Sven Hillenkamp
BRIGITTE.de: Ihr Buch heißt: "Das Ende der Liebe". Wir sitzen hier in einem Hamburger Café, das Paar am Nachbartisch hält Händchen, auf dem Weg hierher habe ich glückliche Paare gesehen. Ich sehe kein Ende der Liebe.
Sven Hillenkamp: Ich sage nicht: Morgen oder im Jahr 2029 wird keiner mehr lieben und jeder, der dann von seiner Cousine erzählt, die sich gerade verliebt hat, hat das Buch widerlegt. Ich glaube aber, dass es Entwicklungen in unserer Gesellschaft gibt, die mit der Liebe unvereinbar sind.
BRIGITTE.de: Nämlich?
Sven Hillenkamp: Die Liebe hat zwei Feinde: den Zwang und die Freiheit. Dass Zwang der Liebe entgegenläuft, wissen wir, davon erzählen Romane, Lieder, klassische Tragödien. Dass aber auch die Freiheit die Liebe bedroht, kommt erst sehr langsam bei uns an. Wir leben in einer Gesellschaft der absoluten Wahlfreiheit. Was heute gewiss ist, kann morgen schon ganz anders sein. Und wir leben in einer Gesellschaft der Vorläufigkeit. Wir sagen uns: Diesen Job, den mache ich ein paar Jahre, mal schauen, was dann kommt. Oder: An diesem Ort lebe ich ein paar Jahre, mal schauen, wohin es mich dann zieht. Dieses Vorläufige funktioniert in allen Bereichen, auch wenn es mit permanenter Angst und Unzufriedenheit verbunden ist. Nur in der Liebe, da funktioniert es nicht: Ich kann nicht vorläufig lieben. Liebe, wie ich sie definiere, ist absolut, sonst ist es keine Liebe. In dem Moment also, in dem ein Mensch denkt: Ich bin zwar mit meinem Partner zusammen, könnte aber noch jemanden finden, der besser zu mir passt, in diesem Moment wird Liebe unmöglich. Und dieses Denken wird in unserer Gesellschaft für immer mehr Menschen unausweichlich. Wir alle wissen: Da draußen laufen unendlich viele mögliche Partner herum. Wir vergleichen ständig, mal bewusst, mal unbewusst.
BRIGITTE.de: Vergleiche und auch Trennungen gehören zu unserem Alltag, das stimmt. Und auch kaum eine Frau ist noch bis an ihr Lebensende mit dem einen Mann zusammen. Aber das heißt doch nicht, dass wir dazwischen keine Liebe empfinden können!
Sven Hillenkamp: Was ich beschreibe, trifft - wie gesagt - nicht auf alle Menschen zu. Ich glaube aber, dass diese Nichtliebe ein Merkmal unserer Epoche ist und ständiges Vergleichen liebesunfähig macht. So vieles ist möglich, dass alles möglich scheint. Wir wissen: Da draußen ist ein Mensch, der nicht mein Partner ist, der aber mein Inneres noch mehr widerspiegeln könnte, als es mein jetziger Partner tut. So tritt - in der Arbeit wie in der Liebe - an die Stelle der Tyrannei der Entfremdung eine Tyrannei des Ichs.














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am um
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Klee
am 13.09.09 um 14:35
Herr Sven Hillenkamp schrieb zwei sehr kluge Sätze " Ich müsste mehr Yoga machen, mehr meditieren, weniger arbeiten. Ich bin unreif... "
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ay
am 09.09.09 um 18:05
Sven Hillenkamp bringt die Phänomene der Paar- und anderer Beziehungen, in die wir Menschen miteinander treten, auf den Begriff, bzw. auf eine unübliche Gruppe von Begriffen, die wir bisher noch nicht als Kurantmünze herumgeboten gesehen haben. Mit Hilfe dieser Begriffsklaviatur wird das eigene Beziehungsgeflecht auf eine sehr interessante Weise neu handhabbar und verstehbar, und mit Sicherheit auch "schuldloser" analysierbar. Ob die von Herrn Hillenkamp eingeführten Begriffe und Sehweisen ein langfristig tragfähiger Standard werden, wird sich dann ja weisen. Der Lackmustest wird sein, ob, auf den leidvoll verfahrenen Einzelfall angewandt, seine Begriffs- und Sehweisen zu einer tragfähigen Lösung beizutragen vermögen, oder ob sie nur zur Diskussion auf der Metaebene brauchbar sind. Ich werde mir das Buch auf jeden Fall reinziehen.
