Paartherapie: Tipps vom Experten

Das können Sie tun, wenn die Liebe Hilfe braucht: Tipps, wann eine Paartherapie sinnvoll ist und worauf Sie bei der Wahl des Therapeuten achten sollten.

Wir streiten häufig - auch über Kleinigkeiten. Sind wir ein Fall für eine Therapie?

In jeder Beziehung muss man Einschränkungen und Kränkungen aushalten. Die Qualität einer Partnerschaft lässt sich nicht daran messen, wie viel und worüber man streitet: über die Erziehung, ob man ein Haus kaufen oder eine Familie gründen soll oder nicht, wer was im Haushalt macht. Ob eine Beziehung Hilfe braucht, sieht man vor allem daran, wie sich die Partner miteinander auseinandersetzen. In einer funktionierenden Beziehung beherrschen beide Strategien, mit denen man Konflikte bewältigt. Beide fühlen sich gleichermaßen verantwortlich für die Beziehung - und empfinden dabei auch noch Liebe, Glück und Spaß. Wenn dagegen das Gespräch zuverlässig ins Negative abgleitet und das Miteinander von Mäkeln, Verachtung, Verletzungen, Selbstverteidigung oder auch Gesprächsverweigerung geprägt wird, läuft etwas falsch.

Wer das Gefühl hat, in einer Situation zu leben, die man nur noch erträgt, statt sie zu gestalten, muss etwas ändern. Knallen Türen, fliegen Fetzen, und das stets bei denselben Themen - dann sollten Sie sich Hilfe holen. Und zwar schnell. Denn: Haben sich Paare endlich zur Therapie durchgerungen, kommen sie im Durchschnitt sechs Jahre zu spät - also erst dann, wenn sich die Probleme schon verfestigt haben und eine Lösung äußert kraftaufwändig ist.

Gibt es unterschiedliche Arten der Paartherapie?

Ja. Bei der Paartherapie werden drei Ansätze unterschieden, die Studien zufolge gleichermaßen wirkungsvoll sind: die Verhaltenstherapie, die systemische und die tiefenpsychologische Paartherapie. Die Verhaltenstherapie versucht ungünstige Handlungsmuster in der Beziehung aufzudecken und Alternativen zu erarbeiten. Systemische Therapie versucht das festgefahrene Beziehungsgefüge aufzurütteln und verschüttete Stärken wiederzubeleben. Was glauben Sie, was denkt Ihr Mann, warum Sie sich so verhalten? Der tiefenpsychologische Ansatz versucht die Verstrickung der Partner zu lösen, indem er in der Kindheit erlernte, unbewusste Gefühlsmuster klärt. Die meisten Paartherapeuten haben zwar eine bestimmte Ausrichtung, arbeiten aber schulenübergreifend. Welcher Ansatz für welches Paar am besten geeignet ist - dafür gibt es kein Patentrezept, denn das kommt weniger auf das Problem, sondern vielmehr auf die Einstellung der Partner an.

Wie finden wir einen Therapeuten, der zu uns passt?

Die Berufsbezeichnungen Paartherapeut, Eheberater und Paarberater sind nicht geschützt - sie setzen keinerlei Qualifikationen voraus. Anders die Angabe "Psychotherapeut". Sie ist seit 1999 geschützt und garantiert eine fundierte Therapie-Ausbildung. Oft können Hausarzt oder Freunde jemanden empfehlen. Mit dem Therapeuten oder der Therapeutin vereinbart man eine Kennlernstunde und entscheidet spontan: Fühlt man sich wohl, angenommen, verstanden? Ist einer mit dem Therapeuten unzufrieden, sollten Sie sich besser nach einem anderen umsehen. Manchmal braucht es zwei, drei Anläufe, bis man den für beide Passenden gefunden hat. Wenn allerdings auch der vierte Therapeut nicht gut genug ist, sollten Sie sich fragen, ob Sie vielleicht unbewusst versuchen, eine Therapie zu vermeiden.

