Zusammen Fußballgucken: Ein Paar packt aus

Moderne Paare machen heute ja fast alles gemeinsam. Vampirfilme schauen, Auto reparieren, Kosmetik kaufen und natürlich: Fußballgucken. Was Frau und Mann dabei wirklich denken, das verraten die "Stromberg"-Autoren Sonja Schönemann und Ralf Husmann.

Das sagt ER:

Kurz vor der letzten EM fühlte ich mich wie Michael Ballack. Ich hatte keinen Spaß mehr am Fußball. Bei Ballack lag's an Löw, bei mir an Ramona.

Meine Freundin hatte zwei Wochen vor dem Eröffnungsspiel einen Spielplan gemacht. "Die Deutschen gucken wir bei Jana!", verkündete sie.Am Arsch, dachte ich, sagte aber nichts. "Jana", dozierte meine Freundin, "hat doch den Beamer!"

Jaa, aber Jana hat auch den Finn. Der Finn ist drei, hyperaktiv und hat mir beim letzten Mal auf die Hose gebrochen. Die Jana hat außerdem den Patrick. Der ist 34, Golfer, und glaubt, zum Grillen bräuchte man kein Fleisch. Patrick interessiert sich einen Scheiß für Fußball. Beim letzten gemeinsamen Fußballabend wollte er in der 82. Minute "mal sehen, was sonst noch so kommt", und hat umgeschaltet!!

"Och", entgegnete ich also meiner Freundin, "ich hab gedacht, wir gucken bei Möhre." Möhre ist bei großen Turnieren gesetzt wie Manuel Neuer. "Bei Möhre können wir ja die doofen Spiele gucken", fand die derzeitige Frau meines Lebens. Die doofen Spiele sind die, wo Spieler spielen, von denen Ramona keine Sammelbildchen hat bzw. haben will. Zwei Wochen vor dem Turnier hatte ich ihr noch nicht gesagt, dass weder Frederik Ljungberg noch Alessandro Del Piero dieses Mal dabei sein würden. Vor vier Jahren war sie plötzlich für Tschechien wegen Milan Baros. "Süß", hieß es, und "Guck mal, wie der lacht!" So gucken Frauen Fußball.

Keine Frau hätte sich je ein Panini-Bildchen von Horst Hrubesch besorgt. Nicht mal Frau Hrubesch.

Ich bin in einer Zeit groß geworden, in der Fußballer noch Gerd Müller hießen, Horst Hrubesch oder Katsche Schwarzenbeck. Und genauso sahen die auch aus. Keine Frau hätte sich je ein Panini-Bildchen von Horst Hrubesch besorgt. Nicht mal Frau Hrubesch. Keine Frau hätte vor dem Bildschirm geklebt, wenn Gerd Müller auf den Gedanken gekommen wäre, sich nach einem Tor das Trikot von der Wampe zu zerren. Aber darauf wäre er eh nie gekommen. Damals war Fußball noch ein Männersport. Die auf dem Rasen sahen im Prinzip so aus wie die auf den Rängen.

Heute heißen deutsche Spieler Mario Gomez, und selbst einer, der Schweinsteiger heißt und im Prinzip auch so aussieht, trägt coole Klamotten, hat eine Modelfreundin und wirkt ohne Trikot wie ein Praktikant bei den California Dreamboys.

Fußball zu gucken, weil die Spieler gut aussehen, ist wie Pornos zu gucken, weil die Frauen so schlau sind. Scheiße ist das! Wie soll man da vor der Glotze ohne schlechtes Gewissen Würstchen essen und Bier trinken? Die alte Nummer mit "Dann erklär mal Abseits!" kontert Ramona seit dem letzten Turnier cool mit: "Dann erklär du mal Menstruation!" Und schon steht's 1:0 für sie.

Aber ich finde, Mann und Frau sind nun mal nicht die Jacob Sisters, die ein Leben lang alles, alles, alles immer zusammen machen müssen. Ramona und ich sind allerdings auf dem Weg in genau diese Richtung. Es fehlen nur noch die Hunde. Sie guckt mit mir Fußball, und ich guck mit ihr Vampirfilme, sie hilft beim Ölwechsel, und ich topf den Hibiskus mit um, sie trägt meine Oberhemden, und ich benutz ihre Nachtcreme. So was endet irgendwann in Swinger-Clubs, wo die Frau dann auch beim Fremdgehen noch mit dabei ist. Irgendwo muss aber mal Schluss sein!

Und die EM wäre ein guter Anfang gewesen. Kein Public Viewing für alle, sondern schön getrennt: Men Viewing mit Grilling, Drinking, Rülpsing und Delling beim Bullshittalking. Ganz woanders: Women Viewing. Zum Beispiel bei Jana. War zu Hause aber nicht durchzukriegen.

Stattdessen eben Halbfinale mit Finn und gegrilltem Gemüse auf dem Schoß! Ich kann nur hoffen, dass Finn zur WM die Masern hat. Oder ich muss mich demnächst für einen Sport begeistern, der bei Frauen nicht so ankommt. 50 Kilometer Gehen, zum Beispiel. Oder Frauenfußball.