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einewiekeine
am 05.09.09 um 21:47
Mich hat das Interview auch sehr angesprochen, weil ich vieles ähnlich empfinde. Vieles in der Liebe bleibt vorläufig, es gibt keine Entscheidung für den anderen, man bleibt auf der Suche, lässt sich nicht wirklich ein weil man ja nicht weiß, ob man nicht doch noch etwas Besseres findet - und verpasst dadurch vielleicht wirklich zu lieben. Ich finde schon, dass sich das sehr gewandelt hat in den letzten Jahren, dieses ständige Gefühl der Austauschbarkeit kenn ich von früher wirklich nicht, da hat man sich noch mit dem Menschen beschäftigt, der vor einem stand - ohne im Hinterkopf zu haben, es gäbe ja noch unzählige andere Optionen...
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LaPinta
am 04.09.09 um 17:15
Ich finde das, was ich in diesem Interview vom Autor lese, reichlich populistisch und oberflächlich. Aber es passt halt in diese Zeit... bzw. zu dem, was er sich zurechtgelegt hat. ;-)
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Tina
am 04.09.09 um 08:46
Herr Hillenkamp spricht mir aus der Seele! und nicht nur, dass man selber den Partner mit anderen vergleicht, die Umwelt tut es auch. Wie oft hört man, ob das denn wohl wirklich der richtige ist. Alles soll perfekt sein, auch der Partner. Und dann noch die unbegrenzten Möglichkeiten im Internet nach dem "Richtigen" zu suchen. Ich finde es schwer, sich dem zu entziehen. Dabei liebe ich meinen Lebensgefährten von ganzem Herzen. Und so soll es auch bleiben!
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bauschundbogen
am 03.09.09 um 22:49
Wohltuend, danke! Ich dachte schon, ich steh allein mit meinem Unbehangen an der gegenwärtigen Beziehungskultur.
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noemie
am 03.09.09 um 22:11
Das ist der interessanteste und klügste Artikel, den ich seit langem über Liebe und Beziehungen gelesen habe. Viele Aussagen kann ich aus eigenen Erfahrungen heraus unterschreiben. Einiges ergibt mir einen neuen, schlüssigen Blickwinkel auf Erlebtes - ich bedanke mich dafür!
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TanteHotte
am 03.09.09 um 05:05
@stevie
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Coco-Lores
am 02.09.09 um 17:07
hervorragender artikel.
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man-fred
am 02.09.09 um 08:30
Liebe!
mehr (14)Und auch das ist mein Fazit : Es ist spannend seinem brainstorming zu folgen, warum daraus schon ein Buch gemacht wurde und wem das außer dem Autoren Taler etwas bringen soll, erschließt sich mir nicht.
Es ist eine Versuchserklärung für das persönliche Unglücklichsein und das Scheitern von Glückfinden und Partnersuche mancher Menschen.
Im Moment scheinen solche Bücher en vogue zu sein : Autoren in Hoffnung auf Kontemplation Meditation und Erleuchtung..
Unausgegoren finde ich das was ich hier lese.
Ja, wir haben heute viel mehr Wahlfreiheit als die Generationen vor uns. Aber der Autor widerspricht sich selbst, wenn er einerseits von der romantischen Liebe spricht (die ja noch gar nicht sooo lange gesellschaftsfähig ist, früher - und heute noch in anderen Kulturen - gab/gibt es die Vernunftehe) und andererseits von den vielen Verlockungen und Ich-kann-noch-mehr-haben-Gedanken. Denn ich bin der Ansicht, wer liebt (ja, gerade romantisch), der kann diese anderen Verlockungen ganz gut ausblenden, ohne dass es ihm Mühe bereitet. Aber vielleicht verwechselt der Autor ja Verliebtheit mit Liebe, mit typisch deutschen "Liebeskomödien", Hera Lind & Co ...?
Liebe, die sich aufbraucht? Das klingt irgendwie so traurig. Kann man da im Zweifelsfalle nicht einfach ein wenig nachschütten?
Mann oder Frau brauchen für das Ego ein Gegenüber das sie vorzeigen können.
Aber ob wirklich Liebe im Spiel ist,ist nicht so sicher.
In 20 Jahren habe für über 1000 Paare(vom Jugendlichen bis zum Pensionisten,Verliebte und Geschiedene) Berechnungen angestellt,wo festgestellt wird wie gut Paare im "körperlichen,seelischen und geistigen Bereich" zusammenpassen,bzw. was sie trennt!
Alle die sich geschieden oder getrennt haben,hätte ich voraussagen können!
Liebe,gibt es oder gibt es nicht,nur viele verwechseln den ersten Sex mit Liebe.
Natürlich gibt es auch Beziehungen nach dem Motto:"Gegensätze ziehen sich an"