Was passiert eigentlich bei einer Paartherapie?

Bei einer Paartherapie blickt ein Therapeut unparteiisch von außen auf die Beziehung. Er (oder sie) wird zu einer Art Dolmetscher, wenn die Partner kaum mehr dieselbe Sprache sprechen. Beim ersten Treffen ist es oft sinnvoll klarzustellen, was jeder Partner sich von der Therapie erhofft. Wollen beide wieder zusammenfinden? Denkt einer an Trennung? Manche Paare gehen auch nur aus dem Grund zum Paartherapeuten, um sich möglichst friedlich zu trennen. Ist das Therapieziel festgelegt, rücken die Probleme in den Mittelpunkt: Wie sind sie entstanden? Wie gut hört einer dem anderen überhaupt noch zu? Wie redet, wie streitet das Paar? Im Normalfall umfasst eine Therapie zwischen zehn und 15 Sitzungen. Erfolgreich war eine Therapie dann, wenn beide Partner verstehen, was sie zur Krise beitragen und wie sie die alten Handlungsmuster durchbrechen können.

Was bringt eine Paartherapie?

Nach 15 Sitzungen verbessert sich bei jedem zweiten Paar die Beziehung: Es geht beiden Partnern wenigstens über zwei Jahre lang besser. Bei einem knappen Drittel wirkt Paartherapie nur kurzfristig, das heißt kürzer als sechs Monate. 15 Prozent trennen sich trotz Therapie - allerdings sagen fast alle dieser Paare, dass die Trennung durch die Therapie friedlicher verlief. Eine Paartherapie verbessert den allgemeinen Gesundheitszustand. Klagten vor der Paartherapie 80 Prozent der Befragten über körperliche Beschwerden, war es nach der Therapie nur noch jeder Fünfte. Wenn einer der Partner psychisch krank ist, kann die Genesung durch Paartherapie unterstützt werden. Das gilt besonders für Depressionen, Angststörungen und Suchtkrankheiten. In diesen Fällen übernehmen die Krankenkassen sogar einen Teil der Kosten.

Auch Präventionskurse sind wirksam: Fast zwei Drittel der Teilnehmer waren ein Jahr nach dem Training in ihrer Partnerschaft glücklicher als zuvor. Sie gaben an, seit dem Training besser mit Stress umgehen zu können und Konflikte schneller zu lösen. Dieser Effekt hält etwa zwei Jahre an.

Was kostet eine Paartherapie?

Leider übernehmen die Krankenkassen die Therapiekosten im Normalfall nicht. Die Stundenhonorare von Therapeuten liegen zwischen 80 und 150 Euro. Wesentlich billiger sind so genannte Paarberatungen, die nach ganz ähnlichen Methoden vorgehen und von kirchlichen und staatlichen Beratungsstellen angeboten werden. Eine Stunde kostet dort meist weniger als 20 Euro, manchmal ist das Angebot sogar kostenlos. Allerdings: Häufig ist die Paarberatung auf zehn Sitzungen begrenzt.

Geht es nicht auch ohne Therapeuten?

Eine Alternative zur persönlichen Therapie gibt es inzwischen im Internet. Zusammen mit der Universität Göttingen hat Theratalk.de über zehn Jahre ein Konzept entwickelt, bei dem die therapeutische Beratung ausschließlich über das Internet stattfindet. "Theratalk.de" erzielt dabei eine ähnlich hohe Wirksamkeit wie eine normale Paartherapie. Die durchschnittliche Dauer einer Therapie im Internet liegt bei zwölf Wochen, eine Woche kostet 65 Euro pro Person. Auf der Webseite finden Sie als Einstieg einen kostenlosen, sehr aufschlussreichen Partnerschaftstest.