Das sagt SIE:

Männer mögen Fußball, weil er ihnen das Gefühl gibt, sich endlich mal irgendwo auszukennen. Und zwar gründlich. Sie blicken durch. Sie haben Ahnung, und das mögen sie, weil das sonst im Leben nicht so oft vorkommt. Die Regeln beim Fußball sind etwas komplizierter als bei Mensch ärgere dich nicht, aber deutlich einfacher als innerhalb einer Beziehung.

Wenn eine Frau zum Beispiel lächelt, kann das heißen, dass sie sich freut. Oder dass sie traurig, stinksauer oder am Boden zerstört ist und das ihrem Kerl aber nicht zeigen will. Unser Lächeln lässt so viele Interpretationen zu wie ein Dalì-Gemälde. Beides ist schwer zu deuten für den Mann, und das macht beides so anstrengend für ihn. Beim Fußball dagegen ist alles eindeutig: Ist der Ball im richtigen Tor - gut; ist er im falschen Tor - schlecht. Das einzuordnen kriegt er hin, der Mann. Da weiß er, wie er reagieren soll.

Süß, wie Rainer aktuell versucht, Fußball zu einer Mischung aus Wissenschaft und Religion zu machen.

Deswegen finde ich es sehr süß, wie Rainer aktuell versucht, Fußball zu einer Mischung aus Wissenschaft und Religion zu machen, mit der man sich sehr lange beschäftigen muss, um überhaupt ansatzweise mitreden zu können. Rainers subtiler Subtext heißt: Eigentlich ist das nix für Frauen. Also für mich.

Wenn ich über Fußball rede, hat Rainer denselben Gesichtsausdruck, den er aufsetzt, wenn ein Chinese deutsch spricht: Irgendwie niedlich, aber eigentlich hoffnungslos, soll der heißen. Mit diesen Mitteln haben Männer Frauen auch sehr lange von technischen Berufen ferngehalten oder von der Politik. Das Ergebnis heißt heute Angela Merkel. Aber die war auch nicht von Anfang an Kanzlerin. Die hat sich ganz langsam und heimlich dahin geschlichen, und das ist auch meine Taktik.

Mein Vorschlag zur Fußball-EM war darum, ein paar Spiele bei Jana zu gucken. Ich weiß, dass Rainer das auf die Palme bringt, aber: Hätte Angela sich nicht irgendwann mal gegen Helmut Kohl gestellt, wäre sie auch nicht weitergekommen.

Der andere Grund, warum wir zu Jana hätte gehen sollen, war, dass die seit drei Jahren den Finn hatte und seit vier Jahren den Patrick. Beide waren von ihr nicht geplant gewesen, trotzdem hatte sie die jetzt an der Backe. Und Jana war wirklich Fußballfan, von daher hatte sie eine anständige EM verdient, mit Grillen, Brüllen, Bier und dem ganzen anderen Kram, den weder Patrick noch Finn ihr geben konnten. Rainer konnte das, aber den gehen Janas Hintergrundprivatprobleme natürlich nichts an, darum musste ich ihn anders davon überzeugen, dass Fußballgucken mit Frauen nicht dasselbe ist wie Vögeln mit einem kaputten Penis.

Deswegen redete ich auch schon Monate vor dem ersten Anstoß begeistert über die körperlichen Vorzüge von Milan Baros, ohne dass der im Geringsten mein Typ wäre. Ohne Panini, Wikipedia und Jana wüsste ich nicht mal, wer das ist. Aber es zeigte Rainer, dass der Fußball ihm in diesem Jahr nicht exklusiv gehört. Meine anderen Freundinnen sahen das genauso, wir mussten alle vorbauen, sonst gucken unsere Kerle nämlich irgendwann nur noch alleine, und zwischen Bundesliga, DFB-Pokal, Champions League, Europa League, EM, WM und der Bunten Liga der Thekenmannschaften bleibt am Ende verdammt wenig Zeit für uns.

Wir Frauen würden dieses Mal mitgucken, komplett, wir würden eine Meinung haben und irgendwelche Jungs anschmachten, wenn sie irgendwelche Trikots ausziehen. Und wir würden dabei viel Spaß haben. Das trifft die Jungs am meisten: Wenn uns was Spaß macht, von dem wir ihrer Meinung nach nicht mal Ahnung haben. Und es ist nur fair. Wir schließen sie ja auch nicht beim Sex aus.

Buchtipp

Noch mehr beinharte Bekenntnisse von Ramona und Rainer lesen Sie in dem Buch "Die Kiste der Beziehung - Wenn Paare auspacken". Sonja Schönemann und Ralf Husmann, bekannt als Autoren für die preisgekrönte Comedy-Serie "Stromberg", nehmen darin Wesen und Unwesen der Paarbeziehungen auf humorvolle Weise auseinander. Ein Buch voller Weisheiten, zum Beispiel: "Das Geheimnis einer guten Beziehung ist nicht, dass man die gleichen Sachen mag, sondern dass man die gleichen Sachen scheiße findet." (Fischer Verlag, 13,99 Euro)

Text: Sonja Schönemann, Ralf Husmann (Auszug aus dem Buch "Die Kiste der Beziehung - Wenn Paare auspacken", Fischer Verlag)

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