.10.11 um 18:50
Bewusst behalten, aber nie wieder gehört ist das Miniband des Anrufbeantworters mit der Stimme meines Partners. Wenige Tage nach seinem Tod vor fast 20 Jahren klingelte das Telefon. Bevor ich den Hörer abnehmen konnte, sprang der Anrufbeantworter an - mit seiner Stimme. Einen Moment lang schoss in mir eine wahnwitzige Hoffnung hoch. Eine Sekunde später hatte ich realisiert, dass es nur die konservierte Stimme war. Noch heute beginnt mein Herz zu rasen, wenn ich daran denke, trotzt der vergangenen Zeit und dem besseren Wissen.
Ich jedenfalls möchte nicht dem Trend der Wegwerfgesellschaft folgen und meinen ehemaligen Partner einfach abhaken. Statt dessen wünsche ich mir dass wir es schaffen, unsere gemeinsame Zeit als Teile von uns anzunehmen und sie als wichtige, oft schöne, aktive Erinnerung zu behalten. Ich glaube, es würde sehr viel Schmerz verhindern, wenn Herr Schmidbauer und seine KollegInnen den Menschen nach einer Trennung vor Allem auf dem Weg des ausgewogenen, auch emotionalen, Erinnerns helfen. 'Auslöschen' der Vergangenheit oder Berührungsängste damit sind für beide Seiten fast im
Mit freundlichen Grüßen
Anita Strzoda