Wer etwas dafür tun will, dass eine Paartherapie gar nicht erst notwendig wird, kann auch vorbeugen: Kommunikationskurse sollen den gegenseitigen Umgang in der Partnerschaft verbessern. EPL (ein partnerschaftliches Lernprogramm) zeigt Paaren bei einem Wochenendseminar, wie sie konstruktiv miteinander reden und Probleme lösen können. EPL wendet sich vor allem an junge Paare und kostet um die 100 Euro. KEK (Konstruktive Ehe und Kommunikation) spricht Paare an, die schon länger zusammen sind und in einem Kurs über zwei Wochenenden die Entwicklung ihrer Beziehung unter die Lupe nehmen wollen. Die Kosten für KEK liegen bei 270 Euro. Weitere Informationen zu beiden Angeboten finden Sie hier.

So finden Sie den passenden Paartherapeuten - die wichtigsten Adressen

  • Wenn der Hausarzt oder Freunde keinen Paartherapeuten empfehlen können, wenden Sie sich am besten an die jeweiligen Berufsverbände. Deren Mitglieder sind seriös und haben eine fundierte Ausbildung
  • Psychotherapie: Informationsdienst des Berufsverbandes Deutscher Psychologinnen und Psychologen, www.psychotherapiesuche.de, Tel.030/209166-330
  • Systemische Paartherapie: Systemische Gesellschaft (SG)- Deutscher Verband für systemische Forschung, Therapie, Supervision und Beratung e.V., www.systemische-gesellschaft.de, Tel: 030/ 53 69 85 04; Deutsche Gesellschaft für Systemische Therapie und Familientherapie (DGSF), www.dgsf.org, Tel: 0221/ 61 31 33; Internationale Gesellschaft für systemische Therapie, www.igst.org, Tel. 062 21/406 40
  • Verhaltenstherapeutische Paartherapie: Deutsche Gesellschaft für Verhaltenstherapie, www.dgvt.de, Tel. 070 71/943 40
  • Psychoanalytisch orientierte Paartherapie: Institut für Paartherapie e.V., www.paarinstitut.de, Tel. 069/95 05 90 19
  • Eine gute Alternative zu Paartherapeuten sind Paarberatungsstellen in kirchlicher oder staatlicher Trägerschaft. Die Telefonnummern der Beratungsstellen in der Nähe Ihres Wohnortes finden Sie auf den jeweiligen Internetseiten
  • Deutsche Arbeitsgemeinschaft für Jugend- und Eheberatung: www.dajeb.de
  • Pro familia: www.profamilia.de
  • Kirchliche Beratungsstellen: www.katholische-eheberatung.de, www.ekful.de

Das BRIGITTE-Interview mit Oskar Holzberg

  Oskar Holzberg

Oskar Holzberg

Noch mehr Tipps: Über unwillige Männer und den richtige Zeitpunkt für einen Neuanfang - ein Gespräch mit BRIGITTE-Psychologe Oskar Holzberg über Chancen einer Paartherapie.

BRIGITTE: Herr Holzberg, wird während der paartherapeutischen Sitzungen, die Sie hier in diesem Zimmer durchführen, häufiger geschrien oder geweint?

Oskar Holzberg: Häufiger geweint. Erleben Sie auch echte Wutausbrüche? Die verrückteste Geschichte war die, als eine Frau einen Picknickkorb mit in die Sitzung brachte. Ich glaube, das war von ihr als Symbol für eine Versöhnung gedacht. Ich war etwas erstaunt, aber na ja - warum nicht? Nur: Aus der Versöhnung wurde nichts, der Mann war schwer genervt von ihrem aus seiner Sicht überzogenen Harmoniestreben. Er wurde immer wütender. Und auf dem Höhepunkt seiner Wut, vermutlich hatte sie ihm gerade etwas Leckeres zu essen angeboten, ist er auf Socken in den Picknickkorb gesprungen. Das war eine sehr ungewöhnliche Sitzung.


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BRIGITTE Heft 05/08 Text: Anne Otto

Wer hier schreibt:

Anne Otto

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