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Keine Lust auf Sex, weil Ihnen die Sicherheit fehlt? Der Tipp vom Paartherapeuten

In einer festen Liebesbeziehung ist guter Sex davon abhängig, wie verbunden wir uns fühlen. Denn Sex braucht Sicherheit, weiß Paartherapeut Oskar Holzberg.

"Du möchtest mit mir schlafen. Ich weiß ja was du brauchst. Ich weiß, dass du dich mir dann nah fühlst. Aber ich kann das so nicht. Vor allem, wenn ich mich gerade vorher noch so von dir kritisiert gefühlt habe." Frau V. lächelt ihren Mann unsicher an, der jetzt ganz erwartungsfroh guckt, aber nichts sagt. Sie schaut mich etwas ratlos an. "Wir sehen uns den ganzen Tag nicht", sagt sie weiter an ihren Mann gerichtet, "und dann kommst du nach Hause, meckerst über das Chaos, wir bringen die Kinder ins Bett. Und meistens läufst du dann noch eine Runde, und ich gucke noch Nachrichten. Und dann sind wir beide geschafft, und es ist Zeit, ins Bett zu gehen. Und... und ich habe dann schon immer Angst. Und hoffe, dass du müde bist. Ich weiß ja, dass du dich dann abgelehnt fühlst, wenn ich nicht mit dir schlafen will. Und dann mache ich es auch, aber... eigentlich geht das nicht für mich."

Frau V. fängt an zu weinen. Frau V. schläft gerne mit ihrem Mann. Aber nicht immer, wenn er es möchte. Und vor allem nicht, wenn sie gar keine innere Verbindung zu ihm fühlt. Aber irgendwie fühlt sie sich auch schuldig und kleinlich, dass sie ihrer Lust nicht freier nachgeben kann. Denn im Grunde ist es doch wunderbar, dass ihr Mann sie so begehrt. Was auch Herr V. findet. Er kommt zu sich, wenn er die anstrengende Welt hinter sich lassen kann, und kann es gar nicht erwarten, zu seiner Frau unter die Laken zu schlüpfen. Der Partner, der weniger Lust verspürt, bestimmt die Sexualität. Frau V. fühlt und weiß das. Aber sie empfindet keine Macht - eher Ohnmacht durch ein Dilemma, das sie nicht lösen kann.

Frauen brauchen emotionale Nähe

  Oskar Holzberg ist seit über 30 Jahren verheiratet, seit mehr als 20 Jahren berät der Psychologe Paare. Dabei stellte er fest, dass einige Sätze für alle Beziehungen gelten. In jeder BRIGITTE stellt er einen davon vor.

Oskar Holzberg ist 60 Jahre, Psychologe und seit 30 Jahren verheiratet. Seit mehr als 20 Jahren berät er Paare und kennt die typischen Konflikte.

Ein Dilemma, das viele Paare erleben. Männer scheinen durch Sex zur Nähe zu finden. Frauen hingegen finden eher durch emotionale Nähe zum Sex. Soziologen sehen die Geschlechterrollen als Ursachen hierfür an. Frauen sind mehr auf eine sichere Bindung angewiesen. Sie waren und sind wirtschaftlich abhängiger. Sie können schwanger und dann verlassen werden. Sie haben - weil sie sich nur in einem bestimmten Lebensalter fortpflanzen können - schlechtere Chancen auf dem Heiratsmarkt. Auch psychologische Studien zeigen, dass bei Frauen, anders als bei Männern, bei sexueller Erregung auch Hirnregionen aktiv sind, die für Urteile und Entscheidungen zuständig sind.

Lust wird immer im Zusammenhang mit der Situation und den Umständen erlebt. Sexuelle Erregung ist also damit verbunden, wie geborgen und vertraut sich die Beziehung anfühlt. Entsprechend zeigt sich in Untersuchungen, dass die langjährigen Paare, die sich einander insgesamt näher fühlen, auch ihre Sexualität als befriedigender einschätzen.

In einer festen Liebesbeziehung ist sexuelle Erregung also davon abhängig, wie nah und verbunden wir uns fühlen. Auch auf die Gefahr hin, vulgär zu klingen und dazu aufzufordern, ziemlich berechnend vorzugehen, habe ich Männern wie Herrn V. schon gesagt: "Wer ficken will, muss freundlich sein." Das prägt sich ein, ist leicht einzusehen und beschreibt einen von Männern häufig übersehenden Aspekt in der Sexualität von Paaren. Sex braucht Sicherheit.

Ein Artikel aus BRIGITTE Heft 01/2015 Text: Oscar Holzberg

Kommentare (4)

Kommentare (4)

  • Anonymer User
    Anonymer User
    und es gibt zich therapeuteh, die behaupten, je sicherer die beziehung ist, desto weniger wollen frauen in einer beziehung sex. und ja, auch ich kenne es von mir, von freunden und bekannten. mir ist nur einer von guten 30 bekannt, bei dem die frau mehr sex will als der mann. allerdings sind meine bekannten auch noch alle unter 35 und da wo man hört das männer unlust haben, war entweder ne andere frau im spiel, die frau unaktrativ für ihn, er hatte erektionsprobleme oder war workaholic. nach meiner erfahrung: am anfang, wollen beide immer viel sex, nach 4 jahren, wollen 85% aller frauen deutlich weniger als der mann und nehmen als leitspruch auch gerne "besser keinen, als schlechten sex" während der mann sagt "besser schlechten als keinen"
  • Anonymer User
    Anonymer User
    Manche Frauen wollen öfters Sex als Männer.

    Wenn man als mann ständig Probleme mit sich rumschleppt (muss) und nicht Gesund ist,

    nervt einen der Partner schon kräftig.

    Sex ist in der Partnerschaft nicht das Wichtigste
  • Anonymer User
    Anonymer User
    Mich nervt es, wenn in Artikel ständig wiederholt wird, dass der Mann (mehr) Lust hat und die Frau weniger oder gar nicht. Ich kenne viele Beziehungen, in denen die Frau mehr Lust hat und der Mann müde / desinteressiert / überfordert dem Wunsch der Frau gegenüber reagiert.

    Warum kommt diese Sicht so selten vor?

    Und das, wo inzwischen die Lustlosigkeit unter Männern genauso grassiert wie unter Frauen, wie statistische Erhebungen zeigen?
  • Anonymer User
    Anonymer User
    mir fällt bei der Beschreibung der Ehegatten-Alltage auf, dass Sex an allerletzter Stelle kommt, von der Priorität her nachgeordnet dem Arbeiten, Laufengehen, Nachrichtengucken, Kinder ins Bett bringen und soll dann noch zwischen Zähneputzen und Schlafengehen passen.

    So musste ich an einen vorherigen Artikel von Herrn Holzberg bezüglich Alltagsüberforderungen und daraus folgenden Paarüberforderungen denken. Sex scheint mir irgendwie ein früher, unspezifischer aber sensitiver Marker für derartigen Beziehungsstress und Paarentfremdung zu sein.

    Wie wäre es mit einer Alltagsentschlackung für beide? Wenn beide ihre jeweiligen Alltagsanforderungen und Lebenswelten vermehrt teilten und außerdem die Belastungen reduzieren könnten?



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