Männer in der Krise: Jetzt reißt euch mal zusammen!

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Kaum irgendwo wird das Dilemma des Mannes anschaulicher als in der Werbung. Früher gab es Autoritäten wie Meister Proper, Herrn Kaiser und Dr. Best. Heute sind die Männer nicht nur namenlos, sondern auch mittlerweile in zehn Prozent der Spots zu nackten oder halbnackten Sex-Objekten degradiert. Tritt der Mann als so genannter neuer Vater auf, ist es ausnahmslos immer ein Langweiler, dessen herausragende Eigenschaft die ist, gute Klamotten anzuhaben. Aber nicht ein Kerl auf weiter Flur, der in Erinnerung bleibt. Mit Ausnahme eher dubioser Gestalten: In der Anzeige eines Teebeutelherstellers sitzt eine Frau nachts nackt in einem Holzbottich in ihrem Garten. Und wer erscheint im Lichtkegel des Vorgarten-Bewegungsmelders? Und zwar hoch oben auf einem Kamel? So eine Art Lawrence-von-Arabien-Verschnitt, glutäugig und verschleiert. Und die Frau in ihrem Bottich lächelt vielsagend: Nimm mich!

Keine leichte Übung

Tut uns Leid, ihr Lieben, dass unsere Signale manchmal ein wenig widersprüchlich sind. Ihr sollt also das Gör ins Bett bringen, während Superwoman zwischen zwei Besprechungen einen Gutenachtkuss ins Handy schmatzt. Und sobald sie - nach einem harten Tag im Job - in ihrem Holzbottich dümpelt, sollt ihr euch durch die Hintertür hinausschleichen, ein Kamel auftreiben und als wilder Wüstenmann wieder in Erscheinung treten. Okay, das ist zugegeben keine leichte Übung, aber andererseits erwartet ihr ja von uns auch fließende Übergänge von der Karrierefrau zum Muttertier und von der perfekten Schwiegertochter zur Femme fatale.

Es läuft irgendwas schief. Und wir sind langsam auch völlig erschöpft. Freiheit und Gleichheit fühlen sich anders an. Was als Liebe zwischen zwei Menschen anfängt, endet immer öfter in "Opferkonkurrenz", wie Soziologen heutige Partnerschaften charakterisieren. Vielleicht sollten wir all diese Theorien, die besagen, dass die Frau von einem anderen Planeten kommt als der Mann, in die Tonne hauen. Wir haben die Rollen von den Aufgaben zu trennen versucht und sie ebenso radikal durch vermeintliche Eigenarten der Geschlechter definiert. Vielleicht sind diese Eigenarten aber genauso falsch, genauso irreführend. Vielleicht waren wir einfach auf dem Holzweg, und der Einzelne ist jetzt gefordert. Allerdings: Selbstfindung und vor allem Selbstbehauptung bedeuten Arbeit. Hilft nichts, Jungs, es ist ein harter Weg. Und den können wir euch leider nicht abnehmen. Aber auf das Ergebnis sind wir wirklich gespannt.

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  • Artikel vom 17.05.2005


  • Anja Jardine
    BRIGITTE 11/05
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