Retten Sie die Liebe

Die Beziehung ist in der Krise? Retten Sie sie. Neun Paare erzählen, wie sie es geschafft haben.

"Das Kinderthema wurde zur Zerreißprobe"

Jutta B., 41, und Christian B., 35, aus Köln

Das hat uns gerettet: Jeder macht eine Therapie

Acht Jahre hofften Christian und ich auf eigene Kinder. Die vielen Enttäuschungen wurden zur Zerreißprobe: Zwei fehlgeschlagene künstliche Befruchtungen und eine Eileiter-Schwangerschaft überstand unsere Beziehung. Aber die Nerven lagen oft blank. Mit den verlorenen Hoffnungen kam unserer Liebe die Leichtigkeit abhanden. Vor einem Jahr ging es mir sehr schlecht. Ich war mir nicht mehr sicher, ob wir überhaupt noch eine Zukunft haben. Dieser Tiefpunkt wurde zum Neuanfang.

Wir gehen beide zur Einzeltherapie und lernen, weder uns selbst noch dem anderen die Schuld an der Unfruchtbarkeit zu geben. Schon in der zweiten Sitzung erkannte ich, dass ich ein Leben ohne Christian noch schlimmer fände als ein Leben ohne Kinder. Und jetzt? Wir kümmern uns wieder um uns als Paar, statt nur auf eine Schwangerschaft zu warten. Zur Zeit überlegen wir, ob wir ein Kind adoptieren wollen. Aber wir wissen jetzt, dass wir auch zu zweit eine Familie sind.

"Seine Eltern waren ihm wichtiger als ich"

Tanja B., 40, und Patrick B., 39, aus Dorsten und Bottrop

Das hat uns gerettet: Eine Affäre

Patrick und ich sind sehr verschieden - ich bin chaotisch, aufbrausend, er ist eher pingelig. Da ist Stress vorprogrammiert. Richtig genervt hat mich allerdings, dass ihm seine Eltern offenbar wichtiger waren als unsere Beziehung. Jeden Samstag ist er zu ihnen gefahren, und bei Familienfesten fühlte ich mich als fünftes Rad am Wagen. Ich verknallte mich schließlich in jemand anderen, den ich im Netz kennen gelernt hatte.

Die Situation mit Patrick eskalierte daraufhin, und ich zog aus. Ich war kurz erleichtert über diesen Schnitt, aber trotzdem hat es sich nicht richtig angefühlt. Ich merkte, dass ich Patrick vermisste, nicht ohne ihn sein will. Nach einigen Wochen haben wir endlich in Ruhe darüber reden können, was uns aneinander stört. Und über Gespräche haben wir wieder zusammengefunden. Und jetzt? Heute weiß ich, dass ich mich auf ihn verlassen kann. Wir versuchen, die Macken des anderen zu akzeptieren. Wir planen unsere Zukunft, haben gerade ein Haus gekauft.

"Wir haben uns dauernd angeschrien"

Jutta S., 41, und Michael S., 43, aus Hamburg

Das hat uns gerettet: Die Trennung guter Freunde

Wir waren überfordert von unserem anstrengenden Leben mit zwei kleinen Kindern und Vollzeit-Jobs. Monatelang haben wir uns dauernd angeschrien. Dann haben sich gute Freunde von uns getrennt. Das war ein Schock - und sehr heilsam für uns.

Entsetzt stellten wir fest, dass so etwas Trauriges wie eine auseinanderbrechende Familie ziemlich schnell passieren kann, wenn man als Paar nicht gut auf sich aufpasst. Und jetzt? Wir haben uns zusammengesetzt und überlegt, wie wir den Druck aus unserem Alltag nehmen können. Michael hat sich schließlich selbständig gemacht. Er kann jetzt zum Beispiel die Kinder von der Kita abholen und sich nachmittags kümmern. Auch ich arbeite weniger und bin nicht mehr so ausgepowert. Unser Alltag ist ruhiger geworden, das wirkt sich wohltuend auf unsere Liebe aus. Unser Humor ist auch wieder da, zum Glück. Neuerdings gelingt es uns sogar manchmal, einen Streit mit einem Witz zu beenden.

"Wir hatten oft Stress wegen der Ex-Partner"

Fernanda P., 31, und Philipp P., 44, aus Hamburg

Das hat uns gerettet: Der klare Beschluss: Wir sind die Basis

Jeder von uns brachte ein Kind mit aus einer früheren Beziehung, zusammen haben wir unsere gemeinsame Tochter Carla. Die Interessen der drei Kinder im Alter von vier bis 15 Jahren unter einen Hut zu bringen ist oft schwer - besonders an den Wochenenden. Mal sorgt das fehlende dritte Kinderzimmer für Schwierigkeiten, mal sind es unsere Ex-Partner, die sich nicht an Vereinbarungen halten.

Unsere Liebe hat schon viele Zweifel und Krisen überstehen müssen, eine Patchwork-Familie ist eben eine echte Herausforderung für die Liebe. Und jetzt? Wir haben vor einigen Monaten gemeinsam beschlossen, mehr darauf zu achten, dass wir als Paar zusammenhalten. Das bedeutet vor allem, die Ex-Partner nicht mehr in Schutz zu nehmen, so dass sie keinen Anlass mehr für Beziehungskrisen geben können. Wir als Paar sind die Basis. Und wir wollen unseren Kindern auf keinen Fall eine weitere Trennung zumuten, deshalb strengen wir uns jetzt mehr an als früher.

"Ich dachte, er hat was mit einer anderen Frau"

Gisela G., 60, und Roman G., 46, aus Eschweiler

Das hat uns gerettet: Ein verquerer Online-Flirt

Jahrelang haben wir beide im Schichtdienst gearbeitet, er nachts, ich tagsüber, und am Wochenende stritten wir. Oft fuhr er an den See, um seine Ruhe zu haben. Ich dachte, er trifft sich mit einer jüngeren Frau. Irgendwann gab es tatsächlich einen Ausrutscher, wie er es nannte. Für mich war klar, jetzt ist es vorbei. Ich suchte Trost in einem Chatroom, und prompt meldete sich ein Mann, mehr als zehn Jahre jünger als ich. Ich hatte Bedenken, schrieb: Uns trennen Welten, ich bin 60.

Aber er war witzig und zugleich einfühlsam, das gefiel mir. Nach drei Monaten verabredeten wir uns zu einem Blind Date. Erkennungszeichen: eine rote Rose. Ich kam zu spät und sah durch die Fensterscheibe im Café meinen Mann. Vor ihm lag die rote Rose. Und jetzt? Dadurch, dass wir uns im Chatroom so anders erlebten, geht plötzlich alles wieder: miteinander reden, scherzen, zusammen ausgehen, Sex. "Ich habe die alte Gisela wiedergefunden", sagt mein Mann, "und lasse sie nicht mehr los."

"Er hat mir nie richtig gezeigt, dass er mich liebt"

Katrin d. R. P., 39, und Carlos d. R. P., 39, aus Riederich

Das hat uns gerettet: Ein Brief

Ich litt von Anfang an darunter, dass Carlos mir nie so richtig seine Liebe zeigen konnte. Der Tod meines Vaters vor drei Jahren löste dann eine Sinnkrise in mir aus. Plötzlich zweifelte ich an allem - auch an unserer Liebe im verflixten siebten Jahr. Der Alltag hatte uns eingeholt, ich vermisste Geborgenheit, eine Schulter zum Anlehnen in dieser schweren Zeit. Wir stritten viel. Ich merkte: So geht es nicht weiter. Ich musste raus. Also packte ich ein paar Sachen und zog zu einer Freundin. Zurück ließ ich einen Brief, schrieb mir alles von der Seele. Ich wollte uns beiden die Chance geben nachzudenken, eine Auszeit. Carlos war geschockt. Erst da verstand er, dass er mich fast verloren hatte. Wir trafen uns, es folgten unzählige gute Gespräche, viele Tränen und die Entscheidung, dass wir ohne den anderen nicht sein wollten. Aber wir wussten auch, dass wir für unsere Liebe noch viel tun mussten. Wir zogen in eine neue Wohnung, und ein Jahr später machte mir Carlos einen Heiratsantrag. Und jetzt? Wir sind glücklich, und unsere Tochter Louisa ist ein Jahr alt.

"Immer nur Löffelchen"

Das hat uns gerettet: Der gemeinsame Besuch bei einer Prostituierten

Früher hatten wir fast jeden Tag Sex. Aber irgendwann wurden es immer mehr Nächte, in denen wir in Löffelchenhaltung einschliefen. Ohne Sex, da waren mein Mann und ich uns ganz sicher, würde unsere Liebe verkümmern. Ich hatte schließlich die Idee mit dem Dildo. Wir fanden endlich wieder die Erregung, die wir so lange vermisst hatten. Dann bekamen wir Lust auf Experimente, guckten gemeinsam Pornofilme. Unser Sex wurde wieder gierig. Wir wollten mehr. Als ich vorschlug, zusammen zu einer Prostituierten zu gehen, verschlug es meinem Mann fast die Sprache, aber die Vorstellung machte uns an. Es war gar nicht so einfach, eine Prostituierte zu finden, die uns zu zweit akzeptierte. Am Anfang waren wir verklemmt, versuchten Konversation zu machen und kamen uns bescheuert vor. Wir zogen durch, was wir uns vorgenommen hatten, aber die Befangenheit wich nicht. Als wir nach Hause fuhren, sprachen wir über das, was wir gerade erlebt hatten. Das turnte uns so an, dass ich auf einen abgelegenen Parkplatz fuhr. Das Erlebnis wurde zu einer gemeinsamen Fantasie, die wir beim Sex immer abrufen und ausmalen können. Und jetzt? Ob diese Experimente unsere Liebe gerettet haben, weiß ich nicht. Aber bereichert haben sie unser Sexleben ganz sicher. Wir sind uns nähergekommen, haben vor drei Jahren geheiratet, und ich erwarte unser zweites Kind.

Maike S., 29, und Bernd G., 41, aus Stuttgart

"Als ich nach Spanien zog, versandeten unsere Gefühle"

Heike N., 22, und Dominik H., 24, aus Hamburg und Plauen

Das hat uns gerettet: Hartnäckigkeit

Dominik und ich waren seit 2006 ein Paar, für uns beide die erste große Liebe. Dann zog ich nach Barcelona, um meine Ausbildung zur Erzieherin abzuschließen. Das neue Leben gefiel mir überraschend gut, auch ohne Mann. Ich vermisste Dominik immer weniger. Zuletzt stritten wir nur noch, per Skype machten wir schließlich Schluss. Ich lernte einen anderen Typen kennen und verliebte mich. Zurück in Deutschland merkte ich, wie viel mir Dominik noch bedeutet. Doch auch er hatte inzwischen eine neue Freundin. Ich versuchte ihn abzupassen, ging zu Partys, auf denen ich ihn vermutete, verwickelte ihn in Gespräche und schrieb ihn über Facebook an. Es war nicht leicht, aber schließlich konnte ich ihn zu einem Kaffeetrinken überreden. Wir trafen uns danach mehrmals. Und jetzt? Als ich ihm schließlich ein selbst gedrehtes Video mit Bildern von uns schenkte, hatte ich ihn überzeugt. Gegen das vertraute Gefühl von früher konnten wir beide nicht an. Eine Fernbeziehung führen wir zwar immer noch, aber wenigstens innerhalb Deutschlands. Es fühlt sich an wie frisch verliebt.

"Unsere Sexualität war völlig verbuddelt"

Das hat uns gerettet: Eine Zeitungsanzeige

Meine Frau und ich kennen uns seit der Jugendzeit, wir sind seit fast 40 Jahre ein Paar. Vor gut zehn Jahren braute sich unser Problem zusammen: Wir hatten beruflichen Stress und immer seltener Sex. Oft, wenn wir auch am Wochenende nicht miteinander geschlafen hatten, war die Stimmung nur noch mies. Unsere Körperlichkeit war vollkommen verbuddelt. Durch eine Zeitungsanzeige bin ich auf Tantra-Massagen gestoßen. Nach meinem ersten Termin war ich hin und weg, einige Zeit später ist meine Frau zum ersten Mal mitgekommen. Bei Tantra-Massagen geht es nicht in erster Linie um Geschlechtsverkehr. Man kann zwar zum Orgasmus kommen, aber Tantra ist vor allem eine spirituelle Technik, bei der es darum geht, den ganzen Menschen zu akzeptieren. Wir näherten uns dadurch auf eine sehr intensive Art wieder an. Und jetzt? Wir haben geheiratet! Obwohl wir schon so lange zusammen waren, hatten wir das nie getan. Ich wollte auch nicht, solange wir die sexuellen Probleme nicht gelöst hatten. Nach wie vor verabreden wir uns einmal in der Woche zu einer Tantra-Massage, das ist ein sehr wichtiger, fester Termin für uns beide.

Maria S., 53, und Werner S., 54, aus Nordrhein-Westfalen

Fotos: Dominik Asbach, Brita Sönnichsen, Dominik Asbach, Sabine Höroldt BRIGITTE Heft 10/2012

Kommentare (3)

Kommentare (3)

  • Anonymer User
    Anonymer User
    Ich kann dem Paar sehr gut nachfühlen!! Ich habe das selbe problem in meiner Ehe! Ich finde den Artikel gut.
  • Anonymer User
    Anonymer User
    Es gab einmal eine Zeit, da hatte "Brigitte" ein gewisses Niveau. Da haben sich Frauen offen zur Abtreibung bekannt, da hat man für die Rechte der Frauen gekämpft. Jetzt hat Brigitte in etwas das Niveau von "Bravo". (gibt es Bravo eigentlich noch). Sie wollen doch nicht solche Artikel wie den obigen als Lösungsvorschläge anbieten? Was ist das? So ne Art "Briefkastentante"? Schlimmer geht es nimmer, um es mal gany einfach zu sagen. Sind wir Frauen geistig so tief gesunken?

  • Anonymer User
    Anonymer User
    Selten soviel banales auf einmal gelesen. Das sollen Problemlösungen sein?